12.05.2020 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Wie sich Pflanzen erinnern
Pflanzen blühen im Frühling nur, wenn sie sich erinnern, dass vorher Winter war. Beim Wachsen wird ihr genetisches Gedächtnis an neue Zellen weitergegeben. Bei der Pollenbildung wird dieses Gedächtnis jedoch gelöscht, berichten Wiener Forscher in einer neuen Studie.

Das genetische Pflanzengedächtnis funktioniert über Markierungen an der Verpackung der Gene. Ist ein Verpackungs-Eiweissstoff an einer bestimmten Stelle mit Markierungen versehen, wird die Verpackung nicht geöffnet und das Gen darin nicht abgelesen. Nach dem Winter werden zum Beispiel Gene, die das Blühen unterdrücken, damit eingewickelt, damit die Pflanze wächst.

Wenn Pollen - also die männlichen Keimzellen - gebildet werden, wird diese genetische Erinnerung aber gelöscht, berichten die Forscher um Michael Borg und Frederic Berger vom Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien im Fachjournal «Nature Cell Biology». 

Gedächtnisverlust

«Weil Pollen über lange Distanzen etwa von Bienen oder dem Wind transportiert werden können, macht es Sinn, dass die Sprösslinge die Umgebung ihrer Väter vergessen, und stattdessen jene der Mütter im Gedächtnis haben, neben denen sie ja höchstwahrscheinlich gedeihen», sagte Borg in einer Aussendung.

Für den Gedächtnisverlust sorgen drei Mechanismen, berichten die Forscher: Erstens werden jene molekularen Maschinen (Enzyme) ruhig gestellt, die Markierungen an der Verpackung vornehmen. Zweitens werden Maschinen aktiviert, die solche Markierungen abschneiden. Drittens wird der Verpackungseiweissstoff durch eine nicht-markierbare Version ausgetauscht.


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