20.05.2018 08:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Motion
«Alle Betriebe profitieren von der Förderung»
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion zur Förderung der inländischen Produktion von Futterpflanzen und Eiweissquellen. Nationalrat Nicolet Jacques erklärt, wieso seine Motion für die Schweiz wichtig ist.

«Schweizer Bauer»: Warum haben Sie die Motion Förderung der inländischen Produktion von Futterpflanzen und Eiweissquellen eingereicht?
Nicolet Jacques: Am 24. September 2017 hat das Schweizer Volk mit fast 80% für die Ernährungssicherheit gestimmt, sodass wir durch die Unterstützung einer respektvollen und produktiven Landwirtschaft eine nachhaltige und effiziente Versorgung der Schweizer Bevölkerung sicherstellen können. Die Förderung der Produktion von Futtergetreide wie Gerste, die nicht sehr anspruchsvoll und an unsere lokalen Bedingungen angepasst ist, geht in diese Richtung.

Was ist das Problem bei der inländischen Produktion von Futterpflanzen und Eiweissquellen?
In 25 Jahren ist die Futterpflanzenproduktion in der Schweiz um 45% (200000 Tonnen) zurückgegangen. Der Rückgang der Futtergetreidepreise um 50% hat dazu beigetragen, dass das Interesse an diesen Kulturen nachgelassen hat, sodass die Futtergetreideeinfuhren zugenommen haben, um diese Lücke zu schliessen. Ohne den Anspruch zu erheben, dass die Einfuhren vollständig ersetzt werden, halte ich es für klug, kurze Wege zu bevorzugen, indem die einheimische landwirtschaftliche Produktion gefördert und den Bedürfnissen des Marktes Rechnung getragen wird. Bei den Eiweissquellen ist die Situation ähnlich.

Für welche Betriebsrichtung ist es am wichtigsten, dass die inländische Produktion gefördert wird?
Die Verbraucher sind immer empfindlicher geworden bezüglich Inhalt auf ihren Tellern, und dies ist eine Chance für die Landwirtschaft, die Garantien für Rückverfolgbarkeit, Produktionsmethoden und Lagerbedingungen bieten kann. Je kürzer und transparenter die Kanäle sind, desto stärker ist die Qualitätsgarantie in den Augen der Verbraucher, sodass alle Arten von Betrieben von einer besseren Förderung der nationalen Produktion profitieren werden.

Wie viel Geld soll in die Förderung von Futtergetreide investiert werden?
Für Futtergetreide sollen unter Berücksichtigung der derzeitigen Anbauflächen (75000 ha) und bei einer Prämie von 300 bis 400 Fr./ha 30 Millionen Franken zur Förderung des Schweizer Futteranbaus bereitgestellt werden.

Woher soll man das Geld nehmen beziehungsweise, wo soll Geld eingespart werden, um die Produktion zu fördern?
Da der Umfang der Direktzahlungen nicht grösser wird, müssen die Mittel intern umverteilt werden. Um dies erreichen zu können, ist es notwendig, ein wenig aus dem Bereich der öffentlichen Landwirtschaft auszusteigen und zu einer respektvollen, produktiven und einträglichen Landwirtschaft zurückzukehren. Darüber hinaus müssen wir auch eine konkrete  Vision von unseren landwirtschaftlichen Sektoren entwickeln. Indem ich als Landwirt  mit der Produktion von Futtergetreide zur Arbeit des Sektors der Umwandlung und Valorisierung meines Getreides beitrage und auf die Bedürfnisse des Schweizer Marktes eingehe, schafft meine Produktion einen Mehrwert in der Branche. 

Wenn mehr Futter- und Eiweisspflanzen auf der verfügbaren Fläche angebaut werden, wovon soll dann weniger produziert werden?
Bei einigen  Kulturen  gibt es   wirtschaftliche Schwierigkeiten. die Förderung von Futterpflanzen kann eine interessante Alternative für Landwirte darstellen.

Was sagen Sie zur Antwort des Bundesrates?
Ich bin überhaupt  nicht überrascht von der Antwort des Bundesrates, der den Volkswillen nicht berücksichtigt und die Schweizer Landwirtschaft zu einer Dienstleistungslandwirtschaft machen will, die die Bauern ruhigstellen soll. Diese Haltung ermöglicht es nämlich, auf die Fantasie des Wirtschaftsministers zu reagieren, der unbedingt die Türe für Importe öffnen will, ohne sich um die Fragen der Produktionsmethoden und -mittel zu kümmern und der vergisst, dass die Hauptaufgabe der Landwirtschaft darin besteht, Nahrungsmittel für die Bevölkerung zu produzieren.

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