7.10.2016 14:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Gülle
Gülle wird jetzt gut verwertet
Jetzt sollte man damit beginnen, die Güllelager zu leeren. Den aktuell grössten Bedarf an Hofdünger haben intensive Natur- und Kunstwiesen sowie Zwischenfutter. Zu viel Gülle kann aber negative Folgen haben.

Die letzten Wochen mit schönem Herbstwetter wurden genutzt, um Emd einzubringen oder zu silieren. «Damit bietet sich jetzt die ideale Gelegenheit, damit zu beginnen, die Güllelager zu leeren», rät Herbert Schmid, Futterbauberater am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) in Hohenrain LU.

Vorsicht auf Ackerflächen

«Die Böden sind trag- und aufnahmefähig, und die Gülle kann noch gut verwertet werden.» Den aktuell grössten Bedarf an Hofdünger haben intensive Natur- und Kunstwiesen sowie Zwischenfutter. Im Ackerbau kann Raps und herbstbestockendes Wintergetreide wie Gerste oder Triticale die Gülle gut verwerten. Wo Winterweizen nach Körnermais gesät wird, kann eine kleine Güllegabe die Verrottung des Maisstrohs fördern.

Grundsätzlich sollte man auf Ackerflächen und flachgründigen Böden nicht zu viel Gülle ausbringen, denn auf solchen Flächen besteht Auswaschungsgefahr. Zu hohe Güllegaben erhöhen zudem den Rohproteingehalt im Futter und den Harnstoffgehalt im Blut der Tiere. Diese seien im Herbst sowieso schon erhöht, erklärt Schmid. «Deshalb muss die Ration mit Rohfaser- und Energieträgern ausgeglichen werden.»

Kräuteranteil steuern  

Rohfaserarmes Futter kann blähend wirken – insbesondere dann, wenn das Gras nach einer Wachstumsdepression wieder schiesst. Die Anreicherung von Phosphor und Kalium auf Weiden – ein Risiko vor allem auf gülleintensiven Betrieben, die nur Grünflächen güllen – reduziert die Fruchtbarkeit und begünstigt das Auftreten von Weidetetanie. Auch hier gilt es, die Ration entsprechend auszugleichen.

Erhalten die Wiesen im späteren Herbst zu viel Stickstoff, besteht Auswinterungsgefahr. Gefährdet sind vor allem Raygräser. Zu hohe Güllegaben im Herbst können auch negative Auswirkungen auf die Bestandeszusammensetzung haben. Kräuter wie Hahnenfuss und Löwenzahn können sich auf Kosten der Gräser ausbreiten, da sie dank des grösseren Wurzelwerkes mehr Nährstoffe einlagern und beim Austrieb im Frühjahr entsprechend im Vorteil sind. Neu angelegte Kunstwiesen könnten verbrennen, wenn sie bei starker Sonneneinstrahlung zu viel und vor allem zu dicke Gülle erhalten.

1:1 mit Wasser verdünnen


Doch wie dick darf denn die Gülle sein? Schmid beruhigt, dass die Verdünnung im Herbst keine so grosse Rolle mehr spiele wie im Sommer. «Man sollte sowieso damit anfangen, den Wassereinlauf in die Güllegrube zu reduzieren. Wer im Sommer die Gülle 1:2 mit Wasser verdünnt, kann jetzt auf eine 1:1-Verdünnung zurückgehen.» Von einer 1:1 verdünnten Gülle bringt man 20m3/ha aus, von einer 1:2 verdünnten Gülle 30m3.

Schmid hat noch einige Tipps an Lager: «Grundsätzlich sollte man die Gülle gut verteilen, vor dem Güllen die Bodenproben berücksichtigen und allfällige Nährstoffüberschüsse beachten. Wenn man die Gülleplanung macht, kann man schon die Futterstaffelung im Frühjahr in die Wege leiten, indem man jene Flächen stärker güllt, die 2017 als erste genutzt werden.»

Übersaaten nicht oder nur sparsam güllen

Die verregnete erste Jahreshälfte und  die Mäuse haben laut Herbert Schmid vom BBZN Hohenrain LU auf den Wiesen und Weiden Spuren hinterlassen. «Die Grasnarbe vieler Bestände weist Lücken auf, welche ohne rechtzeitige Pflegemassnahmen rasch mit Gemeiner Rispe verfilzen. Eine   Übersaat verhindert das Aufkommen von Lückenfüllern und macht die Wiesen fit für das nächste Jahr.» Im Oktober sei meist genügend Feuchtigkeit für die Keimung der Samen vorhanden, und durch den Herbstweidegang würden Saatgut und Jungpflanzen sicheren Bodenkontakt und Licht erhalten, so der Futterbauberater.

Wenn gleichzeitig mit der Übersaat Filz ausgestriegelt werden soll, empfiehlt er als Übersaatgerät einen Sästriegel oder eine Säwalze mit einem vorlaufenden Striegel. «Noch wichtiger als die Saattechnik ist die Folgebewirtschaftung», warnt Schmid. «Zur Übersaat darf kein Stickstoff und keine oder nur stark verdünnte Gülle ausgebracht werden, damit die Lichtkonkurrenz durch die Altpflanzen nicht zu gross ist.» sum

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