Samstag, 15. Mai 2021
19.04.2021 12:00
Zuckerrüben

Zuckerrüben setzen: Versuch wird ausgedehnt

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Von: mgt

Die Nachfrage nach Biozucker kann nicht gedeckt werden. Zuckerrüben ganz ohne Pflanzenschutzmittel anzubauen, ist eine Herausforderung. Landwirte testen im grossen Stil, ob mit dem Pflanzen von Setzlingen der Anbau gegenüber der herkömmlichen Aussaat vereinfacht werden kann.

Biozucker ist ein gefragtes Gut. Wie Schweizer Zucker am Montag in einem Communiqué schreibt, ist der  Absatz seit 2014 von 30 Tonnen auf 690 Tonnen im Jahr 2020 gestiegen. Die Anbaufläche erhöhte sich von 7 Hektaren auf 180 Hektaren gewachsen.

Nachfrage nicht gedeckt

Seit 2017 werden auch IP-Suisse-Rüben angebaut. Hier ist die Nachfrage ebenfalls stark gestiegen. 2020 wurden noch auf 1200 ha Zuckerrüben angebaut. Da der Detailhandel diesen Zucker erfolgreich vermarktet, wird 2021 die Anbaufläche auf über 3000 ha erhöht. 

Mit einem Flächenanteil von 1.1 Prozent besetzt der Schweizer Biozucker heute eine Nische. Der Bedarf des Handels kann aber gemäss Mitteilung bei weitem nicht gedeckt werden. Die gesamte Schweizer Zuckerbranche will deshalb das Marktpotential ausschöpfen und den Anbau von Bio- und IP-Zuckerrüben in der Schweiz fördern und so nachhaltiger gestalten.

Hoher Zeitaufwand für Unkrautbekämpfung

«Der Zuckerrübenanbau ohne chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel ist heikel und arbeitsintensiv», schreiben der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer, die Fondation Rurale Interjurassienne, Bio Suisse, die Schweizer Zucker AG und der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenanbau.

Während ihrer Entwicklung sind vor allem die kleinen Jungpflanzen dem Konkurrenzdruck von Unkräutern sowie vielen Schädlingen und Krankheiten ausgesetzt. Biologisch produzierte Zuckerrübenpflanzen sind besonders stark auf eine rasche Jugendentwicklung angewiesen. Vor allem die Unkrautbekämpfung sei eine grosse Herausforderung. «In guten Jahren beträgt der Zeitaufwand für das mechanische Hacken und Jäten rund 100 Stunden pro Hektare, in schwierigen Jahren kann sich der Aufwand verdoppeln oder gar verdreifachen», heisst es in der Mitteilung.

Noch steckt der Setzlingsanbau in den Kinderschuhen.
Thomas Alföldi, FiBL

80’000 Setzlinge pro Hektar

Landwirte und Berater testen seit zwei Jahren in Praxisversuchen an verschiedenen Standorten der Schweiz, ob der Anbau durch das Pflanzen von Setzlingen vereinfacht werden kann. In diesem Jahr wird nun die Fläche auf 60 Hektaren ausgedehnt. Damit werde ein marktrelevanter Umfang erreicht, heisst es. Pro Hektar werden rund 80’000 Setzlinge gepflanzt. Die Setzlinge sind zwischen 10 und 14 cm gross.

Vorteil des Setzlinganbaus gemäss Mitteilung:

– Die Wachstumsperiode kann verlängert und die heikle Phase der Jugendentwicklung im Feld verkürzt werden.

– Die Zuckerrübenpflanzen einen Vorsprung gegenüber Unkräutern und Schädlingen wie Schnecken und Erdflöhen.

– Der maschinelle Einsatz zur mechanischen Unkrautbekämpfung wird erleichtert.

Noch steht der Setzlingsanbau in den Kinderschuhen. Die Jungpflanzen kommen aus kontrolliert biologischem Anbau. Die Kosten pro Hektare betragen rund 3000 Franken, dazu kommen Maschinen- und Arbeitskosten. Es gibt weitere Hürden zu meistern. So ist das mehrreihige Pflanzen eine logistische Herausforderung. Und für das Anwachsen sind genügend Niederschläge  wichtig.

Höhere Erträge

Die Resultate den ersten zwei Versuchsjahren werden von den Beteiligten als vielversprechend taxiert. Die Erträge liegen mit durchschnittlich 65 Tonnen pro Hektare höher als in den gesäten Bio-Vergleichsparzellen. Aufgrund des verminderten Arbeitsaufwandes verbesserte sich der Verdienst pro Arbeitsstunde trotz der hohen Pflanzkosten. Ob sich das Pflanzen von Zuckerrüben als Alternative durchsetzen wird, sollen die weiteren Versuchsjahre zeigen.

Die Versuche zur Förderung des Schweizer Bio Zuckers werden vom Bund und verschiedenen Partnern mit einem Qualitäts- und Nachhaltigkeitsprojekt (QuNaV) unterstützt.

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