Freitag, 30. September 2022
09.08.2022 09:52
Wiesen

1 bis 2cm tief eindrillen

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Von: sum

Der August ist der Monat für die Kunstwiesensaat – das Äugsteln. Wichtig ist, dass die passende Mischung ausgewählt und mit Säen gewartet wird, bis Regen in Sicht ist. Bei Trockenheit hat die Drillsaat Vorteile.

Mit dem August kommt das «Äugsteln», die Ansaat einer Kunstwiese. Doch der August ist lang – unter welchen Bedingungen macht es Sinn, die Sämaschine anzukuppeln? Und welche Sämaschine und welches Saatgut soll es sein?

Von 100 bis 400

Hanspeter Hug vom Strickhof in Lindau ZH betont: «Äugsteln tut man im August, nicht im Juli. Saatstaffelungsversuche haben gezeigt, dass Julisaaten mehr verunkrauten, schlechter auflaufen und hitzebedingt öfter ausfallen. Ausfälle sind in der Regel immer Hitzefolgen, weil die Keimlinge verbrennen. Augustsaaten liefen am besten auf, bei Septembersaaten leidet der Kleeanteil.» Wann im August man säe, sei von Jahr zu Jahr unterschiedlich.

Zuerst wird die Mischung ausgewählt. Bezüglich der Nutzungsdauer nimmt man für Zwischenfutter eine 100er-Mischung. Soll die Kunstwiese nach dem Ansaatjahr ein, zwei oder mehr Jahre genutzt werden, kommt eine 200er-, 300eroder 400er-Mischung in den Boden. Ebenso entscheidend ist die Art der Nutzung: Grünfutter, Silage, Dürrfutter, Weide – oder möglichst vielseitig.

Drittes Auswahlkriterium sind die Standorteigenschaften, vor allem bezüglich Raigras. Es braucht ein mildes Klima mit mittlerer Jahrestemperatur von 6,5 bis 9 Grad, mindestens 900mm regelmässig verteilter Jahresniederschlag und Böden mit einem hohen Nährstoff-Nachlieferungsvermögen. Für die definitive Mischungswahl ist dann entscheidend, ob es sich um eine mehrheitlich trockene, trockene bis frische oder frische bis feuchte Lage handelt.

Wettertoleranz

Aufgrund häufigerer Trocken- oder Nasswetterperioden empfiehlt sich die Auswahl von Mischungen mit wettertoleranten Futterpflanzenarten vermehrt auch in Regionen, die bisher selten durch Extremwetterlagen beeinträchtigt waren. Trockenheitstolerante Futterpflanzen sind neben Luzerne und Rotklee das Knaulgras, Rohrschwingel sowie unter Umständen auch der Wiesenfuchsschwanz. Es lohnt sich, versuchsweise zumindest für einen Teil der Ansaaten eine wettertolerante Mischung auszuwählen.

Dazu meint Hanspeter Hug: «Je länger eine Kunstwiese stehen bleiben soll, desto eher macht es Sinn, verschiedene Mischungen zu säen und so das Risiko zu streuen. Die modernen Züchtungen von Rohrschwingel und Wiesenfuchsschwanz stehen dem Raigras im Gesamtjahresvergleich in nichts nach.» Er weiss, dass verschiedene Anbieter zunehmend auch breiter zusammengesetzte Mischungen anbieten würden: «Diese schneiden in der Regel gut ab. Nachteilig ist, dass Rohrschwingel und Wiesenfuchsschwanz langsamer auflaufen.»

Nicht alles aufs Mal

Doch wie kommen diese Mischungen in den Boden? Vom Verfahren Grubbern/Eggen/Säen an einem Tag raten Futterbauberater ab, sofern nicht vorgängig schon der Ausfall durch eine flache Bodenbearbeitung zum Keimen angeregt wurde. «In einem Arbeitsgang alles zu machen, funktioniert nur, wenn es danach regnet», bestätigt der Strickhof-Futterbauprofi. «Bei einer sehr flachen Bodenbearbeitung ist häufig wegen den Ernterückständen der Bodenschluss nicht gegeben. Je trockener es ist, desto exakter muss man das Saatbett bereiten.»

Das Pflügen bringe eine saubere Oberfläche und kehre das Unkraut unter die Oberfläche. «Wenn es aber trocken ist, muss man etwas tiefer eggen, damit in tieferen Bodenschichten keine Hohlräume bleiben, und gut rückverfestigen.»

Dünger zur Saat

Zur Saatmethode: Durch flache Saaten werden die Leguminosen und die Wiesenrispe bevorzugt, bei tieferen Saaten grundsätzlich die Gräser. Die Breitsaat bietet eigentlich die besseren Voraussetzungen für eine optimale Raumausnützung. Beim Äugsteln ist die Drillsaat aber auflaufsicherer, da das Saatgut besser vor Trockenheit geschützt ist.

Das bestätigt Hanspeter Hug: «Beim Äugsteln würde ich von der Breitsaat in diesem trockenen Jahr abraten, in meinen Versuchen hat die Drillsaat immer besser abgeschnitten. Die Ablage in 1 bis 2cm Tiefe ist ideal. Und falls man düngen will, muss man den Dünger – in Form von Handelsdünger oder Gülle – zur Saat und nicht als Kopfdüngung geben. Das beschleunigt das Auflaufen, was gewünscht ist. Und verrottende Ernterückstände binden Stickstoff, er kann sich nicht verflüchtigen.»

Saatmenge einhalten

Die angegebene Saatmenge sollte eingehalten werden, da eine veränderte Saatmenge die Anteile der einzelnen Arten im Bestand wesentlich verfälschen kann. Bei schlechten Bedingungen kann als Ausnahme die Saatmenge um 10 bis 15 Prozent erhöht werden. Wenn sich wegen Fehlern bei der Kunstwiesenanlage der Bestand schlecht entwickelt, muss man sich unter Umständen während Jahren darüber ärgern.

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One Response

  1. Mi gseht wie vil schlaui lüt mir hei. Ab nöchst johr spielt nümm bodefüechti en rolle sondern zit nach dr ernt , nämlich sibe wuche.

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