24.04.2020 12:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Wiesen
Corona sorgt auf Wiesen für Probleme
Die Corona-Einschränkungen ziehen die Bevölkerung aufs Land, wo sie sich oft auf Wiesen und Weiden niederlässt. Das sorgt für Schäden auf landwirtschaftlicher Nutzfläche. Die Bäuerinnen und Bauern setzen auf Dialog.

Die Wiesen und Weiden locken mit ihrem Anblick derzeit in vielen Gegenden Leute an, die sie als Ersatz für nicht mehr zugängliche Parks oder Seewiesen nutzen. Was aus Blick der Ausflügler problemlos erscheinen mag, stellt für Bäuerinnen und Bauern ein Problem dar.

Hot Spots rund um Städte

Denn sie nutzen die Wiesen und Weiden dazu, ihr Vieh zu füttern. Wird das saftige Gras niedergetrampelt und zerstört oder mit Littering verschmutzt, beeinträchtigt dies das Futter. Zerhackte Gegenstände wie Alubüchsen sind für die Tiere ausserdem gefährlich. Das dürfte etlichen Personen, die das Kulturland geniessen, nicht bewusst sein.

Der Zürcher Bauernverband (ZBV) hat vermehrt Meldungen von Landwirtinnen und Landwirten erhalten, dass ihre Wiesen und Weiden als Freizeitfläche genutzt werden und dadurch Schäden entstehen. Zertretenes Gras, das in Kürze gemäht werden sollte, und Littering sind einige der Folgen davon.  Der Verband erhalte Meldungen aus allen Regionen, sagt ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel. Besonders betroffen sei die nahe der Stadt Zürich liegende Forch-Gegend.

Einige sind uneinsichtig

Der Zürcher Bauerverband rät den betroffenen Bäuerinnen und Bauern, mit Schildern auf die Problematik aufmerksam zu machen und die Flächen gegebenenfalls abzuzäunen. Ausserdem solle das Gespräch mit den Ausflüglern gesucht werden. Da sei aber nicht immer einfach, sagt Hodel. So habe er Rückmeldungen erhalten, dass Personen kein Verständnis gezeigt und gar erbost reagiert hätten. Der ZBV bedankt sich aber auch beim Grossteil der Bevölkerung, der die blühenden Wiesen vom Feldrand aus geniesst und den Bauern so die Arbeit auf ihren Futterflächen ohne Einschränkung ermöglicht. 

Auch der Berner Bauernverband (BEBV) hat zunehmend Meldungen von Bauernbetrieben erhalten. Es sei mehr oder weniger der ganze Kanton Bern betroffen, sagt BEBV-Präsident Hans Jörg Rüegsegger. «Der Belastungsgrad ist jedoch unterschiedlich, je nachdem mit wie viel landwirtschaftlichem Wissen die Besucherinnen und Besucher unterwegs sind», so Rüegsegger. Besonders betroffen seien Naherholungsgebiete um die urbanen Gemeinden wie Bantiger, der Moossee, die Region Naturpark Gantrisch sowie die Gegenden um Fliessgewässer.

Schaden kann kaum eingefordert werden

Wenn alle Massnahmen nicht wirken und am Kulturland Schaden entsteht, ist es für die betroffenen Landwirten jedoch schwer, den Schaden ersetzt zu bekommen. «Der Bauer könnte angerichteten Schaden geltend machen. In der Praxis ist das aber kaum durchzusetzen, respektive in den meisten Fällen nicht möglich, den Schaden zu beziffern», sagt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband (SBV).

Mit Tafeln informieren

Der Berner Bauernverband rät, Feldrandtafeln an stark frequentierten Orten aufzustellen, die über die Kulturen und die Produktion informieren. Wichtig sei auch, sich Zeit für Gespräche mit den Ausflüglern zu nehmen und den Dialog zu suchen. «Wir können aufzeigen, was gerade wächst oder was wachsen sollte. Wie wir mit Natur und Umwelt zusammen Nahrungsmittel produzieren und warum die Tiere lieber Gras fressen, das nicht verschmutzt oder zertrampelt worden ist», so der BEBV-Präsident.

Hilfreich sei es auch, den Besucherinnen und Besuchern einen direkten Link zu den von ihnen konsumierten Produkten zu geben, zum Beispiel vom derzeit blühenden Raps, dessen Öl für die Chips-Produktion aus Schweizer Kartoffeln verwendet wird. «Wenn jemand dann immer noch uneinsichtig ist, könnte der Vergleich mit `Betreten ihres Gartens/Rasens verboten` sie dazu ermuntern, das auch bei unseren Feldern zu akzeptieren», so Rüegsegger.

In Kriens wirkten die Massnahmen

Als erster Verband hatte bereits vor Ostern der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV) öffentlich auf die Problematik aufmerksam gemacht und an die Bevölkerung appelliert. In Kriens hatten sich zuvor zahlreiche Personen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen eingefunden und dort für Zustände wie in der Badi gesorgt.

Die Landwirtinnen und Landwirte reagierten mit Tafeln und teils mit Absperrungen. Die Massnahmen hätten in Kriens ihre Wirkung gezeigt und zu einer Beruhigung beigetragen, sagt Sandra Lüscher, Kommunikationsverantwortliche des LBV. Aber im restlichen Kanton sei die Lage noch immer schwierig, der Verband erhalte regelmässig Hinweise von Bäuerinnen und Bauern.

Zwiespältige Situation

Lüscher weist auf eine weitere Herausforderung hin: «Wir stellen fest, dass sich derzeit mehr Personen im ländlichen Raum aufhalten als normalerweise». Diese besichtigten zum Beispiel Betriebe und besuchten die Kühe. Das sei aktuell eine zwiespältige Situation, so Lüscher. Was unter normalen Umständen teils sogar gewünscht sei – der Kontakt der Bevölkerung zur Landwirtschaft - stelle nun einige Landwirtinnen und Landwirte vor Probleme. Denn gerade jene, die zu einer Risikogruppe gehörten, seien auf das Beachten der Massnahmen angewiesen, um selbst gesund zu bleiben. Lüscher hofft diesbezüglich auf das Verständnis und die Vernunft der Ausflügler.

Tafeln bestellen

Wegen der Corona-Einschränkungen zieht es derzeit besonders viele Besucherinnen und Besucher ans Kulturland. Mit Tafeln wie «Stadt und Land – Hand in Hand» können diese aufs richtige Verhalten aufmerksam gemacht werden. Die wetterbeständige Informationstafel «Stadt und Land, Hand in Hand», eignet sich zum Aufstellen am Feldrand.

Informationstafeln und Broschüren können kostenfrei im LID-Shop hier bestellt werden. Pro Bestellung der Tafeln werden 8 Franken für Porto und Verpackung verrechnet. Das Material kann gratis an der Weststrasse 10, Bern, abgeholt werden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE