Samstag, 24. Juli 2021
30.06.2020 08:06
Biolandbau

Von der Nische zum Trendprodukt

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Von: aiz

Die Sojabohne hat sich in den vergangenen fünf Jahren nach Mais, Weizen und Gerste zur viertgrößten Ackerkultur in Österreich entwickelt. Im Bio-Landbau wurde 2020 der Anbau von Sojabohnen zum neunten Mal in Folge gesteigert.

Wie eine aktuelle Flächenauswertung der Agrarmarkt Austria (AMA) zeigt, stehen heuer mit 26’449 ha um exakt 2’008 ha oder 8% mehr Soja auf den Bio-Feldern als im Vorjahr.

Die Sojabohne hat damit heute bei biologisch wirtschaftenden Betrieben den Mais überholt und ist nach Weizen zur zweitwichtigsten Ackerkultur geworden. Sojabohnen können den Stickstoff aus der Luft als Dünger nutzen, das kommt der Kultivierung im Bio-Landbau besonders zugute. Der Bio-Anteil an der Gesamtfläche von Sojabohnen macht nun in Österreich knapp 40% aus, das ist europaweit einzigartig.

Erfolgreiche Aktivität der heimischen Pflanzenzüchter

Insgesamt konnte in Österreich die Fläche von Sojabohnen mit 68’414 ha ihre Position halten und sich klar von anderen Eiweisskulturen wie Ackerbohne (5’765 ha) oder Körnererbse (5’014 ha) abheben. „Der Grund für diese positive Entwicklung ist die relative Vorzüglichkeit dieser Pflanze. Die Sojabohne weist mit rund 40% den höchsten Proteingehalt von allen Eiweisspflanzen auf und liefert den Bauern verlässliche Erträge“, erklärt Karl Fischer, Obmann des Vereins Soja aus Österreich.

Dies liege zum einen an den erfolgreichen Aktivitäten der heimischen Pflanzenzüchter, die Jahr für Jahr auf attraktive Sortenentwicklungen verweisen können, und zum anderen an der Kultur selbst, die mit den herausfordernden Bedingungen des Klimawandels deutlich besser zurechtkomme als Konkurrenzfrüchte. „Letztendlich entscheidend ist aber die zunehmende Nachfrage nach gentechnikfreien Sojabohnen in der Lebensmittelherstellung, sowohl in Österreich als auch im Export. Dieser Markt wächst stetig, erst recht nach Corona“, so Fischer.

Österreischische Pflanze

Spitzenreiter in Österreich ist das Burgenland mit insgesamt 23’420 ha, womit 15% der burgenländischen Ackerfläche mit Sojabohne bestellt sind. Der Bio-Anteil macht mit 52% das erste Mal mehr als die Hälfte des gesamten Volumens aus. Die grösste Dynamik der letzten drei Jahre entwickelte sich in Niederösterreich, dort stehen heuer Sojabohnen auf 20’494 ha Ackerfläche, mit 54% ist der Bio-Anteil von allen Bundesländern am höchsten. Substanzielle Flächen gibt es zudem in Oberösterreich mit 15’019 ha.

Bis auf Vorarlberg wächst die Sojabohne in jedem Bundesland, selbst im alpinen Tirol wird sie kultiviert. „Man kann daher mit gutem Recht von einer österreichischen Pflanze sprechen“. Die ersten Anbauversuche mit Soja in Österreich starteten bereits 1875. Friedrich Haberlandt, Universitätsprofessor an der damaligen Hochschule für Bodenkultur, begann an 125 Standorten in der ganzen Monarchie seine Versuche mit Saatgut aus Asien und legte damit den Grundstein.

Rekordernte

Im Vorjahr wurde in Österreich mit 215’000 t eine Rekordernte an Sojabohnen eingefahren, von der rund 40% zu Lebensmitteln verarbeitet wurden. Zu den klassischen Produkten wie Sojamehl und Flocken, Sojasprossen, Edamame, Knabbersoja, Sojadrinks, Desserts, Tofu und Aufstrichen sind in letzter Zeit weitere spannende Erzeugnisse hinzugekommen. „Insbesondere der Fermentationsbereich ist hochaktiv“, freut sich Fischer. „Mittlerweile produzieren österreichische Unternehmen Sojasauce, Miso, Natto und auch Tempeh aus regionalen, gentechnikfreien und biologischen Sojabohnen.“

Immer mehr Start-ups in Österreich versuchen erfolgreich, die asiatische Küche heimisch zu interpretieren. Zuletzt wurde ein ausschliesslich mechanisch hergestelltes Soja-Extrudat aus Niederösterreich entwickelt, das sich hervorragend als Proteinbasis für Rezepte eignet, in denen auf Fleisch verzichtet wird. Damit reagieren heimische Soja-Unternehmen erfolgreich auf die ständig steigende Nachfrage von veganen Kunden (knapp 1%), Vegetariern (rund 4%) und Flexitariern (14%)

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