21.07.2015 09:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Forschung
Mehr aus Milch machen
Der Zusatz von Milchproteinen zu Lebensmitteln soll durch das Forschungsprojekt „Whey2Food“ vorangebracht werden, das die Universität Hohenheim gemeinsam mit deutschen und europäischen Partnern derzeit durchführt.

Milchproteine zählten zu den hochwertigsten Proteinen in der Ernährung, erklärte die Hochschule in der vergangenen Woche mit Blick auf das Projekt. Problematisch für ihre Nutzung in der Lebensmittelindustrie sei aber, dass die nur in niedrigen Konzentrationen und lediglich als Gemische vorkommenden Proteine in einzelne Fraktionen getrennt und angereichert werden müssten. Das sei bislang kaum möglich, berichtete die Universität.

Im Rahmen des Projektes entwickelten die Forscher nun ein neues Verfahren zur Fraktionierung und Anreicherung, das sich bereits im Labormassstab bewährt habe und jetzt in den technischen Massstab übertragen werden müsse. Bei der sogenannten Cross-Flow-Elektromembranfiltration würden die Partikel in einer Filteranlage nach der Grösse getrennt. Kleine Proteine seien jedoch fast alle gleich gross. Daher komme ausserdem ein elektrisches Feld zum Einsatz, mit demdie einzelnen Proteine nach ihrer unterschiedlichen elektrischen Ladung separiert würden.

„Reine Filtration trennt die Partikel nur aufgrund ihrer Grösse“, erläutert Prof. Dr. Hinrichs vom Fachgebiet Milchwissenschaft. „Kleine Proteine und Peptide sind jedoch alle fast gleich gross. Die konventionelle Filtration führt deshalb zu einem Gemisch verschiedener Peptide.“ Durch die Auftrennung entstehen neue Einsatzmöglichkeiten, erklärt Hinrichs weiter. „Es entstehen zum Beispiel zwei Fraktionen von Peptiden, die beide für die Lebensmittelindustrie interessant sind: Kurzkettige bioaktive Peptide und langkettige Peptide.“

Dadurch würden eine Fraktionierung und Anreicherung möglich. Durch die Auftrennung erschlössen sich neue Einsatzmöglichkeiten der Proteine. Diese förderten zum Beispiel die Muskeldegeneration und könnten daher funktionellen Lebensmitteln wie Sportgetränken zugesetzt werden. „Für die Molkereibetriebe sind Peptide aber nicht nur interessant, weil man so der Lebensmittelverschwendung entgegenwirkt“, erläutert der Experte die Vorteile. Aufgrund der emulgierenden Wirkung einzelner Milchproteine seien diese auch als Emulgatoren verwendbar.

Das 2013 gestartete, von der EU geförderte Forschungsvorhaben wird laut Hochschulangaben noch bis Ende Oktober 2015 laufen.

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