Sonntag, 25. September 2022
12.09.2012 16:52
Grundfutter

2012 gabs viel Futter, aber auch viel Rohfaser

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Von: Susanne meier

Noch stehen die endgültigen Resultate aus. Doch erste Grundfutter- analysen zeigen: Dieses Jahr ist die Verdaulichkeit tiefer.

Noch wird zwar siliert und  vereinzelt auch geemdet. Doch die Vorräte an Dürrfutter und Grassilage sind mehrheitlich eingebracht. Es gab 2012 zwar viel Futter – doch es gab bezüglich Gehaltswerte keine Rekorde. Das zeigen die Analysen der UFA AG, die noch lange vor der Dürrfutter-Enquête erste Informationen zur Qualität des 2012er-Futters liefern.

Über dem Zielbereich

Die UFA hat Proben von Heu und Emd sowie von Grassilage aus der ganzen Schweiz analysiert. Sie stammen, analog der Proben von 2011, aus dem Zeitraum vom Frühling bis Ende Juni. So ist die Vergleichbarkeit gewährleistet. Am deutlichsten fällt das heurige Dürrfutter qualitätsmässig ab, wenn man die Zahlen studiert: 285,7g Rohfaser/kg TS wurden durchschnittlich gemessen, dies im Vergleich zu den 231,8g/kg TS im letzten Jahr. Im langjährigen Durchschnitt enthielten Heu und Hemd 257g/kg TS. Der Zielbereich, den die UFA übereinstimmend mit holländischen Milchviehspezialisten anstrebt, liegt bei 230 bis 280g/kg TS. «Wenn wir auch das später gemähte Emd mit einbeziehen, werden sich die Rohfasergehalte wohl noch relativieren», sagt Hansueli Rüegsegger von der UFA. «Doch vermutlich werden die Rohfasergehalte auch übers ganze Jahr betrachtet überdurchschnittlich hoch ausfallen.»

Unverdauliche Zellwand

Das hat in erster Linie Auswirkungen auf die Verdaulichkeit, ausgedrückt im Verdaulichkeitskoeffizienten der organischen Substanz (VCOS). Er liegt dieses Jahr gemäss der Analyseresultate bei 72,2%. 2011 wurden 79,7% gemessen – es war diesbezüglich ein Rekordjahr. Die holländische Zielgrösse liegt bei 72 bis 78%. Dass das Dürrfutter diesen Winter wohl weniger Milch geben wird, zeigt auch die Aufschlüsselung der Zellwandbestandteile. Der Ligningehalt (ADL) liegt bei 30,6g/kg TS. 2011 war er mit 24,6g/kg TS deutlich tiefer.

Demgegenüber machen die verdaulichen Zellwandbestandteile nur 62,3 statt wie letztes Jahr 70,3% der gesamten Zellwandfraktion aus. Schnell fermentierbare Kohlenhydrate (SFKH) sind dieses Jahr vergleichsweise wenige im Dürrfutter, nämlich 143,7g/kg TS im Vergleich zu 231,5g/kg TS im letzten Jahr. Der Zuckergehalt liegt bei 112,2g/kg TS (2011 191,7g/kg TS). Die wahre fermentierbare organische Substanz (WFOS), die im Pansen tatsächlich fermentiert werden kann, liegt in den Analysen bei 468,5g/kg TS (2011: 536,2g/kg TS).

Erstaunlicherweise unterscheidet sich der Rohproteingehalt nur unwesentlich von jenem, der letztes Jahr gemessen wurde. Laut Rüegsegger ist das vor allem eine Folge der intensiven Bewirtschaftung, mit der man 2012 viel gutmachen konnte.

Die Analysen der Grassilageproben bestätigen jene der Dürrfutterproben, fallen aber weniger extrem aus. Die Silage wurde nasser konserviert (37,4% TS, 2011 waren es 43,3%). Die Grassilage enthält mit 66,8g/kg TS auch deutlich weniger Zucker als 2011 (117,4g/kg TS).

Futter richtig ergänzen

Doch was bedeuten die Analysen nun für die Fütterung im Winter? Sie sagen, dass das Dürrfutter besonders bei den Hochleistungskühen entsprechend ergänzt werden muss – auch wenn die Scheunen mengenmässig gut gefüllt sind. «Wichtig ist, dass gut verdauliche Fasern in die Ration gebracht werden, damit das Potenzial von schlecht verdaulichen Dürrfutter maximal ausgeschöpft werden kann», rät Rüegsegger. Er empfiehlt, dabei Produkte einzusetzen, die Pektin, gut verdauliche Hemizellulose, Stärke und Zucker enthalten. Das fördert die Pansenmikroben und damit die Panseneffizienz.

Ersatz mit Mehrwert

«Solche Futtermittel werden oft auch als  Raufutterersatz angeboten, bei der UFA beispielsweise unter der Bezeichnung Speciflor», fährt Rüegsegger fort. «Viele Bauern werden wohl denken, dass sie keinen Raufutterersatz brauchen, wenn die Scheunen bis unters Dach gefüllt sind.» Doch  das sei eine falsche Überlegung: «Es wird immer wichtiger, die Rationen gezielt zu ergänzen.  So wird man dieses Jahr das Grundfutter enorm aufwerten können.»

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