2.04.2014 09:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Artenvielfalt
Klimaerwärmung kann Artenvielfalt bereichern
Offenbar schadet die Klimaerwärmung der Artenvielfalt nicht nur, sondern kann sie auch bereichern. Dies haben Schweizer, norwegische und kanadische Forschende in einer neuen Studie beobachtet. So hat der Klimawandel die arktischen Schnee-Felsenblümchen in hunderte neu entstehende Arten zersplittert.

Diese Senfpflanze hat sich während der letzten Eiszeit, die vor 10'000 Jahren endete, rings um den Nordpol ausbreiten können, wie die Universität Neuenburg am Dienstag berichtete. Sie besiedelt heute einen Gürtel, der durch Alaska, Grönland, Norwegen und Russland reicht. Äusserlich sehen alle Pflanzen völlig identisch aus, weshalb sie stets der gleichen Art zugeteilt wurden.

Zahlreiche winzige Mutationen

Doch nun haben die Wissenschaftler um Christian Parisod von der Universität Neuenburg das Erbgut des Schnee-Felsenblümchens (Draba nivalis) mit modernen genomischen Methoden untersucht. Dabei haben sie entdeckt, dass sich die Pflanzen durch zahlreiche winzige Mutationen - Genveränderungen - unterscheiden, wie die Forschenden im Fachjournal «PLOS ONE» berichten.

Auch können sich Felsenblümchen aus verschiedenen Regionen nicht mehr miteinander fortpflanzen, wie die Doktorandin Lovisa Gustafsson von der Universität Oslo herausfand. Gesunde Nachkommen erzeugen zu können ist die Grundcharakteristik einer eigenständigen Spezies.

Barrieren zwischen Arten

Den Resultaten zufolge stellen die Schnee-Felsenblümchen in der Polarregion somit ein Sammelsurium von hunderten von Arten dar, die eben in ihrer Entstehung begriffen sind. Die Unterschiede zwischen ihnen erkenne man nur anhand der vielen winzigen Mutationen mit den modernen Methoden zur Genanalyse.

«Wir konnten zeigen, dass die Klimaerwärmung in diesen Regionen dazu tendiert, Barrieren zwischen Arten zu errichten», erklärte Parisod in der Mitteilung. So trage sie dazu bei, in der dortigen Flora eine gewisse Vielfalt aufrecht zu erhalten. Dies sei überraschend, denn es werde zumeist angenommen, dass der Klimawandel die Artenvielfalt reduziere - und die Polarregionen enthielten sowieso schon nur wenige Arten.

Zahlreiche andere arktische «Spezies» zeigten eine ähnliche Auffächerung nach dem Abschmelzen des Eises, schreiben die Forschenden. Die Folge davon sei eine Vervielfachung der Arten rings um den Nordpol. Offenbar sei der Klimawandel der biologischen Vielfalt nicht nur abträglich.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE