Montag, 17. Mai 2021
16.04.2021 06:06
Forschung

Fossilien aus «Pflanzen-Pompeji» lösen Rätsel

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: sda

Lange galten Noeggerathiales, eine ausgestorbene Ordnung von Gefässpflanzen, als evolutionäre Sackgasse und ihre Position im Pflanzenreich war unklar. Ein internationales Forscherteam konnte nun anhand von Fossilien aus einem vor 300 Millionen Jahren unter meterhoher Asche begrabenen Wald das über 100 Jahre alte Paläontologie-Rätsel um diese Pflanzen lösen.

Noeggerathiales waren wichtige torfbildende Pflanzen, die vor etwa 300 Millionen Jahren lebten. Obwohl sie erst in den 1930er Jahren als eigenständige Pflanzengruppe anerkannt wurden, war sich die Wissenschaft lange Zeit uneins über ihre Verwandtschaft mit anderen Pflanzengruppen.

Wie das von chinesischen und US-Forschern geleitete Team im Fachjournal «PNAS» berichtete, wurden komplette Noeggerathiales-Pflanzen untersucht, die unter einer dicken Schicht Vulkanasche konserviert wurden. Sie stammen aus einem 2012 im chinesischen Kohlerevier Wuda in der Inneren Mongolei entdeckten fossilen Wald. Die Pflanzen wurden dort nach heftigen Vulkanaktivitäten unter einer meterhohen Ascheschicht begraben, die heute noch mehr als 60 Zentimeter stark ist. Ähnlich wie das antike Leben in Pompeji wurden dadurch die Pflanzen für die Nachwelt erhalten.

Neue Art benannt

Aus den untersuchten Pflanzenfossilien rekonstruierten die Wissenschaftler eine neue Noeggerathiales-Art und gaben ihr den Namen «Paratingia wuhaia». Und sie konnten damit die Verwandtschaft und evolutionäre Bedeutung der Pflanzenordnung bestimmen. Demnach vermehrten sich Noeggerathiales so wie Farne mittels Sporen, hatten aber ein Gefässgewebe wie Samenpflanzen.

«Wenn wir nur das Holz gefunden hätten, hätten wir aufgrund des Gefässgewebes gedacht, dass es von einer Gymnosperme (nacktsamigen Pflanze, Anm.) stammt», erklärte die Mitautorin Leyla Seyfullah von der Universität Wien gegenüber der APA. Weil den Forschern aber eine ganze Pflanze zur Verfügung stand, «fanden wir heraus, dass das gymnospermen-artige Holz zu einer Sporenpflanze und nicht zu einer Samenpflanze gehört».

Länger gelebt als angenommen

Damit konnten die Forscher erstmals zeigen, dass Noeggerathiales enger mit den Samenpflanzen verwandt sind als mit anderen Farnen und nicht länger als evolutionäre Sackgasse betrachtet werden können. Noeggerathiales gelten als in der Evolution weit fortgeschrittene Sporenpflanzen, die aus modifizierten Blättern komplexe zapfenartige Strukturen entwickelt haben.

«Der zapfenbildende Teil und die Form des Gefässgewebes in den Blättern zeigen, dass ‹Paratingia› weitaus komplexer waren als andere uns bekannte Progymnospermen», so Seyfullah. Als Progymnosperme bezeichnen die Forscher eine ausgestorbene Gruppe von Gefässpflanzen, die in ihren Merkmalen zwischen den Farnen und den Samenpflanzen stehen. «Wir hatten gedacht, dass die Progymnospermen zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestorben waren», sagte die Wissenschaftlerin. Doch wie «Paratingia wuhaia» zeigt, haben sie noch länger gelebt und sich weiter entwickelt.

Mehr zum Thema
Pflanzen

Die Organisation Nordwesteuropäischer Kartoffelanbauer (NEPG) für die kommende Vermarktungssaison 2021/22 gegenüber dem Vorjahr mit einem Flächenminus von 3 % bis 5 %. - Mike Bauert Die Landwirte in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden…

Pflanzen

Zahlreiche Fungizide und Insektizide erhalten in der EU eine «Gnadenfrist». - Syngenta Die Europäische Kommission hat die Zulassung zahlreicher Pflanzenschutzmittelwirkstoffe wenige Monate vor Ablauf um ein Jahr verlängert.  Der Brüsseler…

Pflanzen

Die Nachfrage nach Schweizer Rapsöl bleibt auf einem konstant hohen Niveau. - Verein Schweizer RapsölDie Vertragsmenge bei den Sonnenblumen nimmt zwar leicht zu, die Zuteilungsmengen sind aber limitiert. - Anna-Katharina…

Pflanzen

Der Humusaufbau im Boden soll gefördert und die Fortschritte gezielter überwacht werden. - zvg Die im Parlament verabschiedete Parlamentarische Initiative, die unter anderem einen Absenkpfad vorsieht und nun vom Bundesrat zum…

One Response

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE