25.06.2018 11:21
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
39 Kilo Salat aus der Antarktis
Frisches Gemüse für Arktisforscher in der winterlichen Polarnacht: Die von deutschen Forschern erbaute Testanlage für den Lebensmittelanbau im Weltall, das Antarktisgewächshaus «Eden ISS», hat ihren «vollen Betrieb» erreicht, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Montag in Köln mitteilte.

Pro Woche würden im «Eden ISS» mitten in der winterlichen Polarnacht 1,8 Kilo Gurken, 0,74 Kilo Tomaten und 0,4 Kilo Kohlrabi geerntet. Zusätzlich produziert DLR-Experte Paul Zabel auch Radieschen, Salate und verschiedene Kräuter.

Die extremen Witterungsbedingungen in der Antarktis mit Temperaturen von bis zu minus 45 Grad forderten die Technik dabei enorm, betonte das DLR. Sie lieferten «wertvolle Erkenntnisse für die zukünftige Pflanzenzucht auf Mond und Mars».

39 Kilo Salat, 35 Kilo Gurken, 17 Kilo Tomate

Das Antarktisgewächshaus wurde an der Forschungsstation Neumayer III errichtet, die vom deutschen Alfred-Wegener-Institut (AWI) betrieben wird. Die Ernte aus dem Spezialcontainer bereichert nun den Speiseplan der zehn Mitglieder der sogenannten Überwinterungscrew der Station, die dort während des eisigen Polarwinters ausharrt.

Seit der ersten Ernte Anfang April erzeugte die Anlage auf ihren 13 Quadratmetern Anbaufläche bereits rund 39 Kilo Salat, 35 Kilo Gurken, 17 Kilo Tomaten, sieben Kilo Kohlrabi und vier Kilo Radieschen. «Besonders gut gedeihen Gurken», berichtete der Projektleiter Daniel Schubert, der den Fortgang der Experimente in einem Kontrollzentrum im DRL-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen verfolgt. Paprika und Erdbeeren seien «anspruchsvoller».

Geschlossener Kreislauf

Das «Eden ISS»-Gewächshaus ist eine von der Aussenwelt unabhängige Anlage, in der Obst und Gemüse bei künstlichem Speziallicht ohne Erde steril angebaut werden. Wasser und Nährstoffe bewegen sich in einem geschlossenen Kreislauf.

Das Hightechmodul des DLR ist ein Pilotprojekt zur Erforschung des Nutzpflanzenanbaus unter extremen Bedingungen. Die Entwickler denken dabei an künftige bemannte Weltraummissionen, aber auch an den Lebensmittelanbau in Wüsten und vergleichbaren lebensfeindlichen Regionen auf der Erde.

«Arbeit sehr intensiv»

Der aktuelle Polarwinter auf der Südhalbkugel dient dabei als Härtetest für Technik und Personal. Mitte Juni musste «Eden ISS» sogar drei Tage lang vom Bremer Kontrollzentrum aus ferngesteuert werden, weil Zabel wegen eines schweren Sturms nicht in der Lage war, die 400 Meter von der Neumayer-Station zu dem Pflanzmodul zu überwinden. «Die Arbeit im und am Gewächshaus ist sehr intensiv», erklärte der Raumfahrtexperte, der das Projekt vor Ort betreut.

Zabel hat auch immer wieder wegen technischer Problemen zu tun. So musste er dem DLR zufolge in den vergangenen Wochen unter anderem den Ausfall eines Regelungsventils im Kühlsystem sowie «Unstimmigkeiten im komplexen Steuerungssystem» beheben.  Für die Forscher ist das aber kein Grund für Verärgerung - im Gegenteil: Die technischen Ausfälle und deren Reparatur lieferten «wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse» für den Dauerbetrieb solcher Anlagen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE