Dienstag, 28. September 2021
26.07.2021 11:12
Futterbau

Ackerkratzdisteln sind die Schlimmsten

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Von: Joel Brülhart*

Fragen zu Problempflanzen wie Disteln im Futterbau häufen sich in der Beratung. Ihre Bekämpfung muss gezielt erfolgen. Auch dann ist sie sehr aufwändig. Und unterscheidet sich je nach Distelart.

In der Beratung häufen sich Fragen rund um die Regulierung von Problempflanzen wie Blacken, Ackerkratzdisteln, Weisser Germer, Jakobs- und Alpenkreuzkraut. Aber auch Neophyten wie das Berufkraut und die Goldrute werden immer mehr zum Thema.

Zweijährige und ausdauernde Distelarten

Damit eine Regulierung effizient und effektiv durchgeführt werden kann, ist es wichtig, neue Problempflanzen früh zu erkennen. Zudem ist es natürlich entscheidend, dass dann die richtige Regulierungsmassnahme zum richtigen Zeitpunkt stattfindet. Speziell bei den Disteln gilt es hier ein paar wesentliche Punkte zu beachten.

Viele Distelarten sind für Schmetterlinge und Co. sehr wertvoll und müssen nicht spezifisch zurückgedrängt werden. Es gibt aber einige Arten, bei denen eine Regulierung nötig bis zwingend ist (siehe Tabelle). Grundsätzlich werden zweijährige und ausdauernde Distelarten unterschieden. Damit die Regulierungsstrategie erfolgreich ablaufen kann, muss man wissen, um welche Distelart es sich überhaupt handelt. Wenn sich dies auf den ersten Blick nicht herausfinden lässt, könnte ein Blick auf die Wurzel weiterhelfen.

Schweizer Bauer

Typische Nester

Zweijährige Distelarten entwickeln im ersten Jahr eine Rosette und erst im zweiten Jahr den Stängel mit den Blüten. Wenn die Pflanze durch Säuberungsschnitte am Blühen gehindert wird, wird sie ebenfalls ausdauernd. Deshalb ist bei den zweijährigen pfahlwurzelbildenden Distelarten das Ausstechen die beste Variante. Die Sumpfkratzdistel hingegen bildet keine Pfahlwurzel und kann deshalb auch ausgehackt werden. Dabei ist wichtig, dass ein grosser Teil der Wurzel mitkommt.  Bei trockenem, warmen Wetter kann die ausgehackte Pflanze liegen bleiben.

Bei den mehrjährigen Distelarten, speziell bei der Ackerkratzdistel, ist die Bekämpfung ohne Pflanzenschutzmittel schwieriger und aufwendiger. Im ersten Jahr keimt die Pflanze und bildet eine einfache Wurzel, dann kann sie noch relativ einfach ausgezogen werden. Im zweiten Jahr bildet die Ackerkratzdistel unterirdische Ausläufer, und es entstehen mit der Zeit die typischen Nester.

Pflanzen aushungern

Für die Bekämpfung von solchen Nestern muss Folgendes beachtet werden: Die Ackerkratzdistel legt über den Sommer Reservestoffe an. Diese Reservestoffe braucht die Pflanze zum Überwintern und um im Frühling wieder Blattmasse zu bilden. Das Ziel der Bekämpfung muss sein, der Pflanze die Reserven zu nehmen. Dies ist nur mit einer mehrmaligen Bekämpfung pro Jahr und über mehrere Jahre möglich. Dabei sollte die erste Bekämpfung durch Schneiden, Aushacken oder mit Herbiziden möglichst früh  im Jahr erfolgen. Achtung: Wenn man mit der Regulierung startet, bilden sich aus den unterirdischen Ausläufern weitere Sprosstriebe und man hat das Gefühl, dass es viel mehr Disteln hat.

Unkrautbekämpfung ist eine zeitraubende und intensive Arbeit, weshalb es umso wichtiger ist, dass man die Zeit sinnvoll einsetzt und die richtige Methode auswählt und dann auch durchzieht. Vielfach ist auch eine Kombination von Ausziehen und Schneiden erfolgreich. Das Schlimmste, was man machen kann, ist, nichts zu tun.

*Der Autor ist Lehrer und Berater am Inforama Berner Oberland.

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23 Responses

  1. Wo sind all die Besserwisser, wo meinen es geht mit Permakultur, regenerativer Landwirtschaft, usw.?
    ach ja, zwischendurch eine Distel ist kein Problem, dass das ganz schnell zum Problem werden kann, ist wohl glänzlich unbekannt. Konsequente Bekämpfung (mechanisch/chemisch) ist die einzige Lösung.

    1. Da hast du wohl wenig Erfahrung mit dieser nützlichen Pflanze. Disteln verschwinden von alleine wieder. Habe es ausprobiert. Am Anfang wurde das Nest immer grösser, bis zu 40-50m Durchmesser und dann plötzlich wurden sie schwach und krank und am Ende stand nur noch ein feiner Kreis am äusseren Rand des Nestes. Die Erde war nachher so locker, dass sie zu meiner besten Parzelle wurde. Das ganze dauerte 7 Jahre. Lohnt sich aber, denn ich habe keine 5 Minuten mit Bekämpfung verschwendet.

      1. 50 Meter Durchmesser sind fast 2’000 Quadratmeter = 0.2 ha
        Hast du das 7 Jahre Brach gelassen?
        Was ist mit dem Samen passiert wenn du keine Bekämpfung gemacht hast?

        Dein Ansatz „Wurzel holt Nährstoffe in Tiefen Bodenschichten“, finde ich gut, jedoch die Disteln einfach machen lassen ist (in meinen Augen) falsch. Warum nicht gezielt nachhelfen mit Tiefwurzlern? z.B. mit Raps?
        Verdichtungen mechanisch lösen oder mit Gründüngungen (Rettich, Lupinen)?

        1. 0.2ha und das bei mehreren Feldern. Klar hat man da Ertragsverluste über eine geraume Zeit, aber Bekämpfung kostet auch Geld, wenn man Stunden verrechnet. Die Idee mit Tiefwurzlern ist gut. Luzerne hilft, die machen bis 4 Meter tiefe Wurzeln. Auch eine Tiefenlockerung hilft, damit kann man die 7 Jahren verkürzen. Aber es geht hauptsächlich darum, die Bewirtschaftungsfehler, die dazu führten, zu erkennen und nicht zu wiederholen, sonst fängt man wieder bei 0 an.

  2. Es funtioniert gut auf die Distelrosetten am Frühling Salz zu streuen dann gehen sie ein und das Gras wächst direkt über die offenen Stellen

  3. Arthur Hansen: weisst du den was die Distel Dir anzeigt, kennst du die Bedeutung warum die Distel kommt. In deinen Augen wohl einfach so ne blöde Pflanze,die der Landwirtschaft nur lässtig ist,Kosten und Probleme verschafft,ist doch so. Dann ist es einfach über die anderen herab zu schimpfen, statt sich zu fragen warum kommt diese Distel denn wirklich. Aber lästere nuir weiter über anderst denkend und handelte Landwirte. Das zeigt auf welchen Bildungsstand du wirklich hast. Viel Glück!!!

    1. Dann sag uns, was die Distel zeigt und bedeutet!
      Das Geschwätz zwischen den Zeilen nützt nichts!
      Ich weiß nur sie gedeiht überall, egal was für Boden, ob Sonne oder Schatten.
      Also, Herr Potaniker, bitte um Aufklärung!!

      1. Diei Distel sagt dir folgendes: „Mein Lieber Bauer, du hast viele Fehler gemacht mit deinem Boden, hast vermutlich eine Wintergare im schweren Boden gemacht, hast ihn unbedeckt gelassen, bist dann zu früh noch bei zu tiefen Temperaturen ins Land gefahren und hast wieder kräftig Dünger und Herbizide verwendet, sodass der Regen die Nährstoffe in tiefe Bodenschichten verfrachtet hat, wo keine Nutzpflanze dran kommt. Da muss die Distel helfen und den verdichteten Boden lockern.“.Willst du noch mehr?

        1. ich verstehe zwar die Sprache der Pflanzen auch nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass eine Distel einem lieben Bauern einen Fehler vorhält. Denn Fehler gibt es in der Natur nicht. Sie ist wie sie ist und es wächst einfach die richtige Pflanze am richtigen Ort. Da will – das glaube ich zumindest – keine Pflanze einen Fehler korrigieren.

          1. Fehler gibt es tatsächlich nur in den Augen des Menschen. Wir als Landwirte wollen ein Equilibrium erzeugen, das zwischen dem liegt, was in der Evolution des Bodens zwischen Pionierboden und Verbuschung liegt. Die Pflanzen versuchen immer wieder von einem Pionierboden mit wenig Pilzen in der Erde in Richtung Waldboden zu gehen. Dazu brauht es Pionierpflanzen wie die Distel. Du als Demeter-Bauer solltest das wissen.

          2. @permakulturist: (kann leider deinen Kommentar nicht direkt kommentieren) Danke für den Tipp, man hat nie ausgelernt… Als Demeterbauer verstehe ich wenig von Permakultur, habe einfach Mühe mit dem Umgangston, der hier leider immer wieder anonym angeschlagen wird, um andere zu belehren. Von Pionier- oder Zeigerpflanzen hat wahrscheinlich jeder Bauer schon mal was gehört…

    2. Ackerkratzdistel:
      verdichtet, schwerer tonig, lehmiger Boden, meist tiefgründig, eher trocken, sonnig bis halbschattig

      gewöhnliche Kratzdistel:
      schwachsauer bis Schwachbasenzeiger, Stickstoffüberschuss, helle Standorte

      wollköpfige Kratzdistel:
      tendenziell auf kalkhaltigen Standorten zuhause, sonnige Standorte, eher steiniger Boden

      Sumpfkratzdistel:
      Feuchtgebiete, Ton- und Vernässungsanzeiger, feucht-schattiger Standort

    3. Gleich persönlich werden ist nicht nötig Herr Bernet. Das zeigt ihren persönlichen Bildungsstand.

      Wie Sie in meinen anderen Kommentar erkennen, ist mir durchaus die Bedeutung der Pflanzen bewusst.
      Ich finde andere Anbausysteme durchaus interessant und spannend zu verfolgen.

      1. Gut, ich kann deine Reaktion verstehen, gebe Dir einerseits Recht, anderseits müsste ich ja auch sagen , warum greiffst du anderst denkende und handelde an. Lassen wir das, ich will keinen Streitt. Was ich sehr anerkenne und mich freue dass du verstanden hast um was es mir geht,was sie anzeigt. Ein Tipp für die, die das nicht Wissen, das findet Ihr im Internet. Früher gab es sogar von ciba-geigy ein Buch Zeigerpflanzen, leider ist das vergriffen.

        1. Der Kommentar war sicher etwas zu forsch formuliert.
          Mich nervt es einfach, wenn neue „Systemerfinder“ (Bio, Permaklutur, regenrative Landwirtschaft, SoLaWi usw.) Flächen bewirtschaften und das Beikraut nicht konsequent behandeln. Disteln, Blacken, Knöterich, Berufskräuter, Kreuzkräuter usw. müssen nicht versamen. Je mobiler das Saatgut (z.B. Flug, Nahrungsaufnahme/Anhaftung an Tieren, Kompostierung) je mühsamer wird es für die umliegenden Landwirte.

          1. Sehr gut Artur Hansen, da gehe ich mit Ihnen gerne weiter, jetzt ist es eine gute Grundlage das ganze doch einfach und Sachlich an zu schauen. Nein Versamen lassen von dem glaube ich ist nicht die rede. Sie haben ja selber aufgelistet was es zeigt, also darf doch jeder jetzt danach handeln. Und es ist viel klüger vor der eigenen Haustür zu wischen, als vor der Haustür des Nachbar,heisst, halte dein Boden in Ordnung,dann musst du keine Angst haben vor dem was beim Nachbar wächst.Fange bei Dir an.

          2. Es ist eine Illusion zu glauben, man könne seinen Boden frei von Unkrautsamen halten. Das ist etwa dieselbe Illusion als würde man glauben, den Salzgehalt des Meeres durch Entnahme zu verändern. Es ist so, dass man den Boden dahin verbessern kann, dass diese Unkräuter nicht mehr keimen. Dann hat man alles richtig gemacht. Aber das zu verstehen, braucht es viel Beobachtungsgabe, Geduld, freien Kopf und viel Mut, Neues auszuprobieren.

  4. Wann wird endlich der Unterhalt der SBB, Kantons- und Autobahnen in die Pflicht genommen?
    Wer die als Nachbarn hat ist gesegnet mit Neophüten, Kanadischem- (das sowieso niemand kennt) Einjährigem Berufskraut (einmal gemäht, mehrjährig) Jakobskreutzkraut und vielem mehr!!

  5. Lustig, jetzt wo die „Bedrohung“ durch die Agrar-Initiativen fürs erste gebannt ist, sieht man wieder die alte Bedrohung der Unkräuter. Hauptsache Bedrohung und Kampf und Angst. Das macht das Leben lebenswert.

    1. Verstehe nicht was Sie meinen.
      Problempflanzen bekämpfen (in welcher Art auch immer) nennt sich Landwirtschaft und ist Alltag auf vielen Betrieben.

      Da wird keine Angst geschürt, sondern einfach ein Artikel erfasst aus aktuellem Anlass.

      Wie sollte denn nach Ihrer Meinung ein Artikel erfasst werden?

      1. Dieses Denkmuster halte ich für falsche, dass es Hauptaufgabe des Landwirtes ist, Unkraut zu bekämpfen. Genau diese Denkweise hat uns in die Sackgasse gebracht, wo wir heue sind. Viele Biolandwirte denken leider genauso, dass man alles bekämpfen muss. Anstatt dessen sollte man Artikel darüber verfassen, was die Pflanze uns sagen will. Wie kann man ihr helfen, die Aufgabe zu erledigen, welche sie ausführt. Leider wird sie dabei vom Landwirt behindert, was kontraproduktiv ist.

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