8.08.2017 12:19
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ernährung
«Super-Reis» gegen Mangelernährung
Reis ist für fast die Hälfte der Weltbevölkerung das tägliche Grundnahrungsmittel, enthält aber kaum oder keine lebenswichtigen Spurenelemente. ETH-Forschende stellen nun eine Reissorte vor, die sie gleich mit mehreren Nährstoffen angereichert haben: Neben Eisen und Zink enthält sie auch Beta-Karotin als Vorstufe zu Vitamin A.

Eine abwechslungsreiche Ernährung mit genügend Nährstoffen ist einem grossen Teil der Weltbevölkerung nicht möglich. Den täglichen Kalorienbedarf decken viele Menschen in Teilen Asiens und Afrikas mit Reis. Dem Grundnahrungsmittel fehlt es jedoch an wichtigen Spurenelementen, ohne die es zu Mangelerkrankungen kommt. Vitamin A-Mangel schadet zum Beispiel unter anderem dem Sehvermögen und dem Immunsystem.

Drei auf einen Streich

Zwar gibt es bereits gentechnisch veränderte Sorten wie den vor Jahren von ETH-Forschern entwickelten «Golden Rice», der Beta-Karotin als Vorstufe zu Vitamin A enthält. Andere Sorten enthalten Eisen oder Zink. Allerdings können alle neuen Sorten jeweils nur ein mangelndes Spurenelement ersetzen, wie die ETH Zürich am Dienstag in einer Mitteilung festhielt.

ETH-Forscherin Navreet Bhullar und ihre Kollegen haben nun eine Reispflanze gentechnisch so verändert, dass die Körner Eisen, Zink und auch eine deutlich höhere Menge Beta-Karotin enthalten als die nicht veränderte Ausgangssorte. Davon berichteten sie kürzlich im Fachblatt «Scientific Reports». Bisher war es nicht gelungen, einen solche Multinährstoff-Reis zu erzeugen.

Noch im Teststadium

Zwar enthalte die neue Sorte weniger Beta-Karotin als die optimierte Version des «Golden Rice», aber die Vitamin-A-Versorgung lasse sich damit dennoch markant verbessern, so Bhullar gemäss der Mitteilung. Die vier für die Produktion der Nährstoffe wichtigen Gene setzten die Forschenden zusammen an einem einzigen Ort im Erbgut der Reispflanze ein. Das mache das Einbringen dieser Gene durch Kreuzungen in Reissorten verschiedener Länder viel einfacher.

Bis jetzt sind die neuen Reispflanzen noch im Teststadium und wachsen nur im Gewächshaus. Für ausgewählte Linien sollen voraussichtlich nächstes Jahr streng kontrollierte Freilandtests folgen, um den Anbau unter Realbedingungen zu testen, schrieb die ETH. Wann sie tatsächlich angebaut werden können, ist indes noch unklar. «Es werden sicher noch fünf Jahre vergehen, ehe der Multinährstoff-Reis zur Eindämmung des »versteckten Hungers» eingesetzt werden kann», schätzt die Forscherin.

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