15.04.2014 10:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Wie Pflanzen einander im Rennen um Licht ausstechen
Pflanzen haben zwar keine Augen, können aber dennoch «sehen», ob sie sich in der Nähe von anderen Pflanzen oder etwa einer Mauer befinden. Lausanner und schwedische Forscher haben nun herausgefunden, dass sie je nachdem ihre Ressourcen für das Wachstum zum Licht unterschiedlich einsetzen.

Pflanzen besitzen Pigmente in ihren Blättern, mit denen sie das Lichtspektrum analysieren können. Dieses verrät ihnen, ob sich andere Pflanzen in ihrer Nähe befinden, die ihnen das Licht wegnehmen könnten. Dann lohnt es sich, rasch in die Höhe zu wachsen und die Konkurrenten auszuschalten.

Fällt der Schatten einer hohen Mauer auf sie, nützt dies jedoch nichts. Die Pflanzen wählen offenbar je nach Situation den optimalen Einsatz des Wachstumshormons Auxin, wie Forschende um Micha Hersch und Séverine Lorraina vom Schweizerischen Institut für Bioinformatik in Lausanne nachweisen konnten.

Demnach kurbeln Individuen der Ackerschmalwand den Hormonausstoss an, wenn sie andere Pflanzen wahrnehmen, und fahren damit ihr Längenwachstum hoch. Denn in diesem Fall ist genügend Licht als Energielieferant für das Wachstum vorhanden, wie die Forschenden im US-Fachjournal «PNAS» berichten.

Höhere Empfindlichkeit für Signal

Wenn sie sich jedoch bereits im Schatten befinden, steht weniger Energie zur Verfügung. Die Pflanzen produzieren dann viel weniger Auxin, erhöhen dafür ihre Sensibilität für das Hormon. Denn das schwächere Signal ist viel schwieriger zu identifizieren. In der Folge variiert das Längenwachstum einzelner Pflanzen deutlich stärker.

«Das faszinierende ist, dass die Pflanzen damit dem gleichen Prinzip wie die menschliche Kommunikation zum Beispiel über Radio folgen», erklärte Hersch in der Mitteilung. Je schwächer das Signal, desto stärker müsse der Empfänger sein. Dies entspräche genau der Theorie für die Informationsübermittlung, die der US-Ingenieur Claude Shannon 1948 formuliert hat.sda

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