Dienstag, 2. März 2021
27.05.2016 08:18
Pflanzenzucht

Gen-Editing spaltet Biobranche

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Von: Susanne Meier

Neue Technologien beschleunigen das Tempo auch in der Pflanzenzüchtung. Ihre Risiken sind noch nicht abschätzbar.

Der amerikanische Agrokonzern DuPont Pioneer hat einen neuen Mais gezüchtet. Obschon er erst in fünf Jahren auf den Markt kommt, sorgt er heute schon für Diskussionen – auch in der Schweiz. Denn bei der Züchtung haben sich die Forscher einer neuen Methode bedient: Crispr/Cas.

Sequenzen ausschneiden

Mit dem sogenannten Gen-Editing können Sequenzen aus dem Genom ausgeschnitten oder eingefügt oder Gene an- oder abgeschaltet werden. Beim An- und Abschalten werden keine fremden Gene eingefügt. Deshalb gilt die so gezüchtete neue Sorte in den USA als «nicht gentechnisch verändert». Hinzu kommt, dass Crispr/Cas die Züchtung enorm beschleunigt.

Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), bescheinigt der Technologie in einem Interview grosses  Potenzial, trotz der Risiken: «Die sollte man für jede Anwendung einzeln bewerten, statt die Technik generell abzulehnen.» Könnten Gene für Krankheitsanfälligkeit ausgeschaltet werden, liessen sich in grossen Mengen Pestizide einsparen.

Anstrengungen müssen vervielfacht werden

Für Niggli wird es Folgen haben, wenn die Biobranche neue Anwendungen wie Crispr/Cas nicht einzeln beurteilt: «Das bedeutet, dass die Ökoszene ihre Anstrengungen für die eigene Züchtung vervielfachen muss. Es wäre unschön, wenn der konventionelle Bauer eine Kartoffelsorte hätte, die ohne Pestizide auskommt und der Biobauer eine Kartoffelsorte, die er mit Kupfer spritzen muss.»

Die EU-Kommission will bis Ende Jahr regeln, ob und welche Gen-editierten Pflanzen als gentechnisch verändert gelten. In der Schweiz gilt ein Gentech-Moratorium bis 2017. Man beschäftige sich trotzdem mit Crispr/Cas, sagt Markus Hardegger vom Bundesamt für Landwirtschaft: «Wir müssen definieren, ob wir die Technologie nach den Risiken des Züchtungsprozesses oder der neuen Sorte respektive des Produktes bewerten.   Der Züchtungsprozess beinhaltet Eingriffe ins Genom. Die neue Sorte beinhaltet aber keine fremden Gene.»

Risiken können noch nicht abgeschätzt werden

Gedanken macht sich auch die Eidgenössische Ethikkommission. Es gebe bislang kaum Daten über die Effekte des Gen-Editing auf die Umwelt, warnt sie. Beschleunigte Züchtungsverfahren brächten neue Sorten hervor, bevor man die Risiken abschätzen könne.

Auch Lukas Inderfurth von Bio Suisse warnt vor den Risiken: «Die neue Technik muss zwingend im Gentechnikgesetz geregelt werden. Zentral sind etablierte Verfahren zur Risikobewertung, die Rückverfolgbarkeit und die Kennzeichnungspflicht.» Die Biobranche sei stark von der Entwicklung betroffen. «Gentechnik wird von den meisten Konsumenten abgelehnt und ist für Bio ein No-Go. Deshalb fordern wir mehr Engagement für die Biozüchtung.»

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