16.12.2016 06:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Umwelt
Strassen schlecht für Artenvielfalt
Grosse Landschaftsgebiete fernab von Wegen oder Strassen - weltweit gibt es solche Flächen kaum noch. Für die Natur und die biologische Vielfalt sei das schlecht, betonen Forscher. Sie raten, bei der Ausweisung von Schutzgebieten mehr auf das Problem zu achten.

Für den Menschen sind Strassen Verbindungen - für die Natur jedoch Einschnitte. Zwar machen Gebiete ohne Verkehrswege nach einer Hochrechnung von Forschern noch rund 80 Prozent der Landfläche auf der Erde aus, sie sind aber stark zerstückelt.

600'000 Landstücke

Als «frei von Wegen» wurden dabei nur Flächen definiert, die mindestens einen Kilometer von Strassen, aber auch kleineren Achsen wie Forstwegen entfernt lagen. Ein zwischen zwei Verkehrsachsen liegender zwei Kilometer breiter Wald wurde somit zum Beispiel nicht erfasst.

In der Summe kam das Forscherteam um Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde auf 600'000 abseits von Strassen liegende Landstücke weltweit. Etwa die Hälfte der Flächen sei kleiner als ein Quadratkilometer, weitere 30 Prozent kleiner als fünf Quadratkilometer, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin «Science». Nur sieben Prozent der wegefreien Areale haben demnach eine Grösse von mehr als 100 Quadratkilometern.

Direkte und indirekte Einflüsse

Die Forscher heben hervor, dass die Auswirkungen einer Strasse nicht auf die Strassenfläche beschränkt sind: «Zu den direkten und indirekten Umwelteinflüssen gehören Entwaldung und Zersplitterung, chemische Verschmutzung, Lärmbelästigung, erhöhte Tiersterblichkeit aufgrund von Autounfällen und die Erleichterung von biologischen Invasionen.» Diese Erkenntnis ergab sich aus 282 wissenschaftlichen Untersuchungen über den räumlichen Einfluss von Strassen.

Die Auswirkungen einer Strasse seien in einem Streifen von einem Kilometer entlang jeder Strassenseite am grössten, so die Wissenschaftler. Deshalb bezeichnen die Forscher nur die Areale als frei von Strassen, die jenseits dieser Pufferzone liegen. Ibisch und Kollegen stützten sich dabei auf die weltweiten Strassenverzeichnisse Open Street Map und Global Roads Open Access Data Set (gROADS). Grönland und die Antarktis blieben wegen ihrer grossen Eisflächen bei den Berechnungen aussen vor.

Wüsten und eintönige Gebiete


Die Forscher entwickelten einen Bewertungsindex für die strassenfreien Gebiete, der sich aus ihrer Grösse, dem Grad seiner Vernetzung und einem Index für die Funktion des Ökosystems zusammensetzt. Dabei stellten sie fest, dass etwa ein Drittel der strassenfreien Areale nur wenige ökologische Funktionen und geringe biologische Vielfalt aufweisen. Sie sind beispielsweise sehr klein oder liegen in Wüstenregionen.

Auch steht der Erhalt strassenfreier Gebiete im Konflikt mit den «Zielen für nachhaltige Entwicklung» der Vereinten Nationen, etwa der Bekämpfung des Hungers und der Ungleichheit in der Welt. Aus der neuen Weltkarte ergibt sich auch, dass nur 9,3 Prozent der strassenfreien Flächen in einem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet liegen. Die Forscher plädieren deshalb dafür, strassenfreie Gebiete bei der geplanten Ausweitung der Schutzgebiete von derzeit 14,2 auf 17 Prozent besonders zu berücksichtigen. Auch befürworten sie das Sperren von Strassen, um grössere Gebiete ohne Wege zu schaffen.

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