19.02.2018 13:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Wiesen
«So früh wie möglich übersäen»
Die Mäuse haben vielen Wiesen zugesetzt. Eine Übersaat früh im Frühling kann den Pflanzenbestand verbessern und so den Ertrag steigern. Wichtig ist, dass das Saatgut nach der Saat gut angewalzt wird.

Bruno Sticher ist Geschäftsführer von Samen Steffen. Gleichzeitig ist er oft in der Zentralschweiz und im Zürcher Oberland, dem Rheintal und dem Bündnerland unterwegs.

«Schon Ende Herbst, Anfang  Winter sah man, dass in den Naturwiesen Mäuse wüteten», erinnert er sich. «Eigentlich dachte ich, es gebe einen strengen Winter, der die Mäuse dezimieren würde. Aber das kam nicht so heraus. Unter der Schneedecke haben sie nun geschützte Bedingungen, ein richtiges Mäuseparadies.»

Sobald der Schnee weg ist

Wenn unter dem Schnee die Mäuse wüten, sehen die Wiesen bei der Schneeschmelze oft mehr braun und erdig als grün aus. Dessen ist sich Sticher bewusst. «Aktuell kann man aber nichts machen als warten, bis der Pflanzenbestand sichtbar wird. Sobald der Schnee weg ist, muss man die Wiesen kontrollieren und die Wiesensanierung planen.»

Zweimal übersäen

Wenn man im Frühling nicht alle Flächen sanieren kann, bietet sich in tieferen Lagen von Mitte August bis Mitte September, in höheren Lagen von Anfang bis Ende August ein weiteres Zeitfenster. Extrem schlechte Bestände können mit einer Übersaat nicht immer zur Zufriedenheit saniert werden. Da bietet sich entweder eine Neuansaat an oder eine zweite Übersaat im Herbst.

Dabei gilt laut Sticher: Die schlimmsten Flächen kommen als Erste an die Reihe. Sie werden so früh wie möglich im Frühling saniert. «Man kann fast nicht zu früh beginnen», meint der Fachmann, «Übersaaten erfrieren praktisch nie, da sie vom Altbestand geschützt werden. Bei Neusaaten ist das anders.» 

Walzen ist wichtig

Zuerst werden die Mäusehaufen mit einer Wiesenegge oder einem Striegel ausgeebnet. Danach sollte man den Boden zwei Tage trocknen lassen, bevor man mit einer Krummenacher-Sämaschine oder mit Drillsaat eine Übersaat durchführt. «Wichtig ist, dass nach dem Säen gewalzt wird, denn das Saatgut braucht einen guten Bodenschluss», ergänzt Sticher. 

Infrage kommen standortgerechte Mischungen, in raygrasfähigen Lagen etwa Standardmischungen U 240 oder U 440 je nach Verwendung, U 440 eher zum Weiden, U 240 eher für die Schnittnutzung.

Für weniger raygrasfähige Lagen empfiehlt Sticher Mischungen mit Wiesenfuchsschwanz und Knaulgras, in trockenen Lagen mit Rohrschwingel.

«Flächen, die nicht so schlimm aussehen, werden nach dem ersten Überweiden nach dem gleichen Schema behandelt», fährt Sticher fort. «Aber Achtung: In Regionen, die oft mit Frühlingstrockenheit zu kämpfen haben, ist die Sanierung nach dem ersten Schnitt nicht anzuraten. Eine Sanierung nach einem frühen Überweiden bietet sich hier hingegen an.» 

Weidedruck tief halten 

Bei guten Bedingungen und ideal gelegenen Parzellen können die sanierten Flächen nach dem Auflaufen der jungen Pflanzen überweidet werden. Dabei muss man grossflächig einzäunen, damit der Weidedruck tief gehalten werden kann. Ebenso gut  eignet sich ein Säuberungsschnitt nach etwa vier bis sechs Wochen. 

Unmittelbar nach der Übersaat solle man nicht düngen, rät Sticher. Er kennt aber auch die Probleme der Bauern mit vollen Güllegruben:  «Falls die Gülle unbedingt auf die Wiesen muss, sollte man sie vor dem Abschleppen mit der Wiesenegge ausbringen und einarbeiten, bevor übersät wird. Kunstdünger sollte vermieden werden, er würde den Altbestand zu stark fördern. Wir wollen aber den jungen, keimenden Pflanzen möglichst viel Licht und Luft geben.»

Kosten und Nutzen

Für die Übersaat einer Hektare kostet das Saatgut 180 bis 200 Franken. Hinzu kommen die Arbeit und die Maschinennutzung im Bereich von 150 Franken. Diese Kosten werden durch den wertvolleren Pflanzenbestand, den höheren Ertrag und das sauberere Erntegut, das nicht durch Lücken im Bestand mit Erde verschmutzt wird, bei Weitem aufgewogen. 


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