30.07.2018 18:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Trockenheit
Für SBV ist Wetter noch positiv
Am Montagmittag machte Radio SRF 1 in der Sendung Rendezvous einen Beitrag zu den Folgen der anhaltenden Trockenheit in der Schweiz. Der Schweizer Bauernverband (SBV) sagte dabei, es sehe erstaunlich gut aus. Das ärgert einige betroffene Bäuerinnen und Bauern. Der SBV betont, er habe sich auf die heutige Situation bezogen. Wenn nicht bald Regen komme, würden die Probleme gross.

Die Radio-Sendung «Rendezvous» sammelte am Montagmittag offenbar positive Nachrichten zur Trockenheit. Das war der Rahmen für den Beitrag, in dem SBV-Mediensprecherin Sandra Helfenstein erinnerte an die gute Heuernte und Silage im Frühling erinnerte (vgl. Wortlaut unten). Sie betonte auch, dass Obst und Gemüse heuer von hervorragender Qualität seien. Deshalb sei man noch nicht in der Not, wenn man abwäge, sei man noch im positiven Bereich. Helfenstein sagte aber auch, die Trockenheit stelle einige Bauern vor grosse Probleme. 

«Wird der Situation nicht gerecht» 

Trotzdem ist SBV-Sprecherin Helfenstein auf der Plattform Facebook in einen «Shitstorm» geraten. Mehrere User zeigten sich entrüstet. Frau Helfenstein sei offenbar nicht gut informiert, die Büros in Brugg seien halt klimatisiert und die Beiträge an den SBV wurden in Frage gestellt. Eine von ihnen ist Helene Keller-Giovanon, Bäuerin aus Hausen bei Ossingen ZH. Auf Anfrage sagt sie zu schweizerbauer.ch, der SBV habe die Situation da zu harmlos dargestellt, da fühle man sich nicht ernst genommen. 

«Wir im Zürcher Weinland sind uns grundsätzlich an Trockenheit gewöhnt. Die Gewitter ziehen oft an uns vorbei. Aber jetzt ist es wirklich nicht mehr schön», so Keller. Die Mutterkühe seien im Stall. Jetzt müssten sie für deren Fütterung an die Wintervorräte gehen. Dabei hätten sie auch Galloway-Tiere in ihrer Herde, die ja für ihre Anspruchslosigkeit beim Futter bekannt seien. Keller betont, in Hausen ZH sei es schon im Frühling trocken gewesen. Sie unterstreicht die Dringlichkeit der Lage mit dem Hinweis, es habe am Samstag nur 1.5 mm geregnet. Und nach einem trockenen Juni habe es im Juli wie folgt Niederschlag gegeben: 3. Juli 12mm; 6. Juli 15 mm; 22. Juli 6 mm, 28. Juli 1.5 mm. 

Grünland bewässern? 

Sie und ihr Mann Heini hätten nun auch schon überlegt, die Wiesen zu bewässern. Das müsste man dann auch ein paar Wochen durchhalten können. Das sei aufwändig und koste. Ihnen nütze es auch nichts, wenn man nun notfallmässig Ökoflächen abweiden dürfe. Sie hätten diese Mitte Juni gemäht, seither sei fast nichts gewachsen. Was den Ackerbau betreffe, so würden die Zuckerrüben langsam, aber sicher «knusprig». Nur für die Bewässerung der Kartoffeln seien sie auf ihrem Betrieb eingerichtet. Sie hätten die Lizenz zur Wasserentnahme aus der Thur, aber das werde jetzt auch schwierig.

Kartoffeln würden sie seit ein paar Jahren aus Risiko-Überlegungen nur noch dort anbauen, wo sie bewässern könnten, sagt Keller. Die Familie Keller-Giovanon pflegt auch 2 Hektaren Reben. Helene Keller sagt, da mache es viel aus, wie alt die Reben seien und wo sie genau stünden. Sie hätten keine ganz jungen Bestände. Aber auch hier: «Teilweise werden die Blätter der Reben schon jetzt gelb, und unsere Rieslingreben sind sichtbar gestresst.» Für Keller ist auch wichtig zu sagen, dass für andere Bauernbetriebe in der Ostschweiz die Situation noch aussergewöhnlicher und noch schwieriger sei. 

