7.03.2018 11:26
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Bern
Wildschweine zerstören Kulturland
Die Angst vor Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen sitzt tief. Vergangenen Frühling haben Wildschweine in Gampelen BE mehrere Hektaren Ackerland zerstört. In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Wildhüter wollen die Landwirte nun präventiv intervenieren.

Der 40-jährige Ackerbauer Markus Mouttet ist frustriert. Sein 1.3 Hektaren grosses Weizenfeld wurde vergangenen Frühling von Wildschweinen niedergetrampelt und zerdrückt, äussert er gegenüber der Zeitung «Bieler Tagblatt» Schon im Januar, als der Weizen etwa 15 Zentimeter hoch gewesen sei, hätten die Wildscheine die Felder durchquert und die Jungpflanzen zerkaut. Auch das abschiessen von einigen Tieren schreckte die anderen Sauen nicht ab, so Mouttet.

Nicht anders erging es dem Tannenhof in Gampelen. Dort wurde vergangenen Oktober eine Rotte von rund 20 Wildschweinen gesichtet, schreibt das «Bieler Tagblatt» weiter. Auf einem 70 Aren grossen Feld hätten dort Schwarzwurzeln gewachsen. 50 Aren seien schon geerntet gewesen, als die Schweine am 20. Dezember ins eingezäunte Feld eingedrungen seien. Da wegen schlechten Wetterbedingungen mit der Ernte nicht fortgefahren werden konnte, hatten die Wildschweine freie Bahn und frassen über mehrere Nächte hinweg die verbleibenden 20 Aren komplett auf, erzählt Markus Schumacher, Leiter Gemüsebau auf dem Tannenhof, dem Tagblatt.

Kanton entschädigt

Entstehen Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen, können Landwirte den Kanton um eine Entschädigung ersuchen. Moutett habe für den Schaden an seinem Winterweizen eine Entschädigung bekommen, doch zufriedenstellend sei dies nicht. Als Bauer fliesse sein Herzblut in die Produktion von qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel, da wolle er nicht von Schadenersatz-Zahlungen leben, so Mouttet.

Angst vor weiteren Schäden bleibt


Auf dem vier Hektaren grossen Maisfeld des Tannenhof in Gampelen soll heuer ein Mischgetreide aus Weizen und Roggen wachsen. Doch die Angst vor erneuten Schäden ist gross. Die Wildschweine hätten sich an den Festschmaus vom vergangen Jahr erinnert und das Getreide als es 15 Zentimeter hoch war trotz Einzäunung kaputtgemacht, schreibt das "Bieler Tagblatt". Auch Mouttet hat Angst. Er möchte im Frühjahr auf einer Hektare Kartoffeln setzen, was ebenfalls eine Leibspeise von Wildschweinen ist. Saatgut von bis zu 12'000 Franken seien im Boden, so der Landwirt.

Prävention notwendig

Präventionsmassnahmen gingen über das Abschiessen hinaus, da ist sich Hans Ulrich Haussener, der Wildhüter in Gampelen, sicher. Möglichkeiten sind das Erstellen von Zaunsystemen auch mittels Schrecklauten oder unangenehmen Geruch. Als gelernter Landwirt verstehe er die Furcht der Bauern, und bestätigt gegenüber «Bieler Tagblatt», dass es hier, wo die Interessen verschiedenster Akteure zu berücksichtigen seien, es keine Nullachtfünfzehn-Lösung gebe. Um Wildschwein-Schaden wirksam verhindern zu könne, müsse zuerst bekannt sein wie die Tiere funktionieren. Zwischen 2013 und 2016 wurden im Fanel-Gebiet über 30 Wildschweinen Sender angebracht, um zu beobachten warum die Tiere wohin gehen.

Kreative Ideen sind gefordert

Laut dem «Bieler Tagblatt» tüftelt Landwirt Mouttet nun an einem mobilen Zaun, damit er zum Düngen immer noch auf den Acker fahren kann. Die drei oder vier elektrifizierten Drähte sollen nicht senkrecht, sondern gestuft übereinander gespannt werden, dass die Wildschweine beim Betreten des Kartoffelackers länger in Kontakt mit dem Zaun bleiben würden. 

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