7.08.2018 12:32
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Futterbau
Luzerne mag keinen tiefen Schnitt
Viele Wiesen werden dürrebedingt braun. Hier schlägt die Stunde der trockenheitstoleranten Luzerne. Doch die Leguminose ist im Anbau nicht ganz einfach. Eine zu häufige Nutzung erträgt sie nicht.

In trockenen Sommern wie diesem kommt regelmässig die Frage auf, wie das Optimum an Ertrag und Qualität aus dem Futterbau herauszuholen ist. 

Pfahlwurzel

Wenn die Natur- und Kunstwiesen braun werden und der Emdschnitt mager ausfällt, begint die Suche nach einer trockenheitsrobusten Pflanze – und schnell landet man bei der Luzerne. Doch was ist bei deren Anbau zu beachten, und hält sie auch, was sie verspricht, nämlich Ertrag trotz Trockenheit? Die Luzerne ist tatsächlich eine der trockenheitstolerantesten Futterpflanzen. Das verdankt sie ihrer Pfahlwurzel, mit der sie das Wasser in tieferen Bodenschichten anzapfen kann. 

Zudem ist sie sehr ertragreich und bringt in günstigen Lagen jährliche Trockensubstanz-Erträge von bis zu 20t/ha. Sie ist laut Agroscope aber auch kälteresistent und überlebt bis auf über 1000 Meter. Bei einer Nutzung bei Blühbeginn resultieren  sehr hohe Eiweisserträge. Ein weiterer Vorteil ist der geringe Bedarf an Stickstoff. Als Leguminose kann die Luzerne mit  den Knöllchenbakterien Luftstickstoff fixieren. 

Saatgut impfen

Neben diesen Vorteilen ist die Luzerne aber auch eine heikle Futterpflanze. Eine Düngung mit hohen Stickstoffgaben verdrängt sie aus dem Bestand. Beim Einsatz von Gülle sollte diese mit einem Schleppschlauch verteilt werden. Staunässe und saure Böden sagen der Luzerne ebenfalls nicht zu.

Vielmehr bevorzugt sie einen durchlässigen, tiefgründigen und nährstoffreichen Boden. Liegt der Boden-pH-Wert unter 6,5, ist die Verwendung von Saatgut zu empfehlen, das mit Knöllchenbakterien geimpft ist. Das Saatgut muss auch geimpft werden, wenn seit über fünf Jahren keine Luzerne mehr auf der Parzelle stand.

Abblühen lassen

Die Luzerne leidet unter zu häufiger Nutzung. Um ihre Ausdauer zu verbessern, wird  empfohlen, sie während des dritten Aufwuchses blühen zu lassen. Die beste Futterqualität weisen allerdings die jungen Pflanzen auf. Für einen guten Kompromiss zwischen Ertrag und Qualität sollte man zwischen den einzelnen Nutzungen sechs bis sieben Wochen verstreichen lassen. In keinem Fall erträgt die Luzerne eine Schnittlänge von weniger als 7cm. Auch reagiert sie empfindlich auf Befahrung und anhaltenden Viehtritt. Sie kann nur im Sommer und im Herbst bei trockenen Verhältnissen beweidet werden.

Der Anbau von Luzerne in Reinsaat ist nur möglich, wenn sich Boden und Klima dafür perfekt eignen. In den meisten Schweizer Gegenden empfiehlt sich deshalb eher der Anbau von sogenannten L-Standardmischungen (siehe Kasten «Mischungen»), die aus Luzerne, Klee und verschiedenen Gräsern zusammengesetzt sind. Sie fassen nach der Ansaat einfacher Fuss und entarten weniger schnell als Reinkulturen und einfache Mischungen. Die ideale Aussaatperiode für Luzerne als Reinkultur oder in Mischung ist von Mitte April bis Mitte August. 

Verholzen vermeiden

Bei der Bodentrocknung der Luzerne entstehen grosse Bröckelverluste. Reine Luzernebestände sind wegen des niedrigen Zucker- und des hohen Eiweissgehaltes auch schwierig  als Silage zu konservieren.  Wegen des hohen Eiweissgehaltes wird die Pflanze deshalb oft künstlich getrocknet (siehe Kasten «Heu und Mehl»). Damit die Luzerne nicht zu stark verholzt, sollte sie für die Grünnutzung, aber auch für die Konservierung bei Blühbeginn geschnitten werden.

Heu und Mehl

Luzerneheu hat eine ähnlich gute Strukturwirkung wie Stroh, weist aber einen deutlich höheren Rohproteingehalt auf. Im Mittel von 20 Proben wurden in einer Erhebung über 16 Prozent Rohprotein (RP) in der Trockensubstanz (TS) analysiert. Stroh enthält etwa 3,5 Prozent RP. Wird Luzerne künstlich getrocknet, weist das Grünmehl aus frühen Schnitten hohe Gehalte an verdaulichem Rohprotein, gute Energiewerte und einen ansprechenden Karotingehalt auf. Die Strukturwirkung, wie sie gehäckseltes Luzerne-Dürrfutter aufweist, ist allerdings nicht vorhanden. sum

Nachkultur profitiert


Als tief wurzelnde, bodenaufschliessende Pflanze eignet sich die Luzerne auch gut als Vorfrucht oder zur Gründüngung. Die Ernterückstände hinterlassen nicht nur rund 60 bis 70dt organisches Material pro Hektare zur Verbesserung der Bodenstruktur, sondern stellen über die Knöllchenbakterien auch bis zu 250kg Stickstoff pro Hektare für die Nachkultur zur Verfügung.

Mischungen

Für den Luzerneanbau werden im Handel mehrjährige Standardmischungen und Zwischenfuttermischungen angeboten. Im Vergleich zu Reinsaaten bieten die Standardmischungen mehr Sicherheit hinsichtlich Ertrag und Futterqualität. Ein häufiges Schneiden führt im Verlauf der Bewirtschaftung allerdings zu einer stetigen Abnahme der Luzerne zugunsten der Gräser und des Rot- oder Weissklees. Mischungen mit über 50 Prozent Anteil Luzerne im Bestand erfordern keine N-Düngung, aber eine reichliche Versorgung mit P, K und Mg. sum

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