16.02.2015 12:42
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Mais führt «Selbstgespräche»
Schweizer Forscher haben einen chemischen «Warnruf» bei Maispflanzen entdeckt. Dank der flüchtigen Substanz können sich nicht nur Nachbarpflanzen, sondern auch die eigenen Blätter gegen die bevorstehende Attacke wappnen, wie die Universität Bern am Montag mitteilte.

Pflanzen können zwar nicht sprechen, aber sie können Duftstoffe abgeben, um mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Maisblätter produzieren die Substanz namens Indol nur, wenn sie von Schädlingen angegriffen werden. Schon drei Stunden nach dem Befall riechen die Pflanzen nach Indol, das in Reinform blumig duftet, wie die Forscher im Fachjournal «Nature Communications» berichten. Andere Abwehrsubstanzen werden erst einige Stunden später aktiviert.

«Dies hat uns auf die Idee gebracht, dass Pflanzen Indol als schnelles, spezifisches Warnsignal benutzen könnten», sagte der Co-Leiter der Studie, Ted Turlings von der Universität Neuenburg, in der Mitteilung. Schon länger war bekannt, dass Pflanzen Warnsignale senden und empfangen können - doch die entsprechenden Duftstoffe konnten zumeist noch nicht identifiziert werden.

Wenn im Experiment Maispflanzen Indol ausgesetzt wurden, begannen sie ihr Abwehrsystem zu aktivieren. Sobald der Schädling anfing zu fressen, erfolgte die Abwehr schneller und stärker als ohne Indol. «Die Pflanzen warnen so nicht nur die Umwelt, sondern auch ihre eigenen Blätter», sagte Mitautor Matthias Erb von der Universität Bern. «Sie führen sozusagen 'Selbstgespräche'.»

Das Phänomen liesse sich womöglich für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft nutzen, glaubt Erb. «Eine Verstärkung der Indol-Produktion könnte die natürliche Schädlingsresistenz von Mais erhöhen und so einen direkten Beitrag zur umweltgerechten landwirtschaftlichen Produktion leisten.»

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