15.09.2016 06:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Nährstoffbilanz
Zu viel Gülle wegen Missernte?
Die Missernte dieses Jahres hat Folgen für viehstarke Betriebe mit intensivem Ackerbau. Ihre Nährstoffbilanz kippt.

Die Getreideernte fiel dieses Jahr schlecht aus. «Ich kenne Bauern, die in anderen Jahren jeweils 100kg Futterweizen pro Are gedroschen haben. Heuer sind es 50 Kilo», berichtet Andreas Schori, Bereichsleiter und Fütterungsberater bei der Melior in Herzogenbuchsee BE. Tief ausfallen werden auch Rüben-, Kartoffel- und teils die Maisernte. Und das teilweise bereits zum zweiten Mal in Folge.

Hofdüngerüberschuss

Das führt laut Schori nicht nur zu einem Mindererlös aus dem Verkauf der Ackerprodukte. Es könnte für viehstarke Betriebe Folgen haben. Grund für diese Befürchtung ist die Suisse-Bilanz. Massgebend für den Entzug von Stickstoff (N) und Phosphor (P2O5) sind nämlich die durchschnittlichen Erträge der letzten drei Jahre. Die magere Ernte  führt also dazu, dass weniger N und P entzogen wurde – und folglich weniger gedüngt werden kann.

«Tierintensive Betriebe mit intensivem Ackerbau schlittern durch diese Vorgaben in ein Dilemma», befürchtet Schori. «Da es heuer eine Missernte gab, kann der Nährstoffentzug für N und P2O5 tiefer ausfallen, und die Betriebe haben einen Hofdüngerüberschuss und keine ausgeglichene Bilanz mehr.» Auch sei der Dünger für dieses Jahr bereits gestreut. «Deshalb müsste das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eine Ausnahmeregelung auf Grund höherer Gewalt für die kommende Berechnung der Kontrollbilanz einräumen.»

BLW sieht sich nicht in der Pflicht

Victor Kessler vom BLW sieht den Bund nicht in der Pflicht. Er verweist auf Artikel 106 der Direktzahlungsverordnung. Dieser besagt, dass in Fällen von höherer Gewalt bei Ertragsausfällen in der Suisse-Bilanz maximal die Standarderträge angerechnet werden dürfen und der Kanton auf die Kürzung oder Verweigerung der Beiträge verzichten kann. 

Als höhere Gewalt gelten unter anderem ausserordentliche meteorologische Vorkommnisse wie Starkniederschläge, Dürre, Frost, Hagelschläge oder wesentliche Abweichungen von langjährigen Mittelwerten. Der Bewirtschafter muss Fälle höherer Gewalt innerhalb von zehn Tagen der zuständigen kantonalen Behörde melden.

«Mit diesem Instrument haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass die Kantone flexibel auf Ernteausfälle reagieren können», betont Kessler. «Zudem wurde der Suisse-Bilanz schon 2001 ein Fehlerbereich von 10 Prozent zugrunde gelegt. Der soll, ebenso wie der Durchschschnittsertrag über drei Jahre, Missernten abfedern.»  Wenn ein Tierhalter bereits in normalen Jahren an der oberen Grenze der 110 Prozent sei, müsse er damit rechnen, dass er die Bilanz in Extremjahren nicht erfüllen könne.

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