5.07.2013 10:18
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Forschung
Verraten! Hilferufe von Maispflanzen locken auch Schädlinge an
Ein Hilferuf kann auch verräterisch sein: Pflanzen, die chemische «Hilferufe» aussenden, wenn sie von Fressfeinden angegriffen werden, könnten damit weitere Feinde anlocken. Dies haben Neuenburger Forscher in einer neuen Studie festgestellt.

Wenn Maispflanzen angeknabbert werden, stossen sie flüchtige chemische Verbindungen aus. Diese locken parasitische Wespen an, die ihre Eier in die Feinde der Maispflanzen legen und damit töten. Das scheinen Pflanzenfresser zu wissen, denn sie meiden diese Duftstoffe, die für sie den Tod anzeigen. 

Konkurrenz und Tod drohen

Alle, ausser die Raupen der Baumwolleulen-Motte (Spodoptera littoralis), die sich von Maisblättern ernähren: Sie werden durch die Hilferufe ebenfalls angelockt, entdeckte das Team um Ted Turlings von der Uni Neuenburg. Dies galt sogar für eine im Labor erzeugte Kopie des Duftstoffes, berichten die Forscher im Fachblatt «Frontiers in Plant Science». 

Das macht eigentlich wenig Sinn, denn an einer Pflanze, die um Hilfe ruft, knabbert schon die Konkurrenz und es drohen tödliche Wespenstiche. Die Raupe befindet sich aber in einer Bredouille, erklären Turlings und Kollegen: Ist sie erst mal von einer Pflanze gefallen, drohen am Boden Feinde, Krankheitskeime und der Hungertod. 

Meidet Orte mit hoher Duftstoff-Konzentration

Am besten klettert sie also rasch wieder auf die Pflanze, an der sie zuvor gefressen hat. Immerhin meidet die Raupe Orte mit hohen Konzentrationen der Duftstoffe und damit frisch verletzte Pflanzenteile, wo Konkurrenz und Wespen-Gefahr am grössten sind. 

Fazit: Die hungrigen Baumwolleulen-Raupen machen aus einer vertrackten Situation das Beste, indem sie den Duftstoffen folgen. Zwar mag die Konkurrenz gross sein, aber immerhin gibt es zu Futtern. Eine kleine Raupe kann schliesslich noch nicht fliegen - erwachsene Motten hingegen meiden konsequent Maispflanzen, die bereits unter Attacke stehen.

„Ein gutes Verständnis der spezifischen Verteidigungsreaktionen bei Nutzpflanzen wird den Wissenschaftlern helfen, Varietäten auszuwählen und zu kreieren, die besonders resistent gegen einige der gefrässigsten Schädlinge sind“, meint der Professor der Universität von Neuchâtel.

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