16.09.2013 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Biologie
Nicht sprechen sondern streicheln - Berührung macht Pflanzen stark
Streicheln hilft Pflanzen mehr als gutes Zureden, auf das manche Pflanzenfreunde schwören: Zumindest bei der Ackerschmalwand führt diese mechanische Reizung zu einer Abwehrreaktion, die sie vorübergehend immun gegen Graufäule macht, berichten Forscher der Universität Freiburg.

Dazu genüge es, die Blätter vorsichtig zwischen Daumen und  Zeigefinger zu reiben, berichten Forschende um Lehcen Benikhlef von  der Universität Freiburg im Fachjournal «BMC Plant Biology». Innert  Minuten nach der Berührung schütteten die Pflanzenzellen Kalzium  sowie aggressive Sauerstoffverbindungen aus, was die Abwehr  mobilisiert, schrieb der Onlinedienst «wissenschaft.de» am Montag.

Zudem wurde die äusserste Schicht des Blattes durchlässiger -  vermutlich, damit die Abwehrchemikalien besser austreten können -  und sogenannte Berührungsgene wurden aktiviert. Nach mehrmaligem  Rubbeln erwies sich die Ackerschmalwand als vorübergehend immun  gegen Botrytis cinerea, einen Schimmelpilz, der Graufäule  verursacht.

Noch acht Stunden nach dem Streicheln war 50 Prozent dieser  Resistenz vorhanden, und erst nach 24 Stunden war die Pflanzen dem  Pilz so hilflos ausgeliefert wie zuvor. Ähnliche Effekte hatte das  Team von Professor Jean-Pierre Métraux zuvor auch mit brachialeren  Mitteln erreicht, indem sie die Blätter mit Zangen gequetscht und  mit Nadeln durchstochen hatten.

Die Forscher haben zwei Hypothesen für das Phänomen: Das  Streicheln könnte die Blattoberfläche angreifen, sodass diese für  Substanzen, die eine Präsenz des Schädlings signalisieren,  durchlässiger wird. Die andere Erklärung wäre, dass  druckempfindliche Eiweisse auf der Membran der Pflanzenzellen die  Berührung wahrnehmen und die Immun-Reaktion hervorrufen.

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