19.09.2014 09:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Werner Hengartner
Weide
Das Gras sollte fausthoch in den Winter gehen
Dichte, grüne Wiesen im Frühjahr sind kein Zufall. Mit den richtigen Massnahmen im Herbst kann dieses Ziel erreicht werden.

Um im kommenden Jahr bereits im ersten Aufwuchs einen hohen Ertrag und gute Qualität zu ernten, müssen im Herbst die richtigen Massnahmen in der Pflege und der Bestandesführung ergriffen werden. Auch der Düngung soll im Herbst die nötige Beachtung geschenkt werden. Das Beweiden von Wiesen ist im Herbst aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Aber auch dabei sollten wichtige Aspekte nicht ausser Acht gelassen werden.

Den Bestand beurteilen

Eine Bestandesaufnahme und -beurteilung verhilft zu einem Überblick über den Zustand der einzelnen Parzellen. Lückige und auch verunkrautete Bestände sollten den Anstoss zu weiteren Überlegungen geben. Was sind die möglichen Ursachen? Gerade bei verunkrauteten Wiesen und Weiden sollte sich der Bewirtschafter Gedanken zu möglichen Bewirtschaftungsfehlern machen, bevor eine Sanierung in Betracht gezogen wird.

Vielfach stellt sich im Herbst auch die Frage, ob eine Wiese nochmals gemäht oder vor dem Einwintern überweidet werden soll. Mit dem Weiden kann das nachgewachsene Futter kostengünstig genutzt werden. Um Trittschäden zu vermeiden, sollten die Tiere nur bei trockenen Verhältnissen auf die Weide gehen. Dabei ist es von Vorteil, wenn die Kühe hungrig auf die Weide getrieben werden. Sie verursachen dann die geringsten Schäden.

Pflege vor dem Winter

Bleiben noch Futterreste zurück, kann die Weide unmittelbar nach der Nutzung gemäht oder gemulcht werden. Fallen dabei grössere Mengen an, so ist das Schnittgut abzuführen, damit nicht eine geschlossene Pflanzendecke zurückbleibt. Wird die Pflege zu spät gemacht, führt dies zu einem verzögerten Wiederaustrieb im Frühjahr. Der Säuberungsschnitt sollte mit einer Schnitthöhe von ca. 8cm gemacht werden.

Gehen die Bestände zu hoch in den Winter, besteht die Gefahr, dass die Wühlmäuse während des Winters grossen Schaden anrichten oder die Gräser, insbesondere das Italienische Raygras, auswintern. Schneeschimmel kann im Frühjahr mit einer Wiesenegge oder dem Striegel gut entfernt werden.

Wird die Wiese im Herbst nochmals gemäht (Eingrasen oder Silage),  ist ein zu tiefer Schnitt zu vermeiden. Neben der Verschmutzung des Futters ist vor allem auch der Wiederaustrieb im Frühjahr verzögert. Dies gilt auch bei einer zu starken Überweidung im Herbst. Mit einer Grashöhe von etwa 10cm (fausthoch) sollte der Bestand in den Winter gehen. Damit werden die Gräser und der Klee fit für den Winter. Erfrorene und ausgewinterte Bestände können so vermieden werden.

Die letzte Düngung

Gerade in den vergangenen Wochen musste unter ungünstigen Bedingungen täglich Gras in den Stall geholt werden, oder es wurde Gras in Ballen siliert. Ein zu tiefer TS-Gehalt in der Silage führt zu Gärsaft- und Fehlgärungsverlusten. Dieses Futter sollte bereits noch in diesem Jahr verfüttert werden.

Werden kurz vor Vegetationsende noch Hofdünger ausgebracht, so sind auf Wiesen und Weiden wenig Nährstoffverluste zu erwarten. Wichtig dabei ist, dass die Menge an Gülle durch die Pflanzen aufgenommen wird. Das heisst, keine Gülle in gesättigte Böden ausbringen und die Güllemenge auf ca. 20m3 je Hektare beschränken, damit eine oberflächliche Abschwemmung verhindert werden kann. 

Walzen im Herbst

Im Herbst die Wiesen zu walzen, macht nur dann Sinn, wenn der Boden sehr locker ist (Mähwiese) oder bereits ein grosser Befall mit Wühlmäusen festgestellt wurde. Das Zurückdrängen der Mäuse kann auch durch das Beweiden im Herbst erreicht werden, wenn der Boden trocken ist.

Wiesen und Weiden sollten nur bei leicht feuchtem Boden gewalzt werden. Vor allem schwere Böden reagieren empfindlicher auf eine Bodenverdichtung. Die Glattwalze sollte pro Laufmeter ein Gewicht von 1000 bis 2000kg erreichen (Druck von 1 kp/cm2). Die Fahrgeschwindigkeit darf 4km/h nicht überschreiten, damit die Wirkung der Walze nicht abnimmt.

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