12.03.2018 16:14
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Forschung
Bauernverband ist «fassungslos»
Agroscope, die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, soll sich auf spezialisierte Forschung konzentrieren und die Betriebskosten reduzieren. Zahlreiche Stellen sind in Gefahr. Der Bauernverband schlägt Alarm.

Die Forschungsanstalt Agroscope droht innert kürzester Zeit eine erneute Restrukturierungswelle. Am vergangenen Freitag teilte der Bundesrat mit, etwa 20 Prozent des Budgets von Agroscope einzusparen.

Betriebskosten um 40 Prozent senken

Vor allem sollen die Betriebskosten gesenkt werden. Die Betriebskosten von Agroscope betragen zurzeit 40 Prozent des Budgets. Gemäss einer Mitteilung des Bundesamts für Landwirtschaft von vergangenem Freitag bedingt das einen Stellenabbau. Die Reform soll dank Fluktuationen, der für die Umsetzung vorgesehenen Zeitspanne von zehn Jahren und neuen Aktivitäten mit Geldern von Dritten sozialverträglich sein. Die Forschung soll auf den Standort Posieux FR konzentriert werden, mit verschiedenen Versuchsstationen.

Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist ob den Plänen der Landesregierung alarmiert. Ohne Rücksprache bei den betroffenen Kreisen wolle der Bundesrat die Agroscope zum dritten Mal innert kürzester Zeit restrukturieren, schreibt der SBV. Die Landwirtschaft stehe vor mehreren Herausforderungen – Aktionsplan Pflanzenschutz, Aktionsplan Biodiversität und Strategie Antibiotikaresistenzen – und sei auf die Forschung angewiesen. 

Reinhard müsste Pläne umsetzen

Eva Reinhard wurde von Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Februar als Leiterin der Forschungsanstalt Agroscope bestätigt. Reinhard ist derzeit Vizedirektorin beim Bundesamt für Landwirtschaft. Sie folgt auf Michael Gysi.

Eva Reinhard hat im Bereich Grundlagenforschung Entwicklungsneurobiologie an der ETH Zürich studiert und am Friedrich Miescher-Institut in Basel promoviert. Die 57-Jährige hat an verschiedenen Universitäten und Unternehmen im Ausland geforscht. Die Biologin müsste also die Pläne der Regierung umsetzen.

SBV warnt vor Kahlschlag

«In diesem anspruchsvollen Umfeld schlägt der Bundesrat vor, bei der landwirtschaftlichen Forschungsinstitution Agroscope einen Kahlschlag durchzuführen und das Budget um einen Fünftel zu senken. Davon wären bis zu 600 Stellen betroffen», warnt der Verband. Das Vorgehen und der Plan machen den SBV fassungslos. Das Ganze sei nicht durchdacht und sehr unprofessionell. Das Vorgehen sei ein Affront gegenüber den Mitarbeitenden der Forschungsanstalt.

Bereits 2014 wurden die Agroscope grundlegend restrukturiert. Die sieben unabhängigen Institute wurden in drei Einheiten zusammengeführt unter einem Dach vereint. Die Verteilung der Forschungsanstalten über das ganze Land schadet gemäss der Landesregierung aber der Effizienz.

1000 Angestellte an 12 Standorten

2014 haben bereits etliche Führungskräfte von Agroscope den Betrieb verlassen. Der Verlust an Wissen sei gross gewesen, mahnt der Bauernverband. Der SBV ist mit den Plänen der Regierung überhaupt nicht einverstanden. «Wir werden uns für die Agroscope und die landwirtschaftliche Forschung einsetzen», macht der Bauernverband deutlich. Ein weiterer Verlust bei der landwirtschaftlichen Forschung bedrohe den Spitzenplatz der Schweiz in der nachhaltigen Produktion, warnt der SBV.

Laut dem Personalverband «transfair» arbeiten heute 1000 Angestellte verteilt auf zwölf Standorte bei Agroscope. Zwischen 500 und 600 würden von der Massnahme betroffen. Den Entscheid bedaure Transfair «ausserordentlich». Der Zeitrahmen von zehn Jahren biete aber die Möglichkeit, für die Betroffenen faire Lösungen zu finden. Dafür will sich der Verband einsetzen.

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