Montag, 6. Dezember 2021
15.10.2021 16:15
Forschung

Nicht auf pfluglosen Ackerbau fokussieren

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Von: mgt/blu

Nachhaltige Landwirtschaft funktioniert nicht mit globalen Lösungsansätzen. Eine Metaanalyse der Universität Basel zeigt, dass der bisherige Fokus auf den pfluglosen Ackerbau nicht die gewünschten Ergebnisse bringt. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft sollte stärker lokal und im Austausch mit den einheimischen Bauern gedacht werden, lautet das Fazit der Forschenden.

Die Vereinten Nationen formulierten 2016 insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele, um die Welt bis 2030 ökonomischer, sozialer und ökologischer zu gestalten. Dazu zählt auch das Ziel einer nachhaltigeren Landwirtschaft.

Drei Prinzipien

Im Bereich des Ackerbaus empfehlen die Weltbank oder die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) seit längerem drei Prinzipien: pflugloser Ackerbau, das Zurücklassen von Stroh auf dem Feld und Wechselwirtschaft.

Der bisherige Fokus lag vor allem auf dem pfluglosen Ackerbau und der Direktsaat. Damit ist gemeint, dass der Boden nicht gepflügt, sondern die Saat in den unbearbeiteten Boden gepflanzt wird. Ziel dieses Vorgehens ist es, die Böden vor Erosion zu schützen, mehr Kohlenstoffdioxid zu speichern und den Ernteertrag zu steigern.

Der positive Effekt bleibt meist aus

«Allerdings wurde nie definiert, was unter dem Verfahren des pfluglosen Ackerbaus genau gemeint wird, vor allem, ob das Zurücklassen von Stroh auf dem Feld Teil des Verfahrens ist», halten die Wissenschaftler in einer Mitteilung am Freitag fest. Studien ergaben kein einheitliches Bild:  So wurde der pfluglose Ackerbau teils als äusserst effektiv beschrieben. In anderen Studien wurde kein positiver Effekt gefunden. Auch von Seiten der Bauern stieg die Skepsis, da es teilweise zu Ernterückgängen kam.

Eine Metaanalyse der Universität Basel zeigt, dass der bisherige Fokus auf den pfluglosen Ackerbau nicht die gewünschten Ergebnisse bringt.
Barbara Schwarzwald

In einer Metanalyse haben Professor Nikolaus Kuhn vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel und Liangang Xiao von der North China University of Water Resources and Electric Power 49 solcher Studien untersucht. Sie kommen zum Schluss, dass die gesetzten Ziele – die Speicherung von Kohlenstoffdioxid, Bodenschutz und Erntesteigerung – mit pfluglosem Ackerbau und der Direktsaat allein nicht zu erreichen sind. Wird hingegen nach der Ernte das Stroh auf dem Feld zurückgelassen, setzen die gewünschten positiven Effekte ein.

Kritik an internationalen Agrarpolitik

Die stark variierenden Resultate in den bisherigen Studien erklärt Kuhn mit der ungenauen Definition des Verfahrens und dem Vorgehen der internationalen Organisationen, mit universellen und vereinfachten Lösungsansätzen in die Praxis zu gehen. Zwar zeigen die aktuell zur Verfügung stehenden Daten nun, dass das Zurücklassen von Stroh auf dem Feld ein vielversprechenderer Ansatz für einen nachhaltigen Ackerbau sei als die pfluglose Bodenbearbeitung allein.

Kuhn warnt aber davor, den Fokus jetzt wieder komplett auf eine Praxis zu richten: «Die Natur ist zu vielfältig, um mit einem einzigen Verfahren global gute Ergebnisse zu erzielen.» Um der Skepsis der Bäuerinnen und Bauern gegenüber den Empfehlungen aus Wissenschaft und Politik entgegenzuwirken, sei es in Zukunft wichtig, nicht mehr nach globalen Lösungen zu suchen. Vielmehr gelte es, lokal und im Austausch mit den Menschen vor Ort das jeweils passende Verfahren zu entwickeln.

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9 Responses

  1. Da hätte man nicht an der UNI Basel nachfragen müssen! Das könnte jeder Bauer beantworten, dass der Pfluglose Ackerbau nicht die gewünschten Ziele erbringt! Bauern in der Schweiz machen dies nur weil es Direktzahlungen gibt. Für den Boden hat es nur eine Bescheidene Wirkung! Aber ja lassen wir die ETH Studenten bauern irgendwann werden alle erwachsen nur das bauern bleibt gleich.

    1. Da muss ich dir wiedersprechen. Wir pflügen seit 10 Jahren nicht mehr. Machen Mulch oder Streifenfrässat, aber keine Direktsaat.
      Gerade in diesem nassen Sommer konnte man sehen: Die Böden wo nicht gepflügt werden, sind viel tragfähiger. Sie können das Wasser besser aufnehmen. Und aus meiner Sicht sind die Erträge im Schnitt sogar besser als mit Pflug. z.B. extenso Gerste 94kg, bei Raps hatte ich mal 58 kg gedroschen, ohne zu Pflügen.

      1. Das entspricht der allgemeinen Meinung. Um diese Ergebnisse zu erreichen, müssen Sie ein kompetenter Landwirt sein und gut rechnen können, denn die Maschinen für den pfluglosen Anbau sind relativ teuer.

      2. Dank Pflanzenschutzmitteln glaube ich Ihren Aussagen sogar! Ich verzichte lieber auf einen Teil N Dünger und Pflanzenschutzmittel was sich an Ende des Jahres in der Buchhaltung positiv niederschlägt!

    1. Es geht nichts über eine gute Ausbildung und ein bisschen Gespür für die Natur. Nur so ist man fähig das richtige Mittel zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen.
      Solange aber aus allem eine Pseudoreligon gemacht wird, mit den dazugehörenden Predigern, wird es nicht funktionieren.

      Berater, Sitz und Arbeitskreise sind vor allem für den Veranstalter finanziell Wertvoll.

  2. Das ist unseriöse Forschung. Metaanalyse bedeutet, dass sie andere Studien gelesen haben, offenbar ohne viel von der Sache zu verstehen. Es ist doch sehr tendenziös, da gleich die FAO anzugreifen. Stroh kann man oft nicht einarbeiten, wegen den Getreidekrankheiten und dem Stickstoff, den es braucht, um es abzubauen, besser ist da, es zuerst einzustreuen und dann Mist auszubringen.

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