8.12.2016 13:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Pflanzen
Genetikerin plant Revolution
Mais und Weizen sollen eine vollständige Austrocknung überleben. Das ist das Ziel der Pflanzengenetikerin Jill Farrant aus Südafrika. Mit sogenannten Wiederauferstehungspflanzen will sie dem Bevölkerungswachstum und dem Klimawandel entgegentreten.

Der Ansatz ist bestechend. Wiederauferstehungspflanzen haben die Fähigkeit, den Verlust von bis zu 95 Prozent ihres Wasseranteils und somit extreme Dürreperioden zu überleben. Die Forscherin Jill Farrant will diese Eigenschaften auch bei Nutzpflanzen wie dem Mais und dem Weizen aktivieren.

Klimawandel entgegnen

Gemäss Farrant sind Pflanzen derzeit in einem traurigen Zustand. Die Menschheit müsse ihnen gute Bedingungen schaffen. Denn Pflanzen entziehen der Atmosphäre CO2 und liefern Nahrung. Vor allem das Bevölkerungswachstum und der Klimawandel machen der Südafrikanerin Sorgen. Dürren und Hitzewellen würden sich weiter verstärken.

«Eine Lösung könnte sein, dass wir künftig in Regionen wie Kanada oder Russland, die nicht so stark von Dürre betroffen sind, viel mehr Landwirtschaft betreiben. Ich verfolge in meinen Forschungen einen anderen Ansatz: Ich versuche Nutzpflanzen herzustellen, die extrem dürreresistent sind – viel stärker als sie es heute sind», sagt sie in einem Interview mit «Der Standard».

Samen extrem trockenheitsresistent

Wiederauferstehungspflanzen können komplett austrocknen und sterben nicht ab. Sie sind in sehr trockenen Regionen entstanden. Diese Pflanzen wachsen gemäss Farrant auf steinigem Untergrund mit dünner Erdschicht und extremen Temperaturen. Als Beispiel nennt sie die Rose von Jericho.

«Um hier überleben zu können, aktivieren die Wiederauferstehungspflanzen jene Gene, die Pflanzen normalerweise für die Bildung von Samen benötigen. Das Samengewebe ist extrem trockenheitsresistent, Samen können auch dann wieder eine neue Pflanze hervorbringen, wenn sie völlig ausgetrocknet sind», erklärt die Forscherin.

Radikale Strategie

«Wir verstehen, wie Wiederauferstehungspflanzen das tun – und wir glauben, dass man diese Fähigkeit auch auf andere Arten übertragen kann», ist sich Farrant sicher. Es sei eine neue und radikale Strategie, die zuvor noch niemand versucht habe. «Wir brauchen dafür neue Technologien wie zum Beispiel die Genschere CRISPR/Cas9. Aber wir müssen dafür keine neuen Gene einfügen», fährt sie fort.

Gemäss ihrer Hypothese haben diese Pflanzen die Samen-Gene mit neuen Aufgaben betreut und keine neue Eigenschaft entwickelt. Somit hat jede Pflanze die Möglichkeit, Dürreperioden zu überleben. Mais und Weizen besitzen diese Gene auch. Sie müssen diese bisher jedoch nicht einschalten.

Lässt Agrarkonzerne aussen vor


Mit einer entsprechenden Finanzierung könne ihr Team binnen fünf Jahren zeigen, dass das Konzept im Labor funktioniere. Anschliessend seien aber noch Freilandversuche nötig, so die Forscherin.

Die Pflanzengenetikerin arbeitet bewusst nicht mit Agrarkonzernen zusammen. Sie will ihre Erfindung afrikanischen Kleinbauern zugänglich machen. «Ich will nicht, dass jemand diese Technologie patentiert und eine Menge Geld verdient», betont Jill Farrant gegenüber «Der Standard».


Zur Person


Jill Farrant (56) ist Professorin für Zell- und Molekularbiologie an der Universität Kapstadt in Südafrika. Seit früher Kindheit ist die Trägerin zahlreicher wissenschaftlicher Auszeichnungen.

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