20.02.2019 06:32
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Pestizide bleiben im Honig
Manche Neonikotinoide bleiben in Honig bis zu 40 Monate stabil, ohne zu zerfallen. Das zeigt eine Studie der Universität Neuenburg. Die langfristige Stabilität dieser Pestizide schürt Sorge, was dies für die Gesundheit von Bienen und Menschen bedeutet.

«Wenn diese Substanzen mit dem Nektar in den Bienenstock gelangen, bedeutet das, dass die gesamte Kolonie einschliesslich der Königin lebenslang diesen Nervengiften ausgesetzt ist», erklärte Blaise Mulhauser, Direktor des Botanischen Gartens der Stadt Neuenburg.

«Entsprechend wird Honig, der für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, über viele Monate hinweg die gleiche Konzentration an Pestiziden beibehalten», fügte Studienautor Edward Mitchell von der Universität Neuenburg gemäss einer Mitteilung der Hochschule hinzu. «Obwohl momentan nur wenige untersuchte Proben die geltenden Grenzwerte für den menschlichen Konsum überschreiten, wissen wir noch nicht, wie sich diese Substanzen langfristig auf die menschliche Gesundheit auswirken.»

Fünfräppler versus neun Eiffeltürme

Für die Studie griffen die Forschenden auf hochpräzise Messungen zurück und erreichten damit bisher unerreichte Genauigkeiten, wie die Uni Neuenburg schrieb: Es gelang ihnen, Konzentrationen von zwei Pikogramm einer Substanz pro Gramm Ausgangsmaterial (in diesem Fall Honig) zu messen. Das entspricht etwa der Masse eines Fünfräpplers gegenüber der Masse von neun Eiffeltürmen. Damit sei die Empfindlichkeit der Messmethode um den Faktor 1000 präziser als bisherige Verfahren und ermöglichte exakte Analysen der Pestizide in der Umwelt, hiess es.

«Die maximal zulässige Menge für den menschlichen Verzehr liegt in der Grössenordnung von 50'000 Pikogramm pro Gramm, während bereits Konzentrationen von 100 Pikogramm pro Gramm die Gesundheit von Bienen und anderen für den Menschen nützlichen Insekten einschränkt», so Mitchell. Diese geringen Mengen entsprächen immer noch Milliarden von Molekülen im Gehirn einer Biene.

Neue Substanzen

Die nun im Fachblatt «Environmental Pollution» veröffentlichte Studie ergänzt eine im Jahr 2017 im Fachblatt «Science» veröffentlichte Studie. Neu wurden diesmal vier weitere Pestizide getestet, nämlich Dinotefuran, Nitenpyran, Sulfoxaflor und Flupyradifuron. 28 Prozent - also rund ein Viertel - der 36 untersuchten Proben enthielten mindestens eines dieser Pestizide.

Dinotefuran und Nitenpyram seien keine neuen Substanzen, sagte Gaétan Glauser, Hauptautor der Studie. Sie würden nur seltener verwendet und daher seltener gemessen. Um aber eine umfassende Übersicht zu erhalten, wollten die Forschenden sie einbeziehen. Nitenpyram sei in der Schweiz nicht zugelassen, werde aber in den USA und in Japan eingesetzt, wobei es aber weniger in der Landwirtschaft und mehr im Veterinärbereich verwendet werde.

Vorsorgeprinzip

Derzeit wird debattiert, ob Sulfoxaflor und Flupyradifuron zu den Neonikotinoiden zählen oder nicht. «Erste wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass diese Moleküle die gleichen Auswirkungen wie andere Neonikotinoide haben und eine ähnliche Wirkungsweise auf das Nervensystem der Insekten», so Glauser.

Anstatt 10 bis 20 Jahre zu warten, um ihre Auswirkungen ausführlich zu testen, scheine es vernünftiger, das Vorsorgeprinzip anzuwenden und diese neuen Moleküle als Neonikotinoide zu klassifizieren, sagte der Forscher.

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