10.07.2018 13:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Pilzmyzel und Hanf statt Plastik
Mit Pilzmyzel und Holz- oder Pflanzenfasern lässt sich ein biologisch abbaubares Material züchten, das dereinst Plastik ersetzen könnte. Studierende der ETH Lausanne haben ihr eigenes Rezept dafür entwickelt und getestet.

Myzel, der unterirdisch wachsende Teil von Pilzen, kann sich mit Substraten wie Holzspänen verbinden. Das daraus resultierende Gemisch wiederum kann in einer Form zu Backsteinen, Brettern oder fertigen Möbeln modelliert werden, wie die ETH Lausanne (EPFL) mitteilte.

Bei niedrigen Temperaturen gebacken


Zuerst wird Myzel in einer sterilen oder pasteurisierten Umgebung zusammen mit dem Substrat sowie Mehl und Wasser kultiviert. Anschliessend wird die Masse in Formen gegossen. Nach etwa einer Woche ist alles fest und wird bei niedrigen Temperaturen gebacken, um weiteres Wachstum zu verhindern. Das Resultat ist ein leichtes aber stabiles Objekt - fast als wäre es in 3D-Druck entstanden.

Acht ETH-Studierende haben sich der Idee verschrieben herauszufinden, wie Materialien aus Myzel dereinst Plastik ersetzen könnten. Die Gedanke ist ihnen nach einem gemeinsamen Treffen von Studierenden der Architektur und solchen des Studiengangs Umweltwissenschaften und Ingenieurwesen gekommen.

Wasserdicht und brandbeständig

«Es ist uns bewusst, dass einige der heutigen Baumaterialien nicht ewig halten werden und dass einige von ihnen sehr emissionsreich sind», wird Gaël Packer zitiert. Myzel-basierte Materialien sind eine gute Alternative, weil sie kostengünstig und einfach herzustellen sind. Zudem sind sie innert drei Monaten biologisch abbaubar.

Die Lausanner Studierenden entwickelten ihr eigenes Rezept und stellten Material aus Pilzmyzel und Hanffasern her und unterzogen das Resultat einigen Tests. Dabei habe sich gezeigt, dass das Erzeugnis ähnlich gut isoliere, wie andere Isolationsmaterialien. Zudem widerstehe es dem Gewicht eines menschlichen Körpers, sei wasserdicht und relativ brandbeständig.

Weitere Tests seien noch im Gang. Für den angehenden Umwelt-Ingenieur Packer sind die ersten Ergebnisse aber «sehr vielversprechend», wie die EPFL weiter schreibt. Das Material habe ähnliche Eigenschaften wie Polystyrol. Diese wollen die Studierenden nun noch weiter verbessern, indem sie an ihrem Myzel-Rezept tüfteln.

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