Freitag, 20. Mai 2022
05.05.2022 06:00
Forschung

Fleischersatz aus Pilzkulturen könnte Wälder retten

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: mgt/blu

Fleischersatz aus Pilzkulturen könnte nach Erkenntnissen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) die globale Zerstörung von Wäldern massiv eindämmen. Gegenüber Rindfleisch erfordern diese Alternativen gemäss den Forschern weniger Landressourcen.

«Die Produktion und der Konsum von Nahrungsmitteln machen ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen aus, wobei die Produktion von Rindfleisch die grösste Einzelquelle ist», sagt Florian Humpenöder, Forscher am PIK und Hauptautor der Studie. Das liege zum Grossteil daran, dass kohlenstoffspeichernde Wälder für Weide- oder Ackerflächen immer weiter gerodet würden sowie an weiteren Treibhausgasemissionen aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung.

Konsum um 20 Prozent senken

«Würde man Wiederkäuerfleisch, also vor allem Rind-, aber auch Schaf- und Ziegenfleisch durch mikrobielles Protein ersetzen, könnte man die künftigen Umweltschäden durch das Ernährungssystem erheblich verringern», führt Humpenöder aus. 

«Wir haben herausgefunden, dass sich die jährliche Entwaldung und die CO2-Emissionen durch die Ausweitung von Acker- und Weideland im Vergleich zu einem Weiter-So-Szenario halbieren würden, wenn wir bis 2050 20 Prozent des pro-Kopf Konsums von Rindfleisch ersetzen würden», so der Forscher weiter. Weniger Rinder bedeute weniger Bedarf an Futter- und Weideflächen und daher weniger Entwaldung.  Zudem werde auch die Methanemissionen aus dem Pansen von Rindern und die Lachgasemissionen aus der Düngung von Futtermitteln oder der Güllewirtschaft reduziert. 

Von Landwirtschaft entkoppelt

«Es gibt im Wesentlichen drei Gruppen von Fleischersatzprodukten», erklärt Isabelle Weindl, Mitautorin und ebenfalls Forscherin am PIK. «Es gibt pflanzliche Produkte wie Soja-Burger, die man in Supermärkten findet. Es gibt tierische Zellen, die in einem Wachstumsmedium kultiviert werden, auch bekannt als Labor- oder in-vitro-Fleisch, das bisher sehr teuer ist, aber in letzter Zeit viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt hat. Und es gibt fermentativ gewonnenes mikrobielles Protein auf Basis von Pilzkulturen, das wir für sehr interessant halten», führt sie aus. Entsprechende Produkte seien unter anderem in Grossbritannien und in der Schweiz bereits im Handel und ähnelten Hackfleisch sehr stark.

Die Herstellung solcher Produkte könnte weitgehend von der landwirtschaftlichen Produktion entkoppelt werden. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Herstellung von mikrobiellem Protein viel weniger landwirtschaftliche Fläche erfordert als die gleiche Menge Protein aus Fleisch – sogar, wenn man den Anbau des Zuckers einrechnet, den die Mikroben benötigen», erklärt Weindl.  Dadurch lasse sich eine Ausweitung der Acker- und Weideflächen durch einen weiter steigende Rindfleischkonsum bei steigender Weltbevölkerung dämpfen.

In den 1980er-Jahren entwickelt

Mikrobielles Protein wird in speziellen Kulturen hergestellt, ähnlich wie Bier oder Brot. Die Mikroben brauchen Zucker und eine konstante Temperatur. Daraus entstehe ein sehr proteinreiches Produkt, das so nahrhaft sei wie Rindfleisch, halten die Forscher fest. Die Technik basiert auf der jahrhundertealten Methode der Fermentation und wurde in den 1980er-Jahren entwickelt.

Bei ihrer Analyse stützten sich die Expertinnen und Experten nach eigenen Angaben auf eine komplexe Computersimulation, die sämtliche Auswirkungen entlang des weltweiten Agrar- und Ernährungssystems zu untersuchte. Die Verlagerung vom Tier zum Fermentations-Tank bringen gemäss den Forschern weitere Fragen mit sich – allen voran die Energieversorgung für den Produktionsprozess. «Eine gross angelegte Umstellung auf Biotech-Lebensmittel muss einhergehen mit einer klimafreundlichen Stromerzeugung. Nur so kann das Klimaschutzpotenzial voll wirken», sagt Mitautor Alexander Popp, Leiter der Forschungsgruppe Landnutzungs-Management am PIK.

Die weltweite Nahrungsmittelproduktion und der Konsum sind nach Angaben des PIK, dessen Untersuchung jetzt in der Fachzeitschrift «Nature» erschien, für rund ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Eine Senkung der Rindfleischproduktion durch Umstieg auf mikrobielles Protein sei «ein guter Anfang».

Mehr zum Thema
Pflanzen

Seit 2012 wird der nationale Bioackerbautag vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, Sativa Rheinau AG (Züchtung, Produktion und Vertrieb von Bio-Saatgut) und Bio Suisse organisiert. - Doris Bigler Am 8.…

Pflanzen

Gemäss den Forschern ist die Verdichtung des Unterbodens nur schwer rückgängig zu machen. - Heinz Röthlisberger Das Gewicht von Mähdreschern nähert sich demjenigen des schwersten Tieres an, das je auf…

Pflanzen

Blühstreifen: Nahrung und Schutz für Nützlinge. - zvg Blühstreifen müssen für Direktzahlungen bis am 15. Mai gesät werden. Ab 2023 heissen sie Nützlingsstreifen. Nur noch eine gute Woche bleibt Zeit,…

Pflanzen

Hans Perter Kocher Unter der Federführung der Hafl und durch die Mithilfe kantonaler Fachstellen wie dem Strickhof wurde in den letzten Jahren ein Bewässerungsmessnetzwerk aufgebaut.  Jährlich werden schweizweit rund 260…

3 Responses

  1. Werden in der Schweiz Wälder gerodet, um Wies und Ackerland zu gewinnen? Scheiss Panikmache!!!
    Mit Biotech-Lebensmittel können dann industrielle Grossfirmen viel Geld verdienen!

    1. Nein aber in die Schweiz werden riesige Mengen an Futtermitteln importiert. Tiere ja, aber Kühe die Gras fressen und viel weniger Schweine und Poulet ist ein guter Ansatz. Und Fleischkonsum drastisch reduzieren. Es versteht sich auch: der Landwirt braucht viel höhere Preise für seine Produkte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE