13.03.2013 09:46
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
GVO
GV-Baumwolle fördert andere Schadinsekten
Pflanzen mit Gentechnik gegen Schädlinge zu schützen, kann unerwartete Nebenwirkungen haben, wie eine Agroscope-Studie zeigt: Bt-Baumwolle enthält ein Gift gegen gefrässige Raupen. Doch weil die Pflanzen deshalb ihre eigene Abwehr reduzieren, breiten sich nun andere Schadinsekten aus.

Der Trick der Bt-Baumwolle liegt darin, dass ihr das Gen eines Bodenbakterium eingepflanzt wurde. Dieses produziert ein Gift, das die wichtigsten Baumwollschädlinge - die Schmetterlingsraupen - tötet. Heute wächst Bt-Baumwolle auf über 80 Prozent aller Baumwollfelder weltweit.

Weniger eigene Abwehrstoffe

Seither gedeihen in diesen Feldern immer öfter andere Schadinsekten, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einer Mitteilung schreibt. Dies liegt nicht allein am reduzierten Einsatz von Pestiziden, hat nun das Team um Jörg Romeis von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon herausgefunden.

Vielmehr produzieren die Pflanzen weniger eigene Abwehrstoffe, wodurch sie anfälliger auf andere Schädlinge wie Baumwollblattläuse sind, wie die Forscher am Mittwoch im Fachblatt «Proceedings of the Royal Society B» berichten.

Wenn Baumwollpflanzen von Raupen angeknabbert werden, produzieren sie Abwehrsubstanzen namens Terpenoide. Diese schrecken neben den Raupen auch andere Fressfeinde ab. Die Labor- und Feldversuche der Forschenden zeigten nun, dass die Raupen auf der Bt-Baumwolle sterben, bevor sie den Pflanzen so viel Schaden zufügen, dass diese ihr Abwehrsystem hochfahren.

Blattläuse stärker vermehrt

Auf diesen Pflanzen konnten sich die Blattläuse - denen das Bt-Toxin nichts ausmacht - stärker vermehren als auf konventionellen Baumwollpflanzen, die sich mit ihren Terpenoiden gegen die Raupen gewehrt hatten, schreibt der SNF.

Baumwollblattläuse richten gewöhnlich keine grossen landwirtschaftlichen Schäden an, weil sie im Freien ihren natürlichen Feinden zum Frass fallen, erklärt Romeis. Doch ihre Studie sei die erste, die diesen indirekten Effekt der Bt-Baumwolle auf weitere Schädlinge aufdecken konnte.

Ob dieser Effekt nicht nur bei Blattläusen zum Tragen kommt, sondern etwa auch bei den Wanzen, die den Baumwollbauern in China und anderen Anbauregionen Sorgen bereiten, möchte Romeis als Nächstes untersuchen.

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