4.09.2014 12:21
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Düngen
Düngen mit Pflanzen statt Chemie
Nach der Ernte auf dem Feld ausgesäte Pflanzen schützen vor Unkraut und Erosion und verhindern den grassierenden Verlust der Bodenfruchtbarkeit. Die Agrarforschungsanstalt Agroscope in Changins VD hat nun 50 solche Gründüngungsarten getestet, wie sie am Donnerstag mitteilte.

Die sogenannten Bodenbedecker werden nach der Ernte ausgesät und bedecken nach 20 Tagen schon die Hälfte des Feldes. Sie haben etliche Vorteile: Sie bilden Biomasse, die den Boden düngt, ihre Wurzeln, die bis zu 100'000 Kilometer Länge erreichen können, lockern den Boden und öffnen Wege für Luft, Wasser und Bodentiere.

Düngereinsatz reduzieren

Die Wurzeln nehmen ausserdem Substanzen wie Nitrat auf, das ansonsten in Gewässer ausgewaschen zu werden droht, oder das weltweit immer rarer werdende Phosphor, das teilweise im Boden gebunden ist. Diese Wirkungen konnten Agroscope-Forscher in Versuchen mit rund 50 Gründüngungsarten identifizieren.

Zusammengenommen erlauben es diese Effekte, den Düngereinsatz zu reduzieren. Wählt man Leguminosen wie Klee, tragen deren symbiontische Bakterien, die Stickstoff binden, zur Düngewirkung bei, erklärte Raphaël Charles, Leiter der Forschungsgruppe Anbausysteme und Pflanzenernährung bei Agroscope.

Weniger Herbizide

Dank einer gezielten Wahl der Gründüngungspflanzen liesse sich bei der Zwischenkultur auf den Einsatz von Herbiziden wie das umstrittene Glyphosat verzichten. Man könne Folgekulturen wie Zuckerrüben und Mais direkt ohne Pflügen anbauen und so zahlreiche Bodenfunktionen erhalten.

Das Interesse an Gründüngungskulturen wachse mit der Entwicklung einer den Boden schonenderen Landwirtschaft, schrieb die Agroscope. Weltweit werde ein «beunruhigender» Verlust der Bodenfruchtbarkeit beobachtet. «In Europa besteht das Hauptproblem in der zunehmenden Spezialisierung der Ackerbaubetriebe», erklärte Charles.

Tagung am 17. September

Es würden keine Tiere mehr gehalten, die Produktion von Hofdüngern gehe zurück, die Fruchtfolgen würden vereinfacht und der Boden tief und gleichmässig gepflügt. So verliere der Boden an organischer Substanz.

Der Bund und mehrere Kantone vergeben Beiträge für bodenschonende Anbautechniken. Zum Thema organisieren Swiss No-Till (Schweizerische Gesellschaft für bodenschonende Landwirtschaft), ProConseil (Kanton Waadt), Agroscope und andere Partner am 17. September eine Tagung in Changins VD.

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