8.08.2019 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Alte Landrassen machen Mais fit
Wissenschaftlern der Universität Hohenheim ist es zusammen mit Partnern gelungen, die genetischen Ressourcen von alten Landrassen für die Züchtung von Mais zu erschliessen.

Wie die Hochschule am vergangene Woche mitteilte, kommen einige der neuen Linien in ihren Eigenschaften dem Elite-Mais sehr nahe und können die Pflanzen besser an die Klimaveränderungen anpassen.

Kältetoleranz gegen Spätfröste

Die noch bis 1960 angebauten Landrassen wie Gelber Badischer Landmais, Strenzfelder, Lacaune oder Lizagarotte sind der Hochschule zufolge seit dem 16. Jahrhundert ohne systematische Züchtung entstanden und oft besonders gut an ihre Umweltbedingungen angepasst. Heute lagern diese genetischen Ressourcen vorwiegend in Genbanken.

Um deren gewünschte Eigenschaften nutzen zu können, beispielsweise Kältetoleranz gegen Spätfröste, müssen aus den genetisch sehr heterogenen Pflanzen jedoch erst reinerbige Mais-Linien gewonnen werden. Genau dies ist dem Forscherteam der Uni Hohenheim unter Leitung von Prof. Dr. Melchinger gelungen.

Nun kommen Feldversuche

Mit der sogenannten in vivo Haploideninduktion und der gezielten Bestäubung mit speziellen Induktorgenotypen konnten Samenkörner mit nur einem Chromosomensatz gewonnen werden. Diese wurden zum Keimen gebracht und mit Colchizin behandelt, was zu einer Verdopplung des vorhandenen Chromosomensatzes und damit zu reinerbigen Linien führte.

In einem nächsten Schritt wurden zusammen mit der KWS Saat SE und der Technischen Universität München (TUM) mehrjährige Feldversuche durchgeführt und die Genotypen auf Ertrag und Qualität geprüft. Bei den meisten agronomisch wichtigen Merkmalen hätten die Landrassen zwar im Mittel um 25% bis 30% schlechter abgeschnitten als moderner Hybridmais, doch einige der kältetoleranteren Linien seien dem Elite-Mais sehr nahe gekommen, berichteten die Forscher.

Wachstumsvorsprung


„Diese genetische Vielfalt ist nun für die Züchtung erschlossen und steht ihr künftig zur Verfügung“, hob Melchinger hervor. Wenn der Mais besser mit tiefen Temperaturen klarkomme, könne man ihn früher aussäen und er habe durch den Wachstumsvorsprung bei der ersten Dürreperiode schon kräftigere Pflanzen. Er sei damit fitter für den Klimawandel.

Das mittlerweile abgeschlossene Projekt zur Verbesserung quantitativer Merkmale durch Erschliessung genomischer und funktionaler Diversität aus Mais-Landrassen (MAZE) wurde mit 365'000 Euro vom deutschen Bundesforschungsministerium gefördert.

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