29.07.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Trockenheit
«Angst vor frühen Alpabfuhr»
Silvan Caduff bewirtschaftet einen 49 ha grossen Grünlandbetrieb in der Bergzone 3 und 4 in Morissen GR und die Alp s. Carli als Alpmeister. Wegen der Trockenheit wird das Futter für die Tiere knapp.

«Schweizer Bauer»: Wie sieht die Situation aktuell bei Ihnen aus?
Silvan Caduff: Wir haben bei uns sehr trocken. Wir konnten einen guten ersten Schnitt ernten, aber einen zweiten Schnitt wird es nicht geben. Die Ernte ist bei uns also abgeschlossen. Ab 1700m.ü.M. abwärts ist mehr oder weniger alles braun. Das Gras wurde von der Sonne verbrannt, und der Boden wurde durch den Wind noch zusätzlich sehr stark ausgetrocknet. Es wachsen nur noch Unkräuter mit tiefen Pfahlwurzeln. In unserer Region werden nur wenige Kunstwiesen mit Luzerne kultiviert. Auf den anderen Flächen  wächst zurzeit nichts nach, was als Futter verwendet werden kann. Nicht nur   auf dem Betrieb, sondern auch auf unseren Alpen sieht es schlecht aus.

Wie meinen Sie das?
Die Alp ist mit Weideflächen von 1400 bis knapp 2000 m.ü.M recht tief gelegen. Damit das Gras weiter wächst bräuchte es ab jetzt jeden zweiten Abend etwas Regen. Aber das ist unwahrscheinlich.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Dass man mit den Tieren früher von der Alp nach Hause muss.

Müssen Sie schon zufüttern?

Im Moment geht es noch ohne. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier nichts mehr wachsen wird. Wir haben im Frühling für die Alp Schlechtwetterrationen gekauft, falls es zum Beispiel einmal schneien sollte, auf die können beziehungsweise müssen wir zurückgreifen, wenn es nicht regnet.

Wie lange kann die Alp gehalten werden?

Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht regnet und wir alle Futtervorräte, also Gras und Schlechtwettervorräte mit einbeziehen, dann können wir maximal bis am 20. August bleiben. 

Das heisst?
Die 120 Milchkühe und 250 Stück Jungvieh müssen einen Monat früher als sonst auf die Heimbetriebe zurück.

Sind Ihre Felder von der Trockenheit auch betroffen? Welche Kulturen leiden am meisten? Senden Sie uns Ihre Bilder an bild@schweizerbauer.ch . Namen und Ort nicht vergessen

Was sind die Konsequenzen?
Die ersten Konsequenzen werden Futterzukauf sein. Wenn die Tiere wegen Futtermangel zurück auf die Betriebe kommen, finden sie auch hier nichts vor. Es muss zugefüttert werden. Wenn man von letztem Jahr kein Futter mehr übrig hat, muss man bereits auf die Wintervorräte zurückgreifen. Das heisst, man muss Futter dazukaufen, das wird aber in diesem Jahr schwierig.

Wieso das?

Die Regionen aus denen ich normalerweise Raufutter und Stroh beziehe, Thurgau und Vorarlberg, leiden selber unter der Trockenheit. Es wird also wenig Futter geben, es muss von weiter her importiert werden und ist teurer. Auch Stroh ist in diesem Jahr knapp und bereits jetzt rund 3 Franken teurer als sonst. 

Gibt es weitere Konsequenzen?
Wenn es allgemein eine Futterknappheit gibt, wird die zweite Konsequenz die Verkleinerung der Herden sein. Sprich, es werden mehr Tiere geschlachtet oder früher geschlachtet als geplant. Der Preis wird so sinken. Wie man reagiert, ist aber betriebsabhängig und individuell. Aber auf jeden Fall muss man sich als Betriebsleiter Gedanken dazu machen.

Werden Sie auch Tiere schlachten?
Wenn es nötig ist, werde ich Tiere, die sowieso zum Metzger gehen, früher bringen, auch wenn sie noch nicht schlachtreif sind.

Haben Sie bereits weitere Massnahmen ergriffen?
Ich habe bei den Futterhändlern Offerten für Raufutter eingeholt, aber noch nichts bestellt. Ich habe auf meinem Betrieb das Glück, dass ich noch Futter vom letzten Jahr habe und deshalb weniger zukaufen muss. 

Haben Sie öfters Probleme mit der Trockenheit?
Wir werden hier nicht mit Regen überhäuft, und es gibt schon hin und wieder Trockenheit. Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie. Die Situation ist schlimmer als im 2003. Vor 15 Jahren war es auch in der ganzen Schweiz trocken, aber wir hatten einen Schnitt mehr. Uns macht der Wind fast mehr zu schaffen als die Sonne. Im 2003 hat es auch fast keine Niederschläge, aber es hatte wenigstens keinen Wind. Heuer hat es ständig eine extreme Bise, die alles austrocknet. Wir hatten zudem seit vier Monaten extrem wenig  Niederschlag.

Wie gross schätzen Sie den Schaden der Trockenheit für Ihren Betrieb ein?
Das ist schwierig zu sagen. Normalerweise mache ich zwei bis drei Schnitte. Das heisst, ein ganzer Schnitt fehlt mir ganz sicher. Würde es jetzt wieder zu wachsen anfangen, so würde ich das Gras als Herbstweide nutzen. In Zahlen ausgedrückt fehlen mir auf meinem Betrieb rund 100 Kubik Silo und 300 bis 400 Kubik Emd.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE