19.10.2013 06:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Gülle
Gülle im Herbst sinnvoll einsetzen
Solange das Gras wächst sind kleine Güllegaben auf Grünland möglich. Werden zu grosse Mengen ausgebracht, hat dies allerdings negative Folgen auf den Grasbestand. Dieser sollte nicht zu hoch in den Winter gehen.

Der Schnee von letzter Woche bis auf 800 m.ü.M. hat uns deutlich gezeigt: Der Winter naht. «Die Wiesen haben aber durch den kurzen, frühen Schneefall keinen Schaden genommen», sagt Ernst Flückiger, Futterbauberater am Inforama Emmental. Auf die Nutzung habe dies keinen Einfluss gehabt. Trotzdem ist es nun an der Zeit, sich Gedanken über die Wieseneinwinterung und allenfalls letzte Güllegaben zu machen.

Für Ackerkulturen zu spät

«Die Güllegruben sollten jetzt weitgehend leer sein», sagt Christoph Ziltener vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg AG. Wenn der Boden nicht wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist, seien jedoch noch vernünftige Güllengaben auf Wiesland bis Anfang November zu verantworten. Konkret heisst das Gaben von maximal 20 bis 25 m3 pro Hektar, 1:1 verdünnt.

Im Ackerbau ist jeglicher Gülleeinsatz nach Ende September nicht mehr sinnvoll. Davor kann die Gülle im Raps am effizientesten eingesetzt werden. Frisch gesätes Getreide nimmt im Herbst zu wenig Stickstoff auf und bedeckt den Boden für eine Güllegabe ungenügend. Die Wurzeln können nicht alle Nährstoffe aufnehmen, die Gefahr der Auswaschung besteht. «Ebenfalls zu spät ist es nun für eine Güllengabe in Gründüngungen oder Zwischenfutter», meint Ziltener.  Deren Wurzelwerk sei ebenfalls noch zu wenig entwickelt.

Solange das Gras wächst

Somit bleibt als einzige Möglichkeit, Gülle im Herbst sinnvoll einzusetzen, das Wiesland. Natur- und Kunstwiesen, welche mindestens im ersten Hauptnutzungsjahr stehen, haben ein dichtes Wurzelwerk. Dieses ist in der Lage, auch bei bereits etwas reduziertem Pflanzenwachstum noch Nährstoffe aufzunehmen. «Solange das Gras wächst, ist es möglich, Gülle auszubringen», erklärt Flückiger. Natürlich immer nach der altbekannten Regel: nur auf abgetrockneten, saugfähigen Boden.

Eine kleine Güllegabe nach dem letzten Schnitt oder Weidegang kann sogar die Winterfestigkeit der Wiesen verbessern. Die Bildung von Reserven und die Bestockung der Gräser werden gefördert. Diese Wiesen starten im Frühling schneller in die Vegetation.

Auf Grasland mit Mass

Güllegaben über 20 bis 25 m3/ha sind jedoch nicht sinnvoll. Gemäss Flückiger können sie negative Auswirkungen auf die Bestandeszusammensetzung haben: «Kräuter wie Hahnenfuss und Löwenzahn haben grosse Wurzeltänke und können mehr Nährstoffe speichern als die Gräser.» Dadurch hätten sie im Frühling einen Vorteil beim Austrieb, und die Bestände können verkrauten. Ebenfalls regt zu viel Gülle das Pflanzenwachstum zu stark an. Die Pflanzen werden kälteempfindlicher und der Bestand zu hoch.

Der Einsatz von Mist und Kompost erfolgt traditionellerweise in den Wintermonaten bis ins Frühjahr. Diese organischen Dünger weisen im Vergleich zur Gülle eine geringe Umweltgefährdung auf, besonders wenn sie auf bewachsene Flächen ausgebracht werden. 

Ideal sind 10 Zentimeter

Die Wiesenbestände sollten etwa fausthoch in den Winter gehen. Ist das Gras zu hoch, besteht die Gefahr, dass Auswinterungspilze (Fusarien und Typhula) die Pflanzen befallen. Ausserdem fühlen sich die Mäuse sehr wohl im hohen Gras. Parzellen mit dichten Mäusepopulationen werden im Idealfall im Herbst beweidet.

Zu kurze Bestände unter fünf bis sieben Zentimeter sollten ebenfalls vermieden werden. Sei es durch einen zu tiefen Schnitt oder eine Überweidung.

Die Horstgräser speichern ihre Nährstoffe in den Halmen, und wenn diese zu tief genutzt werden, werden die Pflanzen geschwächt. Der Wiederaustrieb im Frühling wird dadurch verzögert. Gleichzeitig werden Tiefwurzler wie Blacken, Kriechender Hahnenfuss und das Gemeine Rispengras gefördert. Ideal ist, wenn der Grasbestand nach der letzten Nutzung noch leicht nachwachsen kann.

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