30.07.2017 10:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Mähdrescher ertrinken im Wasser
Ergiebige Niederschläge haben in der vergangenen Woche in ganz Deutschland die Druscharbeiten zum Erliegen gebracht. Besonders betroffen war Niedersachsen, wo nach extremen Unwettern und Starkregen mit 100 l je Quadratmeter und mehr innerhalb von nur 24 Stunden weite Landesteile unter Wasser standen.

Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Dienstag vergangener Woche mitteilte, seien auch in diesem Jahr wieder die kleinräumigen Wetterunterschiede auffallend. Während einige Felder massiven Schaden genommen hätten, präsentierten sich die gleichen Kulturen nur einige Kilometer weiter in guter Verfassung. Entsprechend unterschiedlich seien die Ertragserwartungen.

Nach Angaben der Kammer konnte die Wintergerste noch komplett bei vorwiegend mittleren bis guten Erträgen eingefahren werden. Die meisten noch nicht geernteten Getreidebestände zeigten sich zwar in passabler Verfassung, doch auf Flächen, wo die Halme „ins Lager“ gegangen seien, könnte die Ernte nun problematisch werden.

Kleinere Erträge und Qualitätseinbusse

Neben geringeren Erträgen befürchten die Fachleute der Kammer Einbußen bei der Qualität des Getreides, sollte sich die Ernte weiter verzögern. Problematisch dürfte es mit den noch stehenden reifen Rapsbeständen werden. Das schlechte Wetter habe bereits partiell die reifen Schoten zum Platzen gebracht.

Die ohnehin erwarteten, eher unterdurchschnittlichen Erträge würden dadurch wohl noch weiter geschmälert. Hart haben die Wetterextreme auch Brandenburgs Landwirte getroffen. Das Potsdamer Landwirtschaftsministerium äußerte die Befürchtung, dass die Ernte auf einigen Ackerflächen ganz ausfallen werde, weil diese Areale und insbesondere auch Grünland unter Wasser stünden. Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern wurden ebenfalls bei der Ernte ausgebremst. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus zeigte sich besorgt über die Situation. „Wenn wir nicht endlich beständiges Sonnenwetter bekommen, dann steuern wir hier auf eine mittelschwere Katastrophe zu“, kommentierte er das Geschehen.

Mit blauem Auge davongekommen

Besser als erwartet fallen in diesem Jahr die Ernteergebnisse im nördlichen Rheinland-Pfalz aus. Aufgrund des wechselhaften Wetters der letzten Wochen sei die zunächst befürchtete Missernte ausgeblieben, erklärte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV), Michael Horper, am Montag vergangener Woche beim Erntegespräch des Verbandes.

Vor allem das Getreide habe sich noch gut entwickelt, und weder bei der Qualität noch bei der Menge seien größere Einbußen zu erwarten. Zudem bewegten sich die Erzeugerpreise auf einem mittleren Niveau, so dass es genügend Spielraum für eine positive Preisentwicklung gebe. Der Winterweizen - mit einer Anbaufläche von knapp 114 000 ha die wichtigste Getreideart im Land - werde laut Horper aber aufgrund der langen Trockenheit kaum Spitzenerträge liefern.

Vereinzelt könnten noch 80 dt/ha erreicht werden, allerdings nur in Gebieten mit einer ausreichenden Wasserversorgung. Die Wintergerste, angebaut auf etwa 38 000 ha, werde ein durchschnittliches Ergebnis bringen, das sogar rund 10 % über der 2016 erzielten Menge liegen dürfte. Die Erträge lägen in einer Spanne von 40 dt/ha bis 75 dt/ha. Beim Raps würden 20 dt/ha bis 40 dt/ha erzielt, berichtete der Verbandspräsident weiter. Die Ölgehalte seien noch nicht bekannt, doch mit zufriedenstellenden Werten von mehr als 42 % sei zu rechnen.

