7.05.2020 10:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/sum/blu
Futterbau
Kadaver in Heu sind Gefahr
Bei der Heuernte und der Gewinnung von Grassilage werden durch landwirtschaftliche Maschinen jedes Jahr zahlreiche Tiere getötet. Das liegt daran, dass sich der Beginn der Mähsaison mit den Setz- und Brutzeiten zahlreicher wildlebender Tiere überschneidet, wie der Schweizerische Tierschutz (STS) warnt.

Bodenbrütende Vögel, Junghasen, Rehkitze und auch Kleinsäuger würden regelmässig Opfer der Mähwerke. Der STS appelliert in einer Mitteilung vom Donnerstag an das Verantwortungsbewusstsein der Landwirte. Sie hätten die Gefahr ihrer Mähtechnik zu verantworten und seien daher in der Pflicht, aktiv Leid und Tod von Wildtieren zu vermeiden.

Von innen nach aussen mähen

Das scharfe Mähwerk zerfetze jedes Jahr rund 1700 Rehkitze und auch zahlreiche junge Feldhasen, die sich vor der herannahenden Gefahr ducken, und es zerschmettere die Gelege am Boden brütender Vogelarten wie Fasan oder Rebhuhn. Der vermehrte Einsatz grösserer und schnellerer Mähwerke verschärfe die Gefahr für das Jungwild.

Mit einfachen Methoden können gemäss Tierschutz Bauern den Wildtiere das Leben retten, beispielsweise mit der «Vergrämungsmethoden» (Aufhängen von Tüchern, Baustellen-Warnblinker, an Pfählen befestigtes Absperrband). Vor der Mahd wird empfohlen, Wiesen nach Rehkitzen und anderen Tieren abzusuchen. Das Mähen von innen nach aussen ermögliche den Wildtieren einen Fluchtweg. Neben den bewährten Infrarot-Suchgeräten zur Jungwildrettung kommen gemäss Tierschutz heute vermehrt auch Drohnen, ausgerüstet mit Wärmebildkameras oder Infrarottechnik, zum Einsatz. Dies vor allem in grossen Feldern. Im letzten Jahr konnte der Verein Rehkitzrettung dank dieser Methode über 750 Tiere retten.

Gefahr für Nutztiere

"Zu einer erfolgreichen Jungwildrettung gehört auch das Wissen über den richtigen Umgang mit aufgefundenen Rehkitzen", schreibt der STS. Diese sollten niemals von blosser Hand berührt, sondern mit Handschuhen oder unter Zuhilfenahme eines Grasbüschels in eine Kiste gelegt und so aus dem Gefahrenbereich verbracht werden. 

-> Hier gehts zum Merkblatt "Rehkitze bei Heuernte schützen"

Durch das Mähen getötete Wildtiere können zu einer tödlichen Gefahr für Nutztiere werden. Gerieten Kadaver von Wiesentieren nach dem Mähen unerkannt ins Silo, bildeten sich durch die Zersetzung von Fleischresten in Heu und Grassilage Toxine, die für Rinder und andere Nutztiere tödlich sein könnten, warnt der STS. Ein Tierkadaver im Mähgut könne die Heuernte vergiften. So verursache das Vermähen von Jungwild indirekt noch mehr Tierleid. Jungwildrettung sei Wildtierschutz und zudem - als Prävention von Vergiftungsfällen beim Vieh - auch im Interesse der Landwirtschaft.

Auf Bienen achten

Untersuchungen von Agroscope haben ergeben, dass beim Mähen pro Hektare bis zu 24'000 Bienen getötet werden. Bei einer Staatengrösse von rund 30'000 Tieren ist diese Zahl sehr hoch. Beim Mähen von Heu und Silage sollte man deshalb wo möglich auf die Nützlinge Rücksicht nehmen. Die Verwendung von Mähaufbereitern führt zu einem Bienenverlust von 35 bis 62 Prozent gegenüber rund 5 Prozent Verlusten, wenn kein Aufbereiter verwendet wird. 

Um Bienen, aber auch andere Insekten, Spinnen und Larven oberhalb der Schnitthöhe zu schonen, sollte  deshalb beim Mähen tagsüber auf den Aufbereiter verzichtet werden. Verluste können auch vermieden werden, wenn nicht zur Hauptflugzeit der Insekten gemäht wird  und wenn sie Ausweichräume und Rückzugsorte in unmittelbarer Nähe finden.  

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