31.07.2018 18:23
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Trockenheit
Dürre: Ritter befürchtet Katastrophe
Die Trockenheit setzt den Kulturen massiv zu. Felder trocknen aus, Gras und Mais wachsen nicht mehr. Bauernpräsident Markus Ritter warnt vor einer Katastrophe. In den Tagen zuvor äusserte sich der Verband unglücklich.

Seit Monaten hat es in den meisten Landesteilen ausserordentlich wenig geregnet. Das massive Niederschlagsdefizit führt besonders in der Ostschweiz zu erheblichen Schäden an den Kulturen. Diese wachsen nicht mehr oder verdorren. Den Bauern drohen massive finanzielle Ausfälle. Zudem müssen sie für ihr Vieh Futter zukaufen oder Tiere schlachten. 

Mit jedem weiteren heissen und niederschlagsfreien Tag verschlimmert sich die Situation. Und auch andere Regionen wie Schaffhausen, Zürich, die Innerschweiz oder das Mittelland sind immer mehr von der Trockenheit betroffen. 

Futterertrag bleibt aus


Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, macht sich grosse Sorgen, wie er in einem Interview mit Radio SRF sagt: «An schönem Wetter haben wir grundsätzlich Freude. Die extreme Trockenheit ist das Problem. Das wächst jetzt nicht nur zu einer schwierigen Situation heran, sondern könnte zu einer Katastrophe werden.» 

Ritter selbst bauert in Altstätten SG im Rheintal. Diese Region ist besonders hart betroffen. Auf Flächen am Berg wachse kein Futter mehr. Überall, wo es steil sei, seien die Freiflächen braun, sagt der Biobauer. Er erwarte dort in den kommenden Wochen keinen Futterertrag mehr. 

Mais und Kartoffeln

Weil es auch über das Wochenende praktisch regenfrei geblieben ist, dürften die Schäden wegen der Hitze und dem Wind rasch zunehmen.  «Auf den Naturwiesen und den Kunstwiesen wird nichts mehr wachsen», warnt Ritter. Doch nicht nur das Gras, sondern auch der Mais leidet massiv. Auf sandigen Böden würde dieser zu dorren beginnen, fährt er fort. Und die Kartoffeln würden wegen der Hitze und Trockenheit die nächste Generation bilden.

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Aufgrund sinkender Pegelstände ist bei kleinen und mittleren Gewässern die Wasserentnahme eingeschränkt oder gar verboten. «Das stellt gerade für die heiklen Spezialkulturen ein Risiko dar. Und dann steigen die Schäden sehr schnell an», sagt Markus Ritter zu Radio SRF.

Sind Ihre Felder von der Trockenheit auch betroffen? Welche Kulturen leiden am meisten? Senden Sie uns Ihre Bilder an bild@schweizerbauer.ch . Namen und Ort nicht vergessen

Unglückliche Kommunikation

Am Dienstag äusserte sich die Medienstelle des Schweizer Bauernverbandes unglücklich zur Situation wegen der Trockenheit. Zwar sei es im Osten des Landes sehr trocken. Aber alles in allem gebe es wenig Grund zur Klage: «Es sieht erstaunlich gut aus, weil wir bis April eigentlich genügend Wasser hatten. Das heisst, zum Beispiel die Heuernte oder auch die Silage im Frühling, das ist sehr gut ausgefallen. Deshalb sind wir jetzt noch nicht in der Not», sagte Sandra Helfenstein zu Radio SRF.

Die meisten Produzenten seien inzwischen gut gerüstet für die Trockenheit. «Das sind unterdessen Profi-Betriebe, die meisten auch ausgerüstet zum Bewässern. Das ist dann halt einfach ein Kostenfaktor, wenn die viel bewässern müssen», fuhr sie fort. Diese Aussagen brachte Bauern auf die Palme. Der Bauernverband und Sandra Helfenstein seien offenbar nicht gut informiert. Die Büros in Brugg seien halt klimatisiert, so der Tenor. Auch die Beiträge an den SBV wurden in Frage gestellt.

Helfenstein bedauert Aussage

Sandra Helfenstein bedauert auf Anfrage von schweizerbauer.ch die einseitige Darstellung im Bericht sehr und betont, im Radiobeitrag seien nicht alle ihre Aussagen wiedergegeben worden. So etwa diejenige, dass die Situation von Region zu Region ganz unterschiedlich sei. Und es sei zuwenig deutlich geworden, dass sie sich mit ihren Aussagen auf die aktuelle Situation und die Folgen bis zum heutigen Tag beziehe. 

Bereits am 20. Juli machten Bündner Bauern auf die schwierige Situation aufmerksam. Sie forderten eine Zollsenkung für Futtermittel, um die Kosten der Bauern in Grenzen zu halten. Von dieser Idee hielt der Bauernverband nicht viel. «Die Futterernte im Frühling war ausgezeichnet. Es ist nicht überall so trocken wie in der Südostschweiz», sagte Sanda Helfenstein damals. Eine Zollsenkung auf Futtermitteln sei kein Thema, erklärte sie gegenüber der Zeitung «Südostschweiz».

«Frau Helfenstein sollte sich mal vor Ort ein Bild von der prekären Situation machen, bevor sie solche Kommentare von sich gibt», kommentierte ein User auf schweizerbauer.ch die Aussage der Mediensprecherin.

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