25.09.2019 11:09
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Virtuelle Zäune für Weiden
Mit virtuellen Zäunen könnte nach Einschätzung von Wissenschaftlern der Universität Göttingen der zunehmenden Intensivierung der Milchviehhaltung entgegengewirkt sowie die strukturelle und biologische Vielfalt des Grünlandes verbessert werden.

Wie der Leiter der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität und Sprecher des Verbundprojekts „GreenGrass“, Prof. Johannes Isselstein, Anfang September erläuterte, nimmt der Verbund die Weiterentwicklung innovativer Technologien wie virtuelle Zäune und das Monitoring des saisonalen Angebots an Futterpflanzen auf der Weide durch modernste Fernerkundungssysteme ins Visier.

Bewegung steuern

Mit Hilfe dieser Technologien sollten der immense Arbeitsaufwand der Weidewirtschaft reduziert und eine nachhaltige Weidenutzung ermöglicht werden. „Eine effiziente Weidewirtschaft kann den Nährstoffbedarf der Kühe weitgehend über frisches Gras decken und gleichzeitig die Menge an Kraft- und Ergänzungsfutter reduzieren“, so Isselstein.

Die Koordinatorin des Projekts, Dr. Juliane Horn, berichtete, dass mit virtuellen Zäunen die Bewegung der Tiere auf der Weide gesteuert werden könne. Die Rinder verknüpften dabei einen Warnton mit einem aversiven Reiz, so dass sie die virtuell gesetzte Grenze zu einer Teilfläche der Weide nicht mehr überschritten. „Nach einer kurzen Lernphase haben die Rinder mehrheitlich die Assoziation des virtuellen Zauns anhand des Warntons erlernt und passen sich auch bei räumlicher Verschiebung der Fläche innerhalb weniger Stunden an“, erklärte Horn.

Unterschiede

Es gebe allerdings individuelle Unterschiede zwischen den Tieren. Einige meideten sofort nach dem ersten Kontakt den abgegrenzten Weidebereich. Andere Tiere testeten die virtuellen Zäune häufiger aus. Um das Tierwohl und die Praxistauglichkeit zu gewährleisten, müssten diese Unterschiede bei der Weiterentwicklung der Technologie berücksichtigt werden.

Durch die Möglichkeit, virtuelle Zäune räumlich und zeitlich variabel zu setzen, könnten aber gezielt Altgrasstreifen und Habitate für bodenbrütende Vögel gefördert werden, betonte Horn. Das Verbundprojekt wird der Universität Göttingen zufolge im Rahmen der Richtlinie „Agrarsysteme der Zukunft“ des Bundesforschungsministeriums über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt 5,5 Mio. Euro gefördert, wovon 1,3 Mio. Euro an sie gehen.

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