18.08.2018 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Baumwurzeln jünger als gedacht
Baumwurzeln führen im Boden eingegraben ein Leben im Geheimen. Doch nun haben Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) eine neue Methode entdeckt, um das Alter und Wachstum feinster Baumwurzeln zu bestimmen.

Dabei stellten sie Erstaunliches fest: Die dünnen Baumwurzeln werden deutlich weniger alt als bisher angenommen, wie das WSL am Donnerstag mitteilte. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich auch in der Zeitschrift «Nature Communications» veröffentlicht.

Wissenschaft tappte im Dunkeln

Bisher war kaum bekannt, wie schnell feine Wurzeln wachsen, wann sie absterben und wie sie auf Umweltstress wie Trockenheit reagieren. Denn während man beispielsweise die Entwicklung und den Stoffwechsel von Blättern genau beobachten und messen kann, tappte die Wissenschaft bei den Wurzeln bisher weitgehend im Dunkeln - obwohl sie im Leben von Bäumen eine entscheidende Rolle spielen, wie es weiter heisst.

Die WSL-Forscher schauten sich daher nun erstmals die Jahrringe von Wurzeln an - und nicht nur des Baumstammes. Mittels Dünnschnitten von weniger als zwei Millimeter dicken Wurzeln identifizierten sie die Jahrringe von mehreren hundert Wurzeln von Fichten, Föhren, Buchen und Zwergbirken und konnten so das reale Alter der feinen Wurzeln abschätzen.

Diskrepanz zwischen Messmethoden

Gleichzeitig bestimmten sie das Alter der Baumwurzeln auch mittels der Radiocarbon-Methode (C-14-Methode), die auch als Radiokohlenstoffdatierung bekannt ist. Damit können beispielsweise Archäologen das Alter ihrer Funde bestimmen. Die dabei verwendete Kohlenstoffvariante 14C bestimmt den Zeitpunkt, wann der Kohlestoff, aus dem die Wurzeln überwiegend bestehen, von der Atmosphäre über die Photosynthese in die Pflanzen gelangt, wie es weiter heisst.

Die Forscher um Studienleiterin Emily Solly stellten eine Diskrepanz fest: «Die Radiocarbon-Methode ergab, dass die Wurzeln im Durchschnitt um etwa zehn Jahre älter eingeschätzt wurden als mittels Jahresringanalyse». Daraus schlossen sie wiederum, dass Bäume relativ alten Kohlenstoff für das Wachstum ihrer jungen Wurzeln verwenden.

Kohlenstoff wird erst gespeichert

Konkret bedeutet dies, dass der während der Photosynthese aufgenommene Kohlenstoff nicht sofort zum Wachstum von Wurzeln eingesetzt wird, sondern in eine Art «Speicherpool» wandert. Die Bäume speichern ihn also erst in ihrem Stamm und investieren ihn dann später in das Wurzelwachstum. Auch über diese Reserve war bisher wenig bekannt.

Laut Ko-Autor Ivano Brunner kann diese Strategie für Bäume lebenswichtig sein: Sie können dank dem Zwischenspeichern in trockenen Jahren auf die Reserven zurückgreifen und so die für sie wichtigen Feinwurzeln bilden. Die Forscher wollen nun unter anderem die Frage klären, ob gestresste Bäume weniger Reserven haben.

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