28.08.2018 06:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Basel-Land
Dürre kann Pflanze nichts anhaben
Sorghum trotzt nicht nur der Trockenheit, es wird auch von den Wildschweinen verschmäht. Trotzdem ist es eine Nischenkultur.

Eigentlich kultiviert Landwirt Werner Stohler aus Titterten BL die Pflanze, die auch Mohrenhirse oder Sudangras heisst, nicht wegen der Trockenheit. Wer hätte auch erwarten sollen, dass ein derart dürrer Sommer über das Land zöge. Trocken, das schon, aber gleich so? 

Grosser Schaden wegen Wildschweinen

Nun hat Werner Stohler, Mutterkuhhalter, Ackerbauer und Obstproduzent auf dem Hof Kastelen in Titterten BL, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das Sorghum, wie das Getreide eigentlich heisst, trotzt der Trockenheit nämlich vorzüglich: Seit er es Mitte Juni aussäte, fiel kaum Regen, trotzdem gedeiht es wie gewünscht. Schliesslich stammt es aus Afrika, ist in gewissen Regionen sogar Kalorienlieferant Nummer 1, doch dazu später.

Der Grund, weshalb der Landwirt die Hirseart 2017 erstmals und in diesem Jahr bereits auf zweieinhalb Hektaren säte, liegt nicht im Mangel an Regen, sondern im Appetit von Wildschweinen und Dachsen. Die sind in der Region ziemlich zahlreich – und lieben Mais. Diesen baute Werner Stohler für sein Vieh an, wie das viele Bauern tun. Doch damit ist nun Schluss.

Viel Biomasse mit wenig Energiegehalt


Ob Wildschwein oder Dachs, beide trachten insbesondere nach den Maiskolben. Den Schaden, den sie bei ihren Raubzügen anrichten, ist immens. Und Werner Stohler, auch wenn er vom Kanton entschädigt wird, ist kein Mann, der die Faust im Sack macht. Also recherchierte er – und stiess auf Sorghum, die Hirseart, die ursprünglich aus dem heutigen Äthiopien stammt. Genau dort, im Afrika der Subsahara-Zone, ist es das wichtigste Nahrungsmittel überhaupt. Weltweit betrachtet liegt die Sorghum-Hirse hinter Mais, Weizen, Reis und Gerste auf Platz 5 der meistangebauten Getreide.

Doch hier geht es um Sorghum für die Tiermast, schliesslich wird in der Schweiz – allenfalls abgesehen von Kleinstmengen – keine Sorte für die Nahrungsmittelproduktion angebaut. Sorghum bildet keinen Kolben, die Stärke wird in der Rispe gespeichert. Und sie gedeiht je nach Sorte und Lage bis zu fünf Metern über dem Boden. Das führt zu hohen Erträgen, das Potenzial liegt bei rund 17 bis 23 Tonnen Trockenmasse pro Hektare. Der Anteil an Rohfasern ist derweil deutlich höher als beim Mais, der Energiegehalt hingegen beträgt lediglich einen Bruchteil dessen, was im Mais an Stärke heranwächst. Kurzum: viel Biomasse mit wenig Energiegehalt für die extensive Haltung. Ausserdem macht der tiefe Wasserbedarf Sorghum  interessant für Mitteleuropa, wo die Sommer mutmasslich heisser und trockener werden. Nicht nur als Futtermittel, sondern auch für die Bioenergieproduktion.

Keine Alternative für Mais

«Mit diesen Eigenschaften ist Sorghum vor allem für Betriebe mit Mutterkühen interessant», bestätigt Tobias Streckeisen, schränkt aber ein, «allerdings muss klar gesagt werden: Sorghum darf nicht als Alternative für Silomais angesehen werden.» Streckeisen ist Berater beim Pflanzenzüchtungsunternehmen KWS, das seit 2005 Sorghum-Arten züchtet, die dem mitteleuropäischen Klima gewachsen sind – mit Erhöhung von Kühle- und Krankheitstoleranz und Standfestigkeit. 

Fragt man ihn nach dem Potenzial, wird die Pflanze eine Nischenkultur bleiben. «Aber die Anbaufläche hat stark zugenommen.» Wenn auch auf tiefem Niveau: Lag diese 2013 bei etwa 200 Hektaren, sind es 2018 rund 400 Hektaren. Schweizweit.

Tiefere Futterqualität

In Baselland sind es gemäss Landwirtschaftlichem Zentrum Ebenrain LZE sieben Betriebe, die Sorghum auf einer Fläche von 7 Hektaren anbauen. Mais hingegen gedeiht auf 1400 Hektaren. Einzelne Bauern starteten vor Jahren Versuche mit der Hirseart, stellten diese allerdings wegen der tieferen Futterqualität wieder ein. «Wir geben den Landwirten keine Empfehlung zu Sorghum ab», sagt Pascal Simon, Leiter Produktion, Markt und Direktzahlungen am LZE. Auch der Bauernverband beider Basel hält sich diesbezüglich zurück.

Werner Stohler hat die afrikanische Hirse derweil überzeugt. Denn die Wildschweine lassen seine Kulturen in Ruhe – und die Dachse auch. Da lässt den Landwirt sogar der Dachsbau kalt, der direkt neben einem seiner Felder liegt. Und seine Rinder hätten am Sorghum, das den Mais in ihrem Futter ersetzt, auch nichts auszusetzen.

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