Sonntag, 25. September 2022
19.04.2022 14:46
Futterbau

Gras bienenfreundlich aufbereiten

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Von: blu

Bald geht die Futterbau-Saison wieder los. Da kann für die Bienen zu einer Gefahr werden. Mehrere Organisationen haben deshalb das Projekt «Schlaumähen» lanciert. So lasse sich die Futterqualität verbessern sowie Insekten und andere Tiere schützen.

Das milde Wetter lässt das Gras wachsen. Bald sind Mähwerke auf Wiesen und Weiden unterwegs.

Tödliche Gefahr

Zahlreiche Bauern setzen dabei Mähaufbereiter ein, da so auch kurze Wetterfenster genutzt werden können. Mit einem Aufbereiter verkürzt sich die Trocknungszeit und Nährstoffverluste verringern.

Doch die Maschine können zu einer tödlichen Gefahr für Insekten und Kleintiere werden. Gemäss einer Mitteilung des Schweizer Bauernverbandes (SBV) sterben im Vergleich zum Mähen ohne Aufbereiter rund doppelt so viele Heuschrecken und in einem blühenden Bestand bis zu sieben Mal mehr Bienen.

Ab den 1960er Jahre taucht der Mähaufbereiter in der Landwirtschaft auf – aber erst ab den 1990er Jahren kommt er vermehrt zum Einsatz. Die Gründe dafür sind grösser werdende Betriebe sowie Grössen und Typen der Mähwerke. In den 2000er Jahren arbeiten in der Schweiz rund zwei Drittel der Betriebe, die ein Rotationsmähwerk einsetzen, mit einem Aufbereiter. -> Alles zum Aufbereiter

«Schlau mähen»

Doch die Bienen und andere Insekten sind für die Landwirtschaft unerlässlich. Sie erledigen essentielle Arbeiten. So bestäuben viele pflanzliche Kulturen und sind damit mitentscheidend für die Erträge.

Deshalb lanciert der SBV zusammen mit IP-Suisse, dem Schweizerischen Verband für Landtechnik, Apisuisse, der Schweizerischen Vogelwarte und Agridea das Sensibilisierungsprojekt «Schlaumähen». Im Futterbau seien klee- oder andere blütenreiche Wiesen nicht nur eine gute Grundlage für die Ernährung der Nutztiere, sondern auch Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche Wildtiere. «Diesen gilt es auch beim Mähen Sorge zu tragen», schreibt der SBV.

Mähen ist für die Erhaltung der Wiese als Lebensraum wichtig. Das Schneiden des Bestandes regt die Pflanzen zum erneuten Austreiben an und bringt Licht in die unteren Schichten. Trotz der zahlreichen Vorteilen stellt das Mähen einen gravierenden Eingriff für die Tiere, die in der Wiese leben dar: das Mikroklima verändert sich durch das Verschwinden von Schutzmöglichkeiten und Futterpflanzen auf einen Schlag.

Doch mit ein wenig Rücksichtnahme und der Berücksichtigung einiger Empfehlungen, können die negativen Auswirkungen auf die Tiere wesentlich verringert werden. -> Hier gibt es mehr dazu

Das Projekt hat zum Ziel, die Mähtechnik und den Einsatz des Mähaufbereiters zu optimieren, um so die Artenvielfalt auf Produktionsflächen zu fördern. Im Fokus steht die Frage, wann der Einsatz des Aufbereiters sinnvoll ist und wann nicht. Dabei sollen dessen agronomischen Vorteile genutzt werden. Das Projekt «Schlaumähen» sensibilisiert gegenüber Gefahren für Insekten und Kleintiere und gibt Empfehlungen für ein tierschonendes Mähen. Das Projekt stellt auch technische Alternativen wie moderne Doppelmessermähwerke vor.

Wann Aufbereiter einsetzen?

Geeignet:
in ertragsreichen Futterflächen, da die Vorteile einer verkürzten Trocknungszeit und verbesserten Siliereigenschaften ausgeschöpft werden können. Wichtig: Den Aufbereiter während der Blüte (z. B. von Weissklee oder Löwenzahn) nur bei geringer Bienenaktivität (weniger als 1 Biene pro 2 Quadratmeter) einsetzen.

Nicht geeignet:
– BFF, da mit jenen die Biodiversität gefördert wird und sich die Flächen zu einer Tierfalle entwickeln könnten, falls der Aufbereiter eingesetzt wird
– Wiesen, die an BFF angrenzen

Wenig geeignet:
– Dauerwiesenflächen mit geringen bis mittleren Erträgen
– auf Flächen, die zur Verschmutzung des Futters neigen, beispielsweise durch Maulwurfshügel oder Mäusehaufen
– in steilen Lagen, unter anderem aufgrund der eingeschränkten Hangtauglichkeit

Pflanzenbestand
dichte Bestände → mit Aufbereiter
nicht-blühende Bestände → mit Aufbereiter
blühende Bestände → ohne Aufbereiter
artenreiche Wiesen → ohne Aufbereiter
Biodiversitätsförderflächen (BFF) → ohne Aufbereiter

Witterung
kurze Schönwetterperioden → mit Aufbereiter
lange Schönwetterperioden → ohne Aufbereiter
zu feuchte Bedingungen → ohne Aufbereite

Zeitpunkt
vor 7 Uhr morgens und nach 18 Uhr abends → mit Aufbereiter
weniger als 1 Biene pro  2 Quadratmeter → mit Aufbereiter
tagsüber → ohne Aufbereiter

 Auf der Website schlaumaehen.ch gibt es viele Informationen.

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