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«Probleme werden gross, wenn Regen weiter ausbleibt»  

Was sagt Helfenstein zur Kritik? Sie bedauert die einseitige Darstellung im Bericht sehr und betont auf Anfrage, im Radiobeitrag seien nicht alle ihre Aussagen wiedergegeben worden. So etwa diejenige, dass die Situation von Region zu Region ganz unterschiedlich sei. Und es sei zuwenig deutlich geworden, dass sie sich mit ihren Aussagen auf die aktuelle Situation und die Folgen bis zum heutigen Tag beziehe. 

Wenn es aber in den nächsten Tagen so trocken bleibe, wie es die Prognosen befürchten liessen, dann kämen die richtigen Probleme erst noch. «Dann werden diese gross», hält sie fest. Helfenstein zählt auf: Das Futter werde knapp, der Mais und Zuckerrüben verdorren, das nicht bewässerte Obst falle ab, auf den Alpen fehle es an Wasser und Futter und speziell in der Ostschweiz wo das Bewässern nicht mehr möglich sei, gehe es den Betrieben ans Lebendige. Das Radio mache am Dienstag einen Ergänzungsbeitrag, in dem dieser Blick nach Vorne und der weiter gemeldeten anhaltenden Hitze und Trockenheit im Vordergrund stehe. 

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Nicht ins Jammeri-Klischee fallen

Bekannt ist auch, dass der Schweizer Bauernverband eher dazu neigt, Probleme nicht zu vergrössern. Denn in der Schweizer Öffentlichkeit werden die Bauern nur allzu rasch als Jammeri bezeichnet. Viele Medienleute kolportieren gerne das Bild des jammernden Bauern – ein Dreh, der etwa bei Anliegen der Gewerkschaften selten vorkommt. Eine Episode im letzten «Donnschtigsjass» von Fernsehen SRF 1 war dafür typisch. 

Moderator Roman Kilchsperger hatte den Telefonjasser Ignaz Plaz, Landwirt in Savognin GR, am Apparat und sagte ihm, er habe wohl Sorgen wegen der Trockenheit. Plaz antworte: «Ja, gut, das nehmen wir, wie es ist. Das können wir nicht ändern.» Kilchsperger sagte darauf: «Aber so reden nicht alle deine Berufskollegen, muss ich sagen. Haha. Das ist lobenswert.» Vermutlich hatte Kilchsperger ein Gejammer erwartet.

Beitrag von Max Ackermann in der Sendung Rendezvous auf Radio SRF 1 vom Montag, 30. Juli 2018: 

In der Ostschweiz ist in den letzten Monaten so wenig Regen gefallen wie seit 150 Jahren nie mehr. Das stellt einige Bauern vor grosse Probleme, sagt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband. Aber alles in allem gebe es wenig Grund zur Klage: «Es sieht erstaunlich gut aus, weil wir bis April eigentlich genügend Wasser hatten. Das heisst, zum Beispiel die Heuernte oder auch die Silage im Frühling, das ist sehr gut ausgefallen. Deshalb sind wir jetzt noch nicht in der Not.» Unterdurchschnittlich könnte die Kartoffelernte ausfallen. Auch Gemüse und Obst sind heikle Kulturen. Aber die meisten Produzenten seien inzwischen gut gerüstet. «Das sind unterdessen Profi-Betriebe, die meisten auch ausgerüstet zum Bewässern. Das ist dann halt einfach ein Kostenfaktor, wenn die viel bewässern müssen.» Etwas weniger und teureres Obst und Gemüse gebe es wohl dieses Jahr, dafür aber qualitativ hervorragendes, auch weil Schädlinge den Kulturen weniger zusetzten als in den anderen Jahren. Falls es noch lange trocken bleibt, könnte es allerdings knapp werden mit dem Futter für Kühe. Möglicherweise müssten einzelne Sennen die Alpsaison frühzeitig abbrechen und Talbauern Futter zukaufen, sagt Bauernverbandssprecherin Helfenstein. Aber unter dem Strich sehe es gut aus. «Wenn man das ein bisschen abwägt, sind wir eher im positiven Bereich.»

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