Über dem schlechten Vorjahresniveau

Im Südwesten Deutschlands müssen die Landwirte aufgrund der Trockenheit und überdurchschnittlich hohen Temperaturen im Juni Ertragseinbußen beim Getreide hinnehmen, dürften aber die Vorjahresergebnisse übertreffen. Wie der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) am vergangenen Donnerstag mitteilte, verlaufe die Ertragsentwicklung bei Winterweizen und Wintergerste im Vergleich zu 2016 positiv.

Voraussichtlich werde die Weizenernte um 10 % über dem recht schlechten Vorjahresniveau liegen, die Gerstenernte sogar um 15 %. Die ohnehin frühreife Wintergerste sei dem Verband zufolge in Südbaden noch mit zufriedenstellenden Erträgen von durchschnittlich 70 dt/ha bis 80 dt/ha gedroschen worden. Im Mittel habe auch der Winterweizen gute Erträge geliefert, aber insbesondere in den südlicheren Regionen sowie in extrem trockenen Abschnitten der Rheinschiene seien nur unterdurchschnittliche Mengen eingefahren worden.

Für die Maisbauern, deren Bestände lange unter der Trockenheit gelitten hätten, seien die ergiebigen Niederschläge vergangene Woche gerade zur rechten Zeit gekommen, stellte der BLHV fest. Sofern das Wetter beständig bleibe, könnten die Anbauer eine ordentliche Maisernte erwarten. An Raps seien im Mittel zwischen 35 dt/ha und auf guten Standorten bis zu 50 dt/ha vom Acker geholt worden.

Leicht unterdurchschnittliche Erträge in Bayern

Der Bayerische Bauernverband (BBV) geht für den Freistaat von einem leicht unterdurchschnittlichen Getreideaufkommen aus. Die gesamte Erntemenge ohne Körnermais dürfte etwas unter dem langjährigen Mittel von 6,7 Mio t liegen und der Durchschnittsertrag bei 72 dt/ha, berichtete BBV-Präsident Walter Heidl am vergangenen Mittwoch bei der gemeinsamen Erntepressefahrt seines Verbandes und des Münchener Landwirtschaftsministeriums.

Der BBV hob hervor, dass die Getreidebestände im Land durch die knappe Wasserversorgung und die hohen Temperaturen schnell abgereift seien. Sowohl der Raps als auch den Weizen habe die Hitzeperiode vor der Reife voll erwischt. Je nach Bodenqualität und Sorte hätten die Pflanzen diese Trockenperiode laut Heidl jedoch zum Teil gut überstanden. Allerdings gebe es bereits innerhalb eines einzelnen Ackers enorme Unterschiede bei den Erträgen. Auch wegen des relativ geringen Krankheitsdrucks in diesem Jahr könnte es bei Weizen aber trotzdem insgesamt noch für knapp durchschnittliche bis leicht unterdurchschnittliche Erträge reichen.

Mais profitiert vom Regen

Während der Starkregen die Getreideanbauer bei der Ernte zurückgeworfen hat, ist den Maisproduzenten die Entwicklung gerade recht. Laut Darstellung des Deutschen Maiskomitees (DMK) kamen die Niederschläge im Juli in vielen Regionen nahezu pünktlich zur Blüte und damit genau zur richtigen Zeit. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sehe damit die Basis für gute Erträge gelegt. Sofern Sturm, Hagel oder heftige Regenfälle dem Mais in den kommenden Wochen nicht zu sehr zusetzten, könnten die Anbauer auf eine gute Ernte hoffen.

Auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen schätze die Entwicklung positiv ein, so das Maiskomitee. Derzeit spreche in dem Bundesland alles für eine gute Kolbenausbildung. Auch in Bayern sei die Entwicklung der Maisbestände bis zur derzeitigen Endphase der Blüte durchaus zufriedenstellend verlaufen, berichtete das DMK. Die Wasserversorgung in Südbayern sei gut, in Nordbayern hingegen etwas knapp. In Mecklenburg-Vorpommern hätten die dortigen Experten hingegen mehr Wasser als nötig registriert.


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