Samstag, 12. Juni 2021
19.05.2021 06:36
Forschung

Schweizer Bauern halfen bei Domestikation von Mohn

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Von: sda

Forschende der Uni Basel und der französischen Universität Montpellier haben uralten Mohnsamen Geheimnisse entlockt. Demnach könnten prähistorische Schweizer Bauern zur Domestizierung der Nutzpflanze beigetragen haben.

Die Domestizierung des Schlafmohns begann wahrscheinlich im westlichen Mittelmeerraum, wo sein mutmasslich wilder Vorfahre beheimatet ist. Wann und wo genau die Nutzpflanze domestiziert wurde, habe sich bisher nicht genau bestimmen lassen, liess sich Ferran Antolín von der Universität Basel und dem Deutschen Archäologischen Institut in Berlin in der Mitteilung der Hochschule zitieren.

Im Fachmagazin «Scientific Reports» stellen er und sein Team nun eine Methode vor, mit der sich die Unterschiede zwischen domestizierten und wilden Varianten erfassen lassen. Anhand von Mohnsamen, die bei der rund 5’000 Jahre alten Pfahlbausiedlung am Zürcher Parkhaus Opéra ausgegraben wurden, fügten sie anschliessend der noch lückenhaften Domestikationsgeschichte ein Puzzlestück hinzu.

Genauer Weg des Schlafmohns noch unbekannt

Von den rund dreissig Zürcher Mohnsamen gehörte demnach jeweils die Hälfte eine Wildform und die andere Hälfte zu einer domestizierten Variante. Dies lasse sich auf zwei Arten interpretieren, so die Forschenden. «Bauern könnten diese beiden Varianten gemischt haben, oder aber der Selektionsdruck durch den Anbau hat dazu geführt, dass sich der Schlafmohn allmählich in die Variante verwandelt hat, die wir als domestizierten Schlafmohn kennen», sagte die Archäologin und Erstautorin der Studie, Ana Jesus, gemäss der Mitteilung.

Frühere Studien geben Hinweise darauf, dass prähistorische Bauern in Italien bereits ab etwa 5600 v. Chr. Schlafmohn angebaut hatten. Unklar sei allerdings noch, ob sich der Schlafmohn als wilde, nicht vollständig domestizierte Pflanze oder als domestizierte Form nach Norden ausbreitete. Tatsächlich sei es möglich, dass die domestizierte Nutzpflanze zusammen mit einigen wilden Varianten als Unkraut ins Alpenvorland gelangt sei, so die Forschenden.

Sie möchten ihre Methode nun auf weitere Funde anwenden, um die Geschichte der Domestikation des Schlafmohns vollständig zu entschlüsseln.

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