Sonntag, 25. September 2022
25.05.2012 10:07
Futterbau

Erster Rotklee für die Weidenutzung gezüchtet

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Von: Gisela Bührer, LID

Pastor ist die erste Rotkleesorte speziell für die Beweidung. Das Potenzial ist insbesondere in trockenen Gebieten gross. Anbauversuche zur Trockenheits-resistenz von Pastor gibt es allerdings noch nicht.

Die neue Sorte Pastor ist die einzige für Weiden geeignete Rotkleesorte. «Die Pflanzenzüchter wollten eine Kleeart für Weiden schaffen, die gewisse Nachteile von Weissklee kompensieren kann. Weissklee neigt unter gewissen Bedingungen dazu, den Weidebestand übermässig zu dominieren, besonders bei reduzierter Stickstoffdüngung», so Beat Boller, Forschungsgruppenleiter Futterpflanzenzüchtung der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART).

Potenzial ist vorhanden

Boller sieht den zukünftigen Einsatz der neuen Rotklee-Sorte auf Kunstwiesen, die beweidet werden sollen, was in der Schweiz rund 67’000 Hektaren entsprechen würde. Auch bei Naturwiesen, bei denen allenfalls eine Übersaat gemacht wird, beispielsweise nach Mäuse- oder Auswinterungsschäden, gibt es ein gewisses Potenzial. Pro Jahr seien dies etwa 4000 Hektaren. Hier läge bestimmt auch ein Potenzial für die Nutzung von Pastor, ist Boller überzeugt.

Öfter Trockenheit

Der Leiter Acker- und Futterbau des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg (BBZ), Hermann Brenner, sieht gerade bei vermehrter Trockenheit Einsatzmöglichkeiten: «Ich habe den Eindruck, dass es im Vergleich zu früher immer mehr Phasen gibt, während denen über längere Zeit kaum Niederschläge fallen, bzw. zu anderen Zeiten hohe Niederschlagsmengen in kurzer Zeit auftreten. Daher werden die Phasen, während denen die Pflanzen ohne Wasser auskommen müssen, zunehmend länger. Somit wäre Pastor für fast alle landwirtschaftlich genutzten Weideflächen interessant.»

Pfahlwurzel hat Vorteile

Der Rotklee könne dank seiner Pfahlwurzel aus tiefen Bodenschichten Wasser holen und sei deshalb gegenüber Trockenheit toleranter als Weissklee, sagt Daniel Nyfeler, Futterbauberater des BBZ. Dies sei aber eine Arteigenschaft von Rotklee und nicht eine spezifische Sorteneigenschaft von Pastor. Spezielle Anbauversuche zur Trockenheitsresistenz von Pastor wurden bisher noch nicht durchgeführt.

Weil konventioneller Rotklee wesentlich höher wächst als die für die Weide wichtigen Untergräser wie Englisches Raygras und Wiesenrispengras, kann konventioneller Rotklee das Aufkommen dieser für Trittfestigkeit und Narbendichte wichtigen Gräser behindern. Mit herkömmlichen Rotkleesorten kann ausserdem kein stabiler Kleeanteil im Weidebestand erreicht werden, denn Rotklee leidet unter Tritt und tiefem Verbiss und kann sich deshalb nicht so gut regenerieren.

Mehr Triebe pro Pflanze

Anders beim Pastor: Die neue Rotkleesorte erreicht höhere Bestandesanteile, es überleben mehr Pflanzen, und sie bilden mindestens doppelt so viele Triebe pro Pflanze und pro Flächeneinheit wie etwa der Rotklee Milvus.

Im Vergleich zum herkömmlichen Mattenklee weist Pastor niedrigeren, flacheren Wuchs und kleinere Blätter auf. Die neue Rotkleesorte hat deshalb aufgrund ihrer speziellen pflanzenbaulichen Vorteile das Potenzial, in geeigneten Mischungen für mindestens drei Nutzungsjahre die Rolle des Weissklees als Weideleguminose zu übernehmen. 

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