2.07.2019 13:55
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Pilze
Rekord: Steinpilze auf 2400 Metern
Steinpilze auf 2440 Metern über Meer: Da staunten Studierende und ihre Betreuenden von der ETH Zürich nicht schlecht, als sie die beliebten Speisepilze oberhalb von Scuol GR im Unterengadin entdeckten. Es ist das höchste bisher bekannte Vorkommen dieser Pilze in den Alpen.

Es war ein Zufallsfund, wie Artemis Treindl von der ETH Zürich gemäss einer Mitteilung der Hochschule berichtet. Sie und Adrian Leuchtmann betreuten eine Feldarbeitswoche in Scuol GR für Biologie- und Umweltstudierende, als Treindl auf die Steinpilze stiess.

Weltrekord bei 3500 Meter

Aus dem Fund mitten im Skigebiet Motta Naluns ergibt sich ein neuer Höhenrekord für Steinpilze in den Alpen. Die bisher höchsten Standorte lagen im Tessin und in Österreich auf 2200 Metern über Meer. Den Weltrekord halten die neu gefundenen Steinpilze allerdings nicht: In den Rocky Mountains haben es diese Pilze bis auf 3500 Meter über Meer geschafft.

Nicht nur der hoch gelegene Standort, auch der Pflanzenpartner der Steinpilze in Motta Naluns sei ungewöhnlich, schrieb die ETH weiter. Viele Pilze bilden im Erdreich um die Feinwurzeln von Pflanzen ein Geflecht aus Pilzfäden. Beide Organismen profitieren von der Partnerschaft (Symbiose): Der Pilz versorgt die Pflanze mit Nährstoffen und Wasser und erhält von der Pflanze Kohlenhydrate.

Ungewöhnlicher Partner

Die nun entdeckten Steinpilze hatten sich einen bisher unbekannten Partner ausgesucht, die Kraut-Weide Salix herbacea, wie die Forschenden im Fachblatt «Alpine Botany» berichteten. Dieser Zwergstrauch ist an die harschen Bedingungen der alpinen Zone oberhalb der Baumgrenze angepasst. Wahrscheinlich seien die Steinpilze aus Mangel an geeigneteren Alternativen auf die Kraut-Weide ausgewichen, sagte Leuchtmann gemäss der Mitteilung.

Herkunft noch unklar

Offen bleiben die Fragen, wie es die Pilze auf diese Höhe geschafft und wie sie den Pflanzenpartner gewechselt haben. Das wollen die Forschenden in weiteren Untersuchungen ermitteln.

Möglicherweise habe der Wind Pilzsporen dorthin verfrachtet, oder es könnte sich um ein Relikt aus früheren Zeiten handeln, als die Baumgrenze noch viel höher lag als heute, schrieb die ETH. Heute liegt die Baumgrenze in den Alpen nämlich vielerorts tiefer als es eigentlich von Natur aus möglich wäre, weil der Mensch Wald für Weideland rodete. Auch der Klimawandel könnte eine Rolle spielen, dass sich die Steinpilze in grösserer Höhe wohlfühlen.

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