10.06.2016 07:07
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
CO2 in Fels verwandeln
Eine vieldiskutierte Möglichkeit, den Klimawandel zu bremsen, wäre es, der Atmosphäre einen Teil des bereits ausgestossenen CO2 wieder zu entziehen. Ein internationales Forscherteam um den Schweizer Jürg Matter zeigt nun erstmals, dass sich CO2 in vulkanischem Fels mineralisieren lässt.

Wie die Forschenden im Fachjournal «Science» zeigen, reagiert das Kohlendioxid mit dem umgebenden Fels und bildet innerhalb kurzer Zeit umweltverträgliche Verbindungen. Das Treibhausgas liesse sich so permanent binden.

In weniger als zwei Jahren

Beim «Carbon Capture and Storage» (CCS) wird der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen und permanent unterirdisch gelagert. Als Gas in Hohlräume gepumpt könnte es jedoch wieder entweichen. Deshalb prüfen Forschende die Alternative, den Kohlenstoff in mineralisierter Form zu binden. Bisher nahm man jedoch an, dass dieser Prozess Hunderte bis Tausende von Jahren bräuchte.

Bei der nun erschienenen Studie erfolgte die Mineralisierung jedoch unglaublich schnell, wie die University of Southampton mitteilte, an der der Studienautor Jürg Matter forscht. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass zwischen 95 und 98 Prozent des eingespritzten CO2 innerhalb von weniger als zwei Jahren mineralisiert wurde», liess sich Matter zitieren.

90 Prozent aus Basalt

Erfolgreich war das Unterfangen insbesondere wegen des gewählten Gesteins: Das Gas wurde - in Wasser gelöst - 400 bis 800 Meter tief in vulkanischen Fels in Island gespritzt, der bis zu 90 Prozent aus Basalt besteht. Basalt wiederum ist reich an Kalzium, Magnesium und Eisen, die nötig sind, um Kohlendioxid in Form von Karbonatmineralien zu binden.

Mithilfe chemischer Substanzen verfolgten die Forschenden, wie sich die Zusammensetzung des Wasser mit der Zeit veränderte. Ihre Resultate deuten darauf hin, dass der Grossteil des CO2 binnen zwei Jahren mineralisiert war.

Emissionen senken und CO2 binden

Mit dem Pariser Klimaabkommen haben sich die Länder darauf geeinigt, die Klimaerwärmung auf höchstens 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Temperatur zu begrenzen. Dazu müssen die CO2-Emissionen der Menschheit laut Experten im Laufe der nächsten Jahrzehnte auf Null gesenkt werden.

Parallel zu den Bemühungen, den Treibhausgasausstoss zu bremsen, werden auch Möglichkeiten untersucht, der Atmosphäre bereits ausgestossenes CO2 wieder zu entziehen. Dies aufgrund der Befürchtung, dass sich die Emissionen nicht schnell genug werden senken lassen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE