23.06.2016 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Futterernte
Gras soll vor dem Mähen Sonne tanken
Erste Analysen der Grassilage des ersten Schnittes zeigen unterschiedliche Qualitäten. Nun wartet der zweite Schnitt.

Endlich kann die Raufutterernte weitergehen. Seit letztmals siliert und geheut werden konnte, ist viel Zeit vergangen. Bei der UFA liegen mittlerweile erste Analysen der Grassilage des ersten Schnittes vor.

Keine klare Tendenz

«Die Qualität ist unterschiedlich», meint Hansueli Rüegsegger, bei der Futtermittelfirma fürs Milchvieh zuständig, dazu. «Die sehr frühen Schnitte, die um den 24. April eingepackt wurden, haben wenig Zucker, da damals die Sonne fehlte.» Die Grassilage, die an oder kurz nach Auffahrt gemäht wurde, weist laut Rüegsegger eine gute Qualität auf: «In tieferen Lagen war dies ein geeignetes Zeitfenster zum Silieren, da Qualität und Ertrag in einem guten Verhältnis standen.»

Der Zuckergehalt und entsprechend auch der Energiegehalt seien aber je nach Analyse sehr unterschiedlich, es lasse sich noch keine klare Tendenz feststellen, so Rüegsegger. «Positiv zeichnet sich aber ab, dass die Verdaulichkeiten der organischen Substanz und der Zellwandbestandteile tendenziell auf einem relativ hohen Niveau sind.»

Gärung braucht Zucker

Die Qualiät im Silo lässt sich nicht mehr beeinflussen – wohl aber jene der anstehenden Ernte. Trotz Zeitdruck sollte das Gras nach einigen Sonnenstunden geschnitten werden. Dadurch erhöht sich anteilsmässig der Zuckergehalt im Siliergut – er sollte bei mindestens 6 Prozent in der Trockenmasse liegen.

Nässeschäden

Wird das Gras zu nass eingepackt, bildet sich Sickersaft. Dieser beinhaltet etwa 30 bis 40 Prozent Zucker, der eigentlich den Bakterien als Futter zur Verfügung stehen sollte. Ohne Zucker sinkt der pH-Wert weniger tief ab, das Futter wird instabiler. sum

Auch durch Anwelken auf 30 bis 40 Prozent TS  wird der Zuckergehalt angehoben. Enthält das Futter zu wenig Zucker, verhungern die Milchsäurebakterien, bevor das Gras genügend angesäuert wurde.

Bogen um Mäusehaufen

Wenn der Boden und/oder das Gras nass sind, verschmutzt das Futter deutlich schneller. Es lohnt sich, Parzellen mit Mäusehaufen stehen zu lassen und jene zu mähen, bei denen das sauber möglich ist. Bei Stoppellängen über 6cm wird das Futter bei der Bearbeitung zudem weniger verschmutzt als bei einem Rasierschnitt.

Handarbeit

Um den TS-Gehalt des Grases auf dem Feld schnell und präzise zu bestimmen, nimmt man mit beiden Händen eine Futterprobe und wringt sie ohne Nachzufassen einmal kräftig. Die Hände sollten noch feucht sein. Sind die Hände nass oder tritt Saft zwischen den Fingern aus, befindet sich der TS-Gehalt unter 30%. Bei trockenen Händen hat die Silage über 45% TS. sum

Zu viel Dreck im Futter äussert sich in einem hohen Rohaschegehalt. Dieser hat viele negative Einflüsse, nicht nur auf den Gärverlauf, sondern auch auf den TS-Verzehr oder auf die Passagerate des Futters. Über den Dreck werden schädliche Mikroorganismen ins Silo gebracht. Statt zur gewünschten Milchsäuregärung kommt es vermehrt zur Bildung von  Buttersäure oder Essigsäure. Es geht Energie verloren. Die Silage verliert massiv an Wert.

Säuren beugen vor

Gegensteuer geben kann man zumindest teilweise durch den Einsatz von Siliermitteln, konkret von Säuren. Sie töten Gärschädlinge ab und sorgen so dafür, dass keine Nachgärungen auftreten. Sie wirken direkt und dadurch in der Regel sicherer als biologische Mittel. Vorbeugend gegen Nachgärungen werden die heterofermentativen Milchsäurebakterien eingesetzt. Sie bilden neben Milchsäure auch einen Anteil Essigsäure – der Anteil der speziell selektierten Stämme liegt höher als bei natürlich vorkommenden Milchsäurebakterien, die ebenfalls geringe Mengen Essigsäure produzieren.

Homofermentative Milchsäurebakterien hingegen bauen den Zucker in erster Linie zu Milchsäure ab. Sie werden zur Förderung der Milchsäuregärung eingesetzt und ermöglichen Silagen mit einer guten Qualität, die aber oft anfälliger sind auf Nachgärungen. Damit sie wirken können, muss das Futter nährstoffreich und im besten Alter sein.

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