22.11.2012 08:31
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dapd
Klimawandel
UNO warnt - Wassertransportssystem der Bäume am Limit
Viele Baumarten haben der zunehmenden Trockenheit kaum etwas entgegenzusetzen. Schon bei leicht trockenerem Klima reisst der Wassertransport in ihren Gefässen ab. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt «Nature».

Demnach haben 70 Prozent der 226 getesteten Baumarten nur sehr geringe Sicherheitsreserven. Besonders bei Laubbäumen und Kiefern liege die Schwelle, bei der die Wasserversorgung der Blätter abreisse, nur wenig unterhalb der heutigen Bedingungen, schreibt das Team um Steven Jansen von der Universität Ulm.

Vertrocknende Wälder in Zukunft häufiger

Dieses Ergebnis zeige, dass Wälder weltweit und in allen Klimazonen stärker durch den fortschreitenden Klimawandel gefährdet sein könnten als bisher gedacht. Denn ihre Anfälligkeit hänge eher von den jeweiligen Baumarten ab als von der jetzigen  Niederschlagssituation.

«Diese Ergebnisse läuten eine Warnglocke, denn sie zeigen, dass kein Wald immun gegen die zunehmende Trockenheit ist», schreibt Bettina Engelbrecht von der Universität Bayreuth in einem begleitenden Kommentar. Es sei zu erwarten, dass sterbende und vertrocknende Wälder in Zukunft häufiger und weiter verbreitet sein werden als bisher gedacht.

Luftblasen im Transportsystem

Um die Blätter und oberen Pflanzenteile mit Wasser versorgen zu können, muss ein Baum in seinen Leitungsbahnen einen gewissen Druck aufrechterhalten. Wird dieser zu niedrig, beispielsweise weil es an den Wurzeln an Nachschub fehlt, entstehen zunächst Luftblasen in der Leitung.

«Fliesst dann kein neues Wasser aus dem Boden nach, reisst die Wassersäule vollends ab, als Folge trocknet die Pflanze aus und stirbt letztlich», erklären Jansen und seine Kollegen. Bei welchem Wasserdruck dies passiert, sei von Art zu Art verschieden. Da übergreifende Daten dazu bisher fehlten, liess sich der Effekt des Klimawandels auf Wälder bisher nur eingeschränkt ermitteln.

Wasserdruck im Leitungsnetz entscheidend

Für die Studie massen die Forscher bei 226 Baumarten sowohl den niedrigsten je gemessenen Wasserdruck in den Gefässen als auch die kritische Schwelle, unter welcher der Transport abreisst. Je näher beide Werte beieinander liegen, desto kleiner ist der Puffer, den diese Baumart gegen Wassermangel besitzt, wie die Wissenschaftler erklären.

Die Auswertung ergab, dass bei 70 Prozent der ausgewerteten Baumarten nur wenig Spiel zwischen den heutigen Minimalwerten und der kritischen Schwelle liegen. «Bei 42 Prozent der Laubbaumarten liegen die gemessenen Minimalwerte sogar schon heute unterhalb dieser Schwelle», schreiben Jansen und seine Kollegen. Das gelte sowohl für Bäume aus trockenen als auch aus feuchten Klimazonen.

Nadelbäume hätten dagegen meist etwas mehr Puffer, nur bei neun Prozent von ihnen wird schon jetzt häufiger der kritische Wasserdruck in den Gefässen unterschritten. Eine Ausnahme sind allerdings die Kiefern, wie die Forscher berichten. Sie hätten, ähnlich wie die Laubbäume, signifikant geringere Sicherheitsmargen